Planungswettbewerb

Planungswettbewerbe werden in den Bereichen der Architektur, des Städtebaus und der Landschaftsarchitektur als Mittel zur Findung der besten Lösung gewählt. Sie stellen ein geeignetes Mittel zur Qualitätsoptimierung im Planungsprozess dar und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Baukultur. Sie fördern schöpferische Kräfte, Innovation und eine zukunftsgerechte Qualität des Bauens.

Was sind Planungswettbewerbe?

§ 78 VgV beschreibt Sinn und Zweck von Planungswettbewerben. Er gewährleiste die Wahl der besten Lösung der Planungsaufgabe und ist gleichzeitig ein geeignetes Instrument zur Sicherstellung der Planungsqualität und Förderung der Baukultur. Er verfolge das Ziel, alternative Vorschläge für Planung, insbesondere auf dem Gebiet der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens, auf der Grundlage veröffentlichter einheitlicher Richtlinien zu erhalten. Planungswettbewerbe können vor oder ohne Vergabeverfahren ausgerichtet werden. Es handelt sich dabei um ein anonymisiertes Verfahren. Im Wettbewerb geht es hauptsächlich um die Planung selbst, also ihre Qualität, Innovation und Bedeutung für die Baukultur. Natürlich muss der Auslober auch hier schon die Kosten im Hinterkopf haben, auf diesen liegt aber noch nicht der Schwerpunkt. In § 78 Abs. 2 VgV wird der Planungswettbewerb noch einmal eindeutig von der Vergabe abgegrenzt. Er wird vor oder ohne Vergabeverfahren ausgerichtet, ist selber also noch kein Vergabeverfahren.


Da Planungswettbewerbe für die gestalterische Qualität sehr hoch einzuschätzen sind, wird ihre Durchführung immer dann empfohlen, wenn der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zu den Investitionskosten steht. Planungsaufgaben, die den EU-Schwellenwert erreichen und deshalb nach GWB bzw. VgV auszuschreiben sind, werden üblicherweise dem Planungswettbewerb unterstellt. Im Standardfall ist der Planungswettbewerb also dem Verhandlungsverfahren vorgeschaltet.

Rechtsgrundlage von Planungswettbewerben

Der Planungswettbewerb ist in der RPW 2013 und der VgV geregelt. Die Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) haben die Grundsätzen und Richtlinien für Wettbewerbe (GRW) abgelöst. Ihre erste Fassung, die RPW 2008, wurde 2009 vom Bundesministerium für Verkahr, Bau und Stadtentwicklung veröffentlicht. Daraus ist wiederum die leicht modifizierte RPW 2013 entstanden. Die RPW sind kein Gesetz, sondern Richtlinien, die Auslober anwenden können, aber nicht müssen. Für Baumaßnahmen des Bundes und aller Bundesländer außer Niedersachsen und Bremen sind sie allerdings verbindlich. In Niedersachsen und Bremen wird noch eine spezielle Fassung der alten GRW angewendet, die “Regeln für die Auslobung von Wettbewerben” (RAW). Alle anderen Auslober können theoretisch frei entscheiden, nach welchen Regeln sie ihre Wettbewerbe veranstalten. Architekten sind allerdings beruflich verpflichtet, nur an fairen Wettbewerben teilzunehmen und über solche, bei denen die RPW 2013 angewandt wird, kann man dies mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen. Deswegen verfolgen die Architektenkammern auch das Ziel, die RPW für alle Planungswettbewerbe durchzusetzen.


Die RPW 2013 bestehen aus neun Paragraphen, deren Aufbau sich am chronologischen Ablauf des Planungswettbewerbes orientiert:

  • § 1: Grundsätze
  • § 2 bis 4: Wettbewerbsbeteiligten, Wettbewerbsverfahren und Wettbewerbsteilnahme
  • § 5: Wettbewerbsdurchführung
  • § 6 bis 8: Preisgericht, Prämierung und Abschluss des Wettbewerbs
  • § 9: Besondere Bestimmung für öffentliche Auslober (u.a. Nachprüfungsmöglichkeiten nach GWB)


Im Anhang der RPW 2013 finden sich zahlreiche Übersichten, Muster und Erläuterungen, die es selbst Neulingen erlauben schnell und einfach einen guten Eindruck von der Praxis des Planungswettbewerbs zu gewinnen.
Bei Aufträgen, deren Geschätzter Auftragswert die EU-Schwellenwerte erreicht, gilt die Vergabeverordnung (VGV). Der Auftragswert beinhaltet das geschätzte Honorar für die ausgelobte Planungsleistung, die Preisgelder und Zahlungen an die Wettbewerbsteilnehmer. In Abschnitt 5 finden sich allgemeine Regelungen für alle Arten von Planungswettbewerben. Für Architekten- und Ingenieurwettbewerbe einschlägige Sonderregelungen stehen in Abschnitt 6, Unterabschnitt 2.

Verfahrensarten bei einem Planungswettbewerb

Wie bereits erwähnt, können Planungswettbewerbe ohne ein Vergabeverfahren durchgeführt werden. Soll anschließend ein Ausschreibungsverfahren durchgeführt werden, sind die nachfolgenden Verfahren möglich.

Planungs- und Ideenwettbewerb

Nach § 3 der RPW 2013 gibt es zwei Arten des Planungswettbewerbs. Wird der Wettbewerb mit dem Ziel durchgeführt, dass das gefundene Wettbewerbsergebnis vertraglich umgesetzt und in der Praxis realisiert wird, so spricht man vom Realisierungswettbewerb. Dieser ist der Regelfall. In Ausnahmen kann das Ziel des Wettbewerbs aber auch nur die Findung einzelner Konzepte sein und somit keine Realisierung beabsichtigt werden. In diesem Fall spricht man von einem Ideenwettbewerb.

Offener oder nicht offener Wettbewerb

Die Begriffe offenes Verfahren oder nicht offenes Verfahren sind aus der VOB/A-EU bekannt und können im Prinzip auf den Planungswettbewerb übertragen werden. Beim offenen Planungswettbewerb gibt es dementsprechend keine Begrenzung der Teilnehmerzahl, jeder der möchte hat die Möglichkeit, teilzunehmen. Auf diese Weise wird das Potenzial möglichst vieler Architekten und Ingenieure genutzt. Beim nicht offenen Planungswettbewerb werden nach einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren Teilnehmer anhand eindeutiger und nicht diskriminierender Auswahlkriterien ausgesucht (§ 71 Abs. 3 VgV), die dazu aufgefordert werden, am eigentlichen Planungswettbewerb teilnehmen. Dank dieser Vorauswahl kann sichergestellt werden, dass der Wettbewerbssieger auf jeden Fall die Auswahlkriterien erfüllt.

Ein- oder zweiphasiger Planungswettbewerb

Beim zweiphasigen Planungswettbewerb reichen die Teilnehmen in der ersten Phase nur Lösungsansätze oder Lösungsskizzen ein. Anhand dieser Ansätze werden dann von einem Preisgericht die Teilnehmer für die zweite Phase ausgewählt. In dieser geht es dann um die vollständige Lösung der Planungsaufgabe. Die Besetzung des Preisgerichts und die Aufgabenstellung bleiben unverändert. Während des gesamten Verfahrens muss die Anonymität der Teilnehmer gewahrt bleiben. Beim einphasigen Planungswettbewerb wird direkt ein vollständiger Lösungsvorschlag erwartet.

Mehrfachbeauftragung

Da das Erstellen eines vollständigen Lösungsvorschlags sehr komplex ist, müssen die gesamten erbrachten Leistungen der ausführenden Unternehmen nach der HOAI vergütet werden. Für das Verfahren wird die Beauftragung von mindestens drei und maximal sieben Teilnehmern – bei angemessener Beteiligung junger Büros – empfohlen. Der Auftraggeber ist nicht dazu verpflichtet, die Teilnehmer darüber hinaus weiter zu beauftragen.

Ablauf des Planungswettbewerbs

Wie auch ein Vergabeverfahren folgt ein Planungswettbewerb einem gewissen Muster. Der Ablauf unterscheidet sich zudem, ob ein offener Planungswettbewerb oder ein nichtoffener Planungswettbewerb durchgeführt wird - ähnlich wie bei dem offenen Verfahren und dem nichtoffenen Verfahren.

Ablauf des offenen Planungswettbewerbs

  1. EU-Wettbewerbsbekanntmachung: Der Auslober gibt an, welche Mindestanforderungen bestehen und was die Entscheidungskriterien sind. Gegebenenfalls werden hier auch schon spätere Zuschlagskriterien bekannt gegeben und wie diese gewichtet sind.
  2. PLanungswettbewerb und Preigerichtssituung: Dem unabhängigen Preisgericht, das als zentralen Bewertungs- und Entscheidungsgremium fungiert, werden die anonymisierten Wettbewerbsbeiträge vorgelegt. Anhand der Entscheidungskriterien, die in der Bekanntmachung genannt wurden, werden die Beiträgt bewertet.
  3. Information über Ergebnis des Planungswettbewerbs: Das Sitzungsprotokoll wird versandt und die Informationen an das Amt für Veröffentlichung weitergeben. Des weiteren werden die abgegebenen Modelle öffentlich ausgestellt.
  4. Aufforderung zur Verhandlung (Beginn der Vergabe): Die Eignungsunterlagen der Gewinner und ein Erstangebot werden angefordert. Eventuell werden Hinweise auf Vorbehalt einer Verhandlung mitgeteilt.

Ablauf des nichtoffenen Planungswettbewerbs

  1. EU-Wettbewerbsbekanntmachung: Zusätzlich zu den Angaben, die der Auslober auch im offenen Planungswettbewerb bei der Bekanntmachung machen muss, werden zusätzlich die Auswahlkriterien benannt und bereits gesetzte Teilnehmer.
  2. Teilnahmewettbewerb zur Auswahl: Soweit möglich werden die Bewerbungen anhand der Kriterien ausgewählt. Kann die Zahl der Bewerber so nicht auf die erzielte Zahl reduziert werden, so kommt es in seltenen Fällen zu einem Losverfahren.
  3. Mitteilung der Auswahlergebnisse an Bewerber
  4. Planungswettbewerb und Preisgerichtssitzung
  5. Information über Ergebnisse des Planungswettbewerbs
  6. Aufforderung zur Verhandlung (Beginn der Vergabe)

Die Schritte vier bis sechs bei einem nichtoffenen Planungswettbewerb sind mit dem Vorgehen eines offenen Planungswettbewerbes nahezu identisch.

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