HOAI

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) liefert eine Orientierung für ein angemessenes Honorar für Architekten- und Ingenieuleistungen. Vor der Änderung der HOAI im Jahr 2021 war sie zwingend einzuhaltendes Preisrecht, das für alle Personen, die an inländischen Projekten des Ingenieurbauwesens arbeiten, unabhängig von ihrer Ausbildung, galt. Mittlerweile muss sich nicht mehr an die in der Honorartafel festgelegten Honorare gehalten werden. Diese gelten als Orientierungswerte, aber es steht Architekten und Ingenieure offen, ob sie sie nutzen.

Zweck der HOAI

Die HOAI soll die Berufsgruppen der Architekten und Bauingenieure vor einem Preiskampf schützen und die Qualität der Arbeit in diesen Bereichen sichern. Auf der einen Seite soll den Architekten und Ingenieuren ein auskömmliches Honorar gewährleistet werden, auf der anderen Seite den Bauherren die Qualität der Leistungen. Wettbewerb soll allein durch Qualität stattfinden, nicht auf Preisebene.

Die HOAI regelt nicht die Art der Leistungen, die der Architekt bzw. Ingenieur zu erbringen hat.

Anwendungsbereiche der Honorarordnung

Erklärung zu HOAI: Es geht um die Vergütung von Planungsleistungen von Architekten und Ingenieuren in den Bereichen des Bauwesens, der Architektur und der Stadtplanung. Nicht eingeschlossen sind Ingenieure in den Bereichen Vermessungswesen, Bauphysik, Umweltverträglichkeit und Bodenmechanik. Ausgenommen sind auch Ingenieurleistungen, die nicht direkt mit der technischen Ausstattung eines Bauwerks zu tun haben, wie Maschinen- und Anlagenbau, Elektro-, Prozess- und Verfahrenstechnik. Für sie werden in der HOAI nur unverbindliche Regelungen angegeben.

HOAI 2021 - Gründe für die Neuerung

Im Jahr 2020 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Entwurf zur “Änderung der Ermächtigungsgrundlage der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure” (ArchLG) vorgelegt. Aus dieser wurde daraufhin die neue HOAI als Verordnung abgeleitet, die am 01.01.2021 in Kraft getreten ist. Die Änderung der ArchLG wurde aufgrund eines EuGH-Urteils vom 4. Juli 2019 notwendig, der die verbindliche Regelung der Mindest- und Höchstsätze als nicht mit dem europäischen Gesetz vereinbar sieht.

Wesentliche Änderungen der HOAI 2021 

Mit der Neuerung der HOAI im Jahr 2021 wurde das verbindliche Preisrecht abgeschafft. Künftig gilt die HOAI nur noch als Orientierung für Honorare. Dadurch werden die voraussichtlich wenigen Fälle, in denen während der gesamten Vertragslaufzeit keine (dokumentierbare) Honorarvereinbarung in Textform zustande gekommen ist, aufgefangen. Die Werte in den Honorartafeln blieben unverändert. Die Begriffe Mindestsatz und Höchstsatz werden ersetzt durch Basissatz und oberer Honorarsatz ersetzt. Zudem entfällt das Merkmal der zeitlichen Komponente bei Auftragserteilung. Das bedeutet, dass Honorarvereinbarungen während eines laufenden Planungsprozesses und Bauvorhabens geändert werden können. Damit wird dem Architekten die Möglichkeit gegeben, noch während des laufenden Bauvorhabens Druck auf eine Honoraranpassung zu machen. Die Grundlagen und Maßstäbe zur Honorarermittlung bleiben erhalten. Künftig reicht die Textform für eine wirksame Honorarvereinbarung aus, bislang war die Schriftform erforderlich. Zudem sind Architekten und Ingenieure dazu verpflichtet einen Auftraggeber, insofern dieser ein Verbraucher ist, spätestens mit der Abgabe seines Angebots in Textform darauf hinzuweisen, dass ein höheres oder niedrigeres Honorar als in der Honorartafel der HOAI vereinbart werden kann. Unterlässt der Architekt dies, gilt das Basishonorar als vereinbart.

Die Honorartafel der HOAI als Orientierung für angemessene Honorare 

Mit der Änderung der HOAI sind die Honorare für Architekten und Ingenieure künftig vollumfänglich dem freien Markt unterworfen und Leistungen können auf Stundenbasis, zu einem Pauschalpreis oder nach HOAI angeboten werden. Ein Angebot und Bieterverfahren auf Basis der HOAI schafft Vergleichbarkeit, Transparenz und Flexibilität. Auch muss das Honorar als angemessen bewertet werden. Verallgemeinert kann gesagt werden, dass man ab einer Verdopplung des oberen Satzes oder Halbierung des Basissatzes nicht mehr von Angemessenheit sprechen kann. Jedoch wird sich dies mit der Rechtsprechung konkretisieren. Für Architekten und Ingenieure ist es empfehlenswert, sich mit dem Änderungsprocedere des BGB (§ 650 b und c BGB) vertraut zu machen. Wurde ein Architekt oder Ingenieur durch den Preiswettbewerb dazu veranlasst, unterhalb des Basissatzes anzubieten und hat daraufhin den Auftrag erhalten, kann erst im Fall auftretender Änderungen durch ein gut geführtes Änderungsmanagement wieder auf ein wirtschaftlich auskömmliches Honorar kommen.

Grundlagen und Maßstäbe zur Honorarermittlung auf Basis der HOAI

Orientiert sich ein Architekt oder Ingenieur an der HOAI, so fallen insbesondere die folgenden drei Parameter zur Bestimmung der Höhe des Architektenhonorars ins Gewicht:

  • anrechenbare Kosten
  • Honorarzone (Schwierigkeitsgrad der Planung)
  • Leistungsphasen (erbrachte Leistungen)

Anrechenbare Kosten

Dies sind zunächst die Kosten der Baukonstruktion an sich. Mitzuverarbeitende (bereits vorhandene) Bausubstanz ist zu berücksichtigen. Dazu kommen Kosten für technische Anlagen, die in die Baukonstruktion integriert werden. Planung und fachliche Überwachung dieser Anlagen unterliegen nicht dem Auftraggeber. Im Falle von Umbau oder Modernisierung fällt zudem ein Zuschlag von mindestens 20 Prozent an. Wurde dieser nicht schriftlich fixiert, wird er mit 20 Prozent angenommen.
Zu den anrechenbaren Kosten können ferner Nebenkosten berechnet werden, die in der HOAI mit Erläuterungen aufgeführt sind.

Honorarzone (Schwierigkeitsgrad der Planung)

Honorarzonen von I bis V klassifizieren den Planungsaufwand für 15 allgemeine (z. B. Gutachten und Wertermittlung) und spezifische (z. B. landschafts- oder verkehrsplanerische Leistungen) Bereiche. Für jede Zone gilt ein Basishonorarsatz und einer oberer Honorarsatz.

Leistungsphasen (erbrachte Leistungen)

Leistungsphasen gliedern nach der HOAI die Gesamtleistung eines Architekten oder Ingenieurs. Jeder Phase ist in der HOAI ein Anteil des Gesamthonorars des Architekten oder Ingenieurs zugeordnet.

Planungsphasen

Auf eine initiale Phase der Grundlagenermittlung (Klärung der Aufgabenstellung, des Leistungsbedarfs und der Kostenvorstellungen) folgen vier Planungsphasen: Vor-, Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung. Die ersten der zwei Planungsphasen beinhalten Kostenschätzung und -berechnung.

Vergabephasen

Nach der Planung stehen zwei Vergabephasen: Vorbereitung der Vergabe (inklusive Ermitteln von Mengen und Aufstellen der Leistungsverzeichnisse) und Mitwirkung bei der Vergabe (mit Kostenanschlag). Die letzten beiden Phasen sind Bauüberwachung (mit Dokumentation) und Objektbetreuung.

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