ibau Sentiment Analyse | Juni 2020:
Lässt sich schon wieder eine positive Entwicklung erkennen?

Die wirtschaftlichen Abläufe werden auch im Juni noch von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst. Der bekannte Alltag stellt sich zwar zunehmend wieder ein, in vielen Bereichen jedoch noch etwas holprig. Bis jetzt gehört die Bauwirtschaft zu den wenigen Branchen, bei denen gravierende Folgen des Corona-Geschehens weitestgehend ausgeblieben sind. Obwohl diese Einschätzung von allen führenden Fachverbänden geteilt wird, steht immer noch die weiterhin nicht ganz unberechtigte Befürchtung einer nachgelagerten Krise im Raum. Allerdings deutet unsere Anfang des Monats für Juni durchgeführte Befragung eher auf eine Verschiebung in Richtung Normalisierung hin.

1| Zusammenfassung

Die Beteiligten der Bauindustrie haben gelernt, mit der Krise zu leben. Erkennbar wird dies anhand der Projektumsetzungstendenzen sowie im Handeln der Behörden, obgleich die durch die Corona-Krise aufgedeckten strukturellen Schwächen wie Fachkräftemangel oder mangelnde technische Ausstattung in den Behörden weiterhin existieren.

Die Angaben zur Preisentwicklung deuten ebenfalls nicht darauf hin, dass die Baubranche kurzfristig auf eine handfeste Krise zusteuert.

Eine vorsichtige Einschätzung lässt die Annahme einer Normalisierung hinsichtlich der Mengen der neuen Projekte zu.

Die bekannten Projekte verschieben sich wieder in Richtung der Realisierungsphasen. Es zeigt sich eine sinkende Tendenz bei Projekten in den auf die Zukunft geprägten Phasen Diskussion und Vorplanung.

  • Diese positive Entwicklung lässt sich in allen überwiegend gewerblichen bzw. privaten Bereichen beobachten.
  • Im Gegensatz dazu stieg der Anteil an längerfristigen Projekten im Bereich der öffentlichen Bauherren an.
2| Die Stimmungslage

Die wirtschaftlichen Abläufe werden auch im Juni noch von den Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst. Der bekannte Alltag stellt sich zwar zunehmend wieder ein, in vielen Bereichen jedoch noch etwas holprig.

Bis jetzt gehört die Bauwirtschaft zu den wenigen Branchen, bei denen gravierende Folgen des Corona-Geschehens weitestgehend ausgeblieben sind. Obwohl diese Einschätzung von allen führenden Fachverbänden geteilt wird, steht immer noch die weiterhin nicht ganz unberechtigte Befürchtung einer nachgelagerten Krise im Raum. Allerdings deutet unsere Anfang des Monats für Juni durchgeführte Befragung eher auf eine Verschiebung in Richtung Normalisierung hin.

Dies wird auch in der aktuellen Umfrage unter Architekten und Planern durch die Heinze Marktforschung bestätigt. Hierbei wurden jeweils mehr als hundert Architekten per Zufallsverfahren befragt (siehe Grafik unterhalb). Diese Erkenntnis zeigt sich zudem in der Analyse mehrerer Indizes wie bspw. in der Einschätzung der Auftragslage, der Anzahl an Projekten und Anfragen sowie in der Baustellenbesetzung mit Verarbeitern.

Verzögerungen nach Bauphasen

Die Erkenntnisse unserer ibau Sentiment Analyse zeigen zudem, dass sich die Angaben zur Projektrealisierung im Juni im Vergleich zum Mai kaum verändert haben. Mehr als die Hälfte der Projekte wird mit deutlichen Verzögerungen realisiert. Dem gegenüber steht ungefähr ein Viertel der Projekte, die schneller und unkonventioneller bearbeitet werden. Werden die Werte im Detail betrachtet, zeigt sich eine Verschiebung von Projekten, die planmäßig oder mit leichten Verzögerungen realisiert werden, hin zu auf Eis gelegten Projekten bzw. Projekten, die nicht mehr realisiert werden. Bei dieser Größenordnung kann bislang nicht von einer dramatischen Zuspitzung der Situation gesprochen werden. Vielmehr stabilisiert sich die Situation auf einem Niveau, das zwar keinen Anlass zum Jubel bietet, aber auch nicht die teilweise negativen Prognosen einzelner Verbandsvertreter widerspiegelt.

Veränderungen im Projektverlauf
Veränderungen im Projektverlauf

Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei geplanten Projekten

Der Anteil der Aussagen, dass sich Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen eher vermehrt haben, ist mit 19 Prozent im Mai zu 19,2 Prozent im Juni konstant geblieben. Der Anteil derer, die eher eine Verringerung von Zurückstellung- oder Rücktrittstendenzen feststellen, ist im Juni hingegen um 6,6 Prozent gestiegen.

Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Aussagen unserer Ansprechpartner wider. Einschätzungen, die auf eine eher zurückhaltende und zögerliche Strömung in der Wirtschaft hindeuten, sind von 61,1 Prozent auf 50 Prozent gesunken. So waren vermehrt folgende Stimmen wahrzunehmen:

„Im Wohnungsbau ist die Auftragslage nach wie vor gut; auch bei landwirtschaftlichen Objekten kommen neue Aufträge.“
„Nach den ersten Wochen hat sich die Situation wieder normalisiert …“
„Im Mittelstand gibt es keine Rückstellungstendenzen …“
„Bei unseren öffentlichen Aufträgen bedingt der Bedarf auch die Ausführung, z.B. Kitas …“
„… ich habe volle Auslastung im Büro.“

Wie haben sich die Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei Ihren Projekten im Juni im Vergleich zu den Vormonaten verändert?
Wie haben sich die Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei Ihren Projekten im Juni im Vergleich zu den Vormonaten verändert?
Wie haben sich die Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei Ihren Projekten im Mai im Vergleich zu den Vormonaten verändert?
Wie haben sich die Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei Ihren Projekten im Mai im Vergleich zu den Vormonaten verändert?

Im Hinblick auf Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen bei öffentlichen Bauherren hat eine Polarisierung stattgefunden. Der Anteil der Befragten, die angeben, dass sich diese Tendenzen eher vermehrt haben, ist um 5,5 Prozent gestiegen. Der Anteil der Befragten, die angeben, dass sich diese Tendenzen eher verringert haben, hat sogar um 10,4 Prozentpunkte zugenommen. Offensichtlich ein Indiz dafür, dass die Behörden in ihrer Bearbeitungsinfrastruktur unterschiedlich gut aufgestellt sind. Gleichzeitig zeigt es aber auch die gegenläufige Einschätzung zur mittelfristigen Entwicklung der kommunalen Finanzsituation. Gut ein Viertel der Befragten scheint somit an eine positive Entwicklung zu glauben.

Bei Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen gewerblicher Bauherren zeichnet sich schon eine signifikante Entspannung ab. Gewerbliche Bauherren, die im Allgemeinen eher lösungsorientiert an Herausforderungen herangehen, haben offensichtlich wieder Vertrauen in die Zukunft gefasst. So ist ein Zuwachs von 8,4 Prozent bei den Angaben zur Verringerung von Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen und gleichzeitig eine Abnahme von 2,2 Prozent bei den Angaben zu vermehrten Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen zu verzeichnen.

Auch bei privaten Bauherren scheint wieder ein Stück weit Alltag einzukehren. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass sich in den letzten Wochen deutlicher abzeichnete, welche Branchen längerfristig mit den Pandemiefolgen zu kämpfen haben und welche wieder schneller zu alter Stärke zurückfinden. Da durch diese Erkenntnisse der Grad der Ungewissheit sinkt, ist es privaten Bauherren wieder eher möglich, die persönliche Zukunft verlässlicher zu planen. Es zeigt sich ein Rückgang von 3,8 Prozent bei den Angaben zu eher vermehrten Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen und ein Zuwachs von 1,2 Prozent bei den Angaben zu eher weniger Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen.

Diese Entwicklung kann als Signal gedeutet werden, dass sich auch bei privaten Bauherren – wenn auch deutlich zögerlicher als bei gewerblichen Bauherren – eine Art Zuversicht und ein Gewöhnungseffekt an das Leben mit der Krise einzustellen scheint.

Veränderung der Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen im Vergleich von Mai zu Juni
Veränderung der Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen im Vergleich von Mai zu Juni

Bearbeitung von Bauanträgen und Bauvoranfragen

62,1 Prozent aller Befragten geben an, dass deutliche Verzögerungen bei der Bearbeitung von Bauanträgen und Bauvoranfragen durch die Genehmigungsbehörden zu verzeichnen sind. Im Vergleich zum Mai ist dieser Wert jedoch nur minimal angestiegen (0,3 %). Allerdings muss dieser hohe Wert vor dem Hintergrund des schon seit Jahren bestehenden strukturellen Problems von Fachkräftemangel sowie mangelnder technischer Ausstattung in den Behörden, wie beispielsweise für Homeoffice-Tätigkeiten, gesehen werden. Gerade in der Corona-Zeit konnte dieser strukturelle Mangel selbstverständlich noch nicht gelöst werden.

Während die Angaben zu Verzögerungen also nahezu gleich geblieben sind, haben sich die Angaben zur schnellen unkonventionellen Bearbeitung mehr als verdoppelt – wenn auch auf niedrigem Niveau (von 1,8 % auf 5,2 %). Das zeigt, dass die Corona-Krise Defizite nicht nur offenlegt, sondern auch punktuell dafür sorgt, dass alte Strukturen aufgebrochen werden.

Veränderung bei der Bearbeitung von Bauanträgen und Bauvoranfragen durch die Genehmigungsbehörden
Veränderung bei der Bearbeitung von Bauanträgen und Bauvoranfragen durch die Genehmigungsbehörden

Veränderungen in Ausschreibungs- bzw. Vergabeverfahren

Die schon seit längerer Zeit existierenden und bereits oben angesprochenen Strukturprobleme der Behörden werden durch die Corona-Krise nicht nur offengelegt, sondern werden aufgrund der anhaltenden Auswirkungen des Corona-Virus immer deutlicher. So waren im Mai noch knapp 73 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich das Tempo der Ausschreibungs- und Vergabeverfahren nicht signifikant geändert hat. Dieser Wert ist im Juni auf nur noch 48 Prozent gesunken. Gleichzeitig geben mehr als ein Drittel aller Teilnehmer an, dass deutliche Verzögerungen bei Ausschreibungs- und Vergabeverfahren festzustellen sind. Dies ist ein Anstieg von 16 Prozent.

Dennoch scheint es, dass im Bereich der Ausschreibungs- und Vergabeverfahren ein Teil der Behörden Änderungen und Prozessanpassungen umgesetzt hat. Denn neben der festgestellten negativen Entwicklung lässt sich auch ein Anstieg bei Angaben zu einer schnelleren unkonventionellen Bearbeitung verzeichnen (5,2 %).

Veränderung bei der Bearbeitung von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren
Veränderung bei der Bearbeitung von Ausschreibungs- und Vergabeverfahren

Veränderungen der Zahlungsmoral

Hinsichtlich der Zahlungsmoral der Behörden bei erbrachten Bauleistungen scheint sich die Lage zu entspannen. Im Vergleich zum Mai gaben nur knapp 24 Prozent der Befragten an, beim Zahlungseingang eine deutliche Verzögerung zu registrieren. Damit korreliert auch der Anstieg der Angaben, dass sich die Zahlungsmoral im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Krise nicht geändert hat (72,7 %).

Möglicherweise zeigt diese Entwicklung eine Auswirkung des – zumindest in den Grundsätzen – beschlossenen Unterstützungsprogramms des Bundes für die Kommunen, das den Einspardruck ein Stück weit lindert und damit gleichzeitig für die notwendige Liquidität bei den Projektbeteiligten sorgt.

Veränderung der Zahlungsmoral bei erbrachten Bauleistungen
Veränderung der Zahlungsmoral bei erbrachten Bauleistungen

Entwicklung des Preisniveaus

Anhand des Preisniveaus lässt sich ablesen, ob sich der Beginn einer existenziellen Krise für die Bauwirtschaft abzeichnet. Gleichzeitig wurde in den Medien vermehrt darüber berichtet, dass es seit der Krise wieder Angebote von Fachunternehmen gibt, die realistische – und nicht wie zuvor extrem hohe – Preiskalkulationen beinhalten, um bei öffentlichen Aufträgen eine Chance für den Zuschlag zu erhalten.

Diese Berichterstattung wird durch die Angaben der von uns befragten Teilnehmer nicht bestätigt. Ungefähr 38 Prozent gaben an, dass Handwerker-Dienstleistungen eher noch teurer geworden sind, wohingegen nur knapp 7 Prozent eine Tendenz zu günstigeren Angebotspreisen sehen. Vermutlich erklärt sich dies aus einem reichlichen Auftragsüberhang des Vorjahres. So gilt es abzuwarten, ob der 7 Prozent-Wert den Anfang einer sinkenden Preistendenz markiert.

Im Hinblick auf das Preisniveau bei Bauprodukten gaben fast die Hälfte aller Befragten an, dass das Preisniveau eher gestiegen ist. Diese Tendenz war infolge der sich bereits im April abzeichnenden Lieferengpässe zu erwarten.

Entwicklung des Preisniveaus
Entwicklung des Preisniveaus
Anzahl neue Projekte nach Planungsphase
3| Die Analyse der Projektmengen

Um die aktuelle Situation sinnvoll bewerten zu können werden im Folgenden, wie schon in der Mai Analyse, zwei Trends betrachtet: zum einen die Neuprojekte und zum anderen die zeitliche Verschiebung bereits bekannter Projekte.

Veränderungen der Anzahl der neuen Projekte

Beim Vergleich von Mai und Juni spiegelt sich die zuvor getroffene Kernaussage wider. Eine vorsichtige Einschätzung lässt die Annahme einer Normalisierung hinsichtlich der Mengen der neuen Projekte zu: Diese sind wieder um 12,3 Prozent angestiegen.

Die Anzahl der neuen Projekte in der Phase Diskussion weist eine verhaltene Steigerung auf (7,5 %). Bei diesen Projekten handelt es sich zudem oftmals um Projekte öffentlicher Bauherren. Umso erfreulicher ist es, dass die Anzahl der neuen sich bereits in der Planung befindlichen Projekte einen deutlichen Zuwachs verzeichnet (50,2 %). Offensichtlich wird zurzeit wieder näher an der Gegenwart geplant.

Anzahl bekannte Projekte nach Projektphase

Verschiebung bekannter Projekte

Zum Anstieg der Neuprojekte passt die Entwicklung der bereits laufenden Projekte. Bei den sehr frühen Projekten in der Diskussion und Vorplanung hat sich ein kleiner Anteil in die konkrete Realisierung verschoben (3,7 %). Erfreulicher ist die Entwicklung der auf Eis gelegten oder nicht mehr zu realisierenden Projekte. Hier befinden sich 5 Prozent bzw. 18,7 Prozent der Projekte nun wieder in konkreten Realisierungsphasen. In dieser Entwicklung spiegeln sich die zuvor berichteten gesunkenen Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen wider.

Diese positive Tendenz lässt sich in allen überwiegend gewerblichen bzw. privaten Bereichen beobachten. So verzeichnet auch der vom Corona-Virus stark betroffene Bereich Industrie, Handel und Gastronomie eine Verschiebung von längerfristig geplanten Projekten hin zu kurzfristig zu realisierenden Projekten.

Demgegenüber steht der gegenläufige Trend bei öffentlichen Bauherren. Hier stieg der Anteil an längerfristigen Projekten zu Lasten der kurzfristigen. Diese Entwicklung legt die Schlussfolgerung nahe, dass im privaten und gewerblichen Bereich auf die Herausforderungen der Krise schneller, flexibler und entschlussfreudiger reagiert wird als bei der öffentlichen Hand. Zudem besteht bei der öffentlichen Hand die Finanzierungsfrage zunehmend im Mittelpunkt.

Veränderung der Projektmenge nach Projektkategorie
Veränderung der Projektmenge nach Projektkategorie
4| Originalstimmen

Die Originaltöne aus unseren Interviews liefern einen Einblick in die aktuelle Stimmungslage.

Icon Normalisierung
Projektmanager einer bundesweit agierenden Lebensmittelkette

Zum Thema Normalisierung: „… Wir merken einen deutlichen Trend zur Normalisierung. Mittlerweile sind wieder 2/3 der Mitarbeiter im Büro. Nach den guten Erfahrungen mit Homeoffice wird diese Möglichkeit im Unternehmen jetzt auch nachhaltig und strukturiert eingeführt. Meetings werden zukünftig deutlich bewusster nach der Notwendigkeit räumlichen Beisammenseins organisiert. Eine Entwicklung die jetzt um 5 Jahre vorweggenommen worden ist. …“

Icon Preisentwicklung
Projektmanager einer bundesweit agierenden Lebensmittelkette

Zum Thema Preisentwicklung: „… Wir merken davon bisher weder in die eine noch andere Richtung etwas, da wir überwiegend mit Rahmenverträgen arbeiten, die immer noch laufen. Allerdings gibt es vereinzelt Auftragsanfragen von Firmen, die es vor Corona überhaupt nicht gab. Hier handelt es sich auch eher um kleinere Firmen, die von ihrem Leistungsvolumen beschränkt sind und in solchen Situationen mangels Kompensationsvolumen auch günstiger anbieten müssen. …“

Icon Behörden
Projektmanager einer bundesweit agierenden Lebensmittelkette

Zum Thema Behörden: „… das war ja schon vor Corona schlimm – aber jetzt ist es nahezu unerträglich. Bei mittleren bis größeren Projekten müssen wir mit Bearbeitungszeiten von mindestens sechs bis neun Monaten rechnen. In den Städten ist es besonders heftig. Hier muss man sehr behutsam anfragen, um überhaupt Gehör zu finden. Auf sein gutes Recht zu bestehen bedeutet, dass man Gefahr läuft, hinten angestellt zu werden. Man muss hier echt ‚Männchen‘ machen. Es ist nicht zu verstehen, warum die Ämter es bis heute nicht geschafft haben, vernünftige Arbeitsbedingungen für Homeoffice zu schaffen – haben wir nach allgemein anfänglichem Chaos doch auch geschafft ... allerdings in kleineren Städten oder Gemeinden haben wir auch sehr positive Erfahrungen gemacht. Hier hatten wir oft persönliche Ansprechpartner, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch gekümmert haben. …“

Icon Behörden
Großes Berliner Architekturbüro

Zum Thema Behörden: „… Wir können kaum noch Umsetzungszeiten planen, weil wir nicht wissen, wann der Bauantrag bearbeitet wird. Das führt dann dazu, dass wir für mehrere Bauvorhaben schon im Vorfeld, also bevor die Planung abgeschlossen ist, schon den Bauantrag stellen, um überhaupt eine reelle Chance auf Bearbeitung zu haben. Das führt dann natürlich wieder zu umfangreichen Nachträgen aber anders geht es absehbar nicht. ...“

Icon Normalisierung
Mittelständischer Generalunternehmer aus Berlin

Zum Thema Normalisierung: „… Bei uns ist bis auf ein paar Terminschwierigkeiten wegen Baustoffliefer-Engpässen alles normal geblieben. Wir haben aber solch bedingte Verzögerungen schon wieder aufholen können. Zwar gab es auch immer wieder Vorfälle, bei denen die verschärften Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten wurden, allerdings hat das im Nachgang nicht zu erhöhten Personalausfällen geführt. …“

Icon Preisentwicklung
Mittelständischer Generalunternehmer aus Berlin

Zum Thema Preisentwicklung: „… Ja, da gibt es – auch jetzt noch – einige Preistreibereien bei diversen Baustoffen. Italien war hier wohl am schlimmsten. Bisweilen hat man den Eindruck, dass die Lieferengpässe bewusst eng gehalten werden, um einen noch besseren Schnitt zu machen. …“

Icon Behörden
Mittelständischer Generalunternehmer aus Berlin

Zum Thema Behörden: „… ach, hören Sie auf! Die haben alle Corona, ein regelrechter Hotspot. Das war ja vorher schon ne Katastrophe – da habe ich für eine Kranaufstellung ein 3/4 Jahr auf die Genehmigung gewartet. Oder jetzt aktuell für die Einleitung des Wassers im Rahmen einer Grundwasserabsenkung: Hier hätten wir für die Einleitung ins Regenwasser-System zwei Straßen überqueren müssen; die verkehrsrechtliche Genehmigung hat man uns frühestens fürs nächste Jahr avisiert. So mussten wir direkt ins Mischwasser-System einleiten wo der Kubikmeter 4x so viel kostet oder halt die Baustelle ein halbes Jahr stilllegen. …“

Icon Normalisierung
Projektsteuerer aus Baden-Württemberg

Zum Thema Normalisierung: „… Auf dem Bau war bisher eigentlich alles immer normal. Der Kuchen wird in 2021 kleiner werden, aber nicht so klein, dass keine Krümel überbleiben. Derzeit merken wir noch gar nichts. Wir sind überwiegend im Gewerbebau tätig, da wird das eine oder andere mittelfristige Projekt nach hinten geschoben – aber bisher nicht aufgehoben, weil alle davon ausgehen, dass der Motor über kurz oder lang die Stotterphase überwinden wird. Allerdings haben wir jetzt bei einem Kommunalen Großvorhaben die ersten Bremslichter gezeigt bekommen. Das hat aber eher andere als Corona-Gründe. Denen war die Kostengröße dann doch zu heiß geworden. …“

Icon Preisentwicklung
Projektsteuerer aus Baden-Württemberg

Zum Thema Preisentwicklung: „… Derzeit sind die Firmen ja gebunden – da können wir noch nichts beobachten. Wir gehen aber davon aus, dass die Preise erst im nächsten Jahr fallen werden. In diesem Jahr sind die Auftragsbücher noch voll. Die Baustoffpreise werden aus meiner Sicht teilweise bewusst hochgehalten – aber das wird sich nächstes Jahr ebenfalls regulieren. …“

Icon Behörden
Projektsteuerer aus Baden-Württemberg

Zum Thema Behörden: „… Ja, das stimmt schon – es ist in weiten Teilen spürbar zögerlicher. Wir können aber keine Schwerpunkte oder besonders extreme Verzögerungen feststellen etwa, dass es bei Landkommunen besser läuft als in Städten. Problematisch scheint die Personaldecke zu sein. Kürzlich konnte bei uns keine Bauabnahme stattfinden, weil der zuständige Sachbearbeiter vom Bauordnungsamt vorübergehend ins Gesundheitsamt abberufen wurde. …“


Informationen als PDF zum Herunterladen

Laden Sie sich die ibau Sentiment Analyse hier für Juni 2020 als praktisches PDF herunter.

Was ist die ibau Sentiment Analyse und wie sind die Ergebnisse zu bewerten?

Die ibau Sentiment Analyse gibt das aktuelle Stimmungsbild von Entscheidungsträgern und Machern der Baubranche wieder. Basierend auf den Aussagen von Investoren, Projektsteuerern, Planern, Generalunternehmern, Vergabestellen, Architekten und Bauträgern bewerten wir die aktuelle Situation, um frühzeitig Entwicklungstendenzen für alle Beteiligten der Bauwirtschaft aufzuzeigen.

Ausgelöst durch Corona hat sich gezeigt, dass sich das Stimmungsbild der Verantwortlichen der Baubranche schnell und tiefgreifend ändern kann. Mit der ibau Stimmungsanalyse halten wir Sie über interessante und relevante Entwicklungen in der Bauwirtschaft auf dem Laufenden.

Wie gehen wir vor?

Die ibau Sentiment Analyse beruht auf drei Faktoren:

  1. Die Prognose basiert auf der Befragung unserer langjährigen Partner in der Bauindustrie sowie der statistischen Auswertung von Trends der von uns erfassten Bauprojekte. Die Kombination dieser Informationen mit unserer umfangreichen Datenbasis vergangener Jahre ermöglicht es uns zukünftige Entwicklungen zu skizzieren.
  2. Es erfolgt eine qualitative Bewertung von über 1.000 Gesprächen mit den oberhalb genannten Ansprechpartnern wie Projektverantwortliche, Investoren, Bauträger, Planer und Architekten.
  3. Basierend auf 30 Schwerpunktinterviews mit ausgewählten Zielgruppen arbeiten wir die zum Teil unterschiedlichen Sichtweisen gesondert heraus. So lassen sich aktuelle Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven oder aus Sicht einer definierten Zielgruppe beleuchten.

Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Alle Informationen auf dieser Seite wurden nur zur allgemeinen Orientierung veröffentlicht.

ibau Redaktion

Auf Basis der Erfahrung von über 60 Jahren täglicher Recherche und Analyse von Ausschreibungen und Vergaben im öffentlichen und gewerblichen Sektor veröffentlicht die ibau Redaktion Ratgeber-Inhalte um Sie über verschiedene Fragen und Problemstellungen rund um Ausschreibungen und Vergaben aufzuklären.