Arbeitsschutz im Tiefbau – Maßnahmen und Regelungen

Baustellen stellen ein hohes Risiko für Unfälle dar. Im Tiefbau verwundert die unverhältnismäßig hohe Anzahl von Arbeitsunfällen meist leider nicht, denn Bauarbeiten im Tiefbau, sei es im Kanalbau, Rohrleitungsbau oder Straßenbau, finden häufig unter ungünstigen Arbeitsbedingungen statt. Arbeitsunfälle können dann gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und das Leben der Arbeiter haben. Daher ist es nicht überraschend, dass gerade auf Baustellen im Tiefbau einige Arbeitsschutzmaßnahmen getroffen und die Sicherheit der Handwerker gewährleistet werden muss. Im Folgenden möchten wir daher auf die arbeitsschutzrechtlichen Maßnahmen und Regelungen eingehen.

Arbeitsschutz im Tiefbau © mhp / stock.adobe.com

Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

Für den Arbeitsschutz in Deutschland greifen unter anderem das Arbeitsschutzgesetz, die Betriebssicherheitsverordnung, die Arbeitsstättenverordnung sowie die Baustellenverordnung. Zudem sollten weitere technische Regeln zur Sicherheit der Arbeitsstätte beachtet werden. Grundsätzlich gilt, dass sich die Umstände auf der Baustelle, je nach Witterungseinflüssen, verändern können und starke körperliche Beanspruchung der Mitarbeiter Einfluss auf das Unfallrisiko haben. Daher hat das Unternehmen die Verantwortung und Pflicht, die größten Gefahrenquellen für Arbeitnehmer ausfindig zu machen und Schutzvorkehrungen zu treffen, um die Arbeitssicherheit bei Tiefbauarbeiten zu gewährleisten.

Sicherheitsfachkräften einsetzen

Firmenbetreiber sind dazu verpflichtet, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit zu bestellen, wenn dies nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV erforderlich ist. Die Sicherheitsfachkraft hat die Aufgabe, arbeitsbedingte Gesundheits- und Unfallgefahren zu ermitteln, zu beurteilen und daraufhin den Bauherren zu beraten. Entsprechende Maßnahmen zur Unfallverhütung sind infolgedessen von den Bauherren umzusetzen, um die notwendige Arbeitssicherheit im Tiefbau zu gewährleisten.

Einsatz von Sicherheitsfachkräften

Firmenbetreiber sind dazu verpflichtet, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit zu bestellen, wenn dies nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV erforderlich ist. Die Sicherheitsfachkraft hat die Aufgabe, arbeitsbedingte Gesundheits- und Unfallgefahren zu ermitteln, zu beurteilen und daraufhin den Bauherren zu beraten. Entsprechende Maßnahmen zur Unfallverhütung sind infolgedessen von den Bauherren umzusetzen.

Arbeitsschutz im Tiefbau

Im Tiefbau lauern viele Unfallgefahren. Neben den generellen Sicherheitsmaßnahmen auf Baustellen, sind im Tiefbau einige spezifische Herausforderungen zu meistern. Arbeiten die Beschäftigten in der Nähe von fließendem Gewässer oder kommen Sie mit Abwasser in Berührung, sollten Schutzmaßnahmen gegenüber Infektionskrankheiten getroffen werden. Zudem kann der Transport oder die Nutzung von Maschinen sowie schwere Belastungen Gefahren bergen. Sind Beschäftigte zum Beispiel im Kanalbau, Erdbau oder Rohrleitungsbau tätig, spielt die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz nochmal eine ganz besondere Rolle, da die verschiedenen Gegebenheiten spezifische Anforderungen stellen. Auch im Straßenbau lauern Gefahren, die im Arbeitsschutz für Tiefbau berücksichtigt werden müssen. Gerade im Grenzbereich formen die Verkehrsteilnehmer eine große Gefährdung, da sie für Lärm, Abgase und Staub sorgen und zudem eine Gefahrenquelle für Unfälle sind. Grundlegende Arbeitsschutzanforderungen für Erd- und Tiefbauarbeiten finden Sie im Arbeitsschutzgesetz. Konkretisiert werden diese Vorschriften durch die DGUV-V 1 zum Thema “Bauarbeiten unter Tage“, “Arbeiten im Spezialtiefbau“, “Sicher arbeiten im Tunnelbau“, “Rohrleitungsbauarbeiten“ etc.

Verkehrsschild Arbeitsschutz © Photographee.eu / stock.adobe.com

Arbeitssicherheit in Baugruben & Gräben

Gerade im Tiefbau bei Erdarbeiten, Arbeiten in Gruben und Gräben ist es wichtig bestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu beachten. Zum Arbeitsschutz im Tiefbau gehört somit, dass Baugruben immer gegen Einsturz gesichert werden sollten. Eine große Anzahl von Verschüttungsunfällen basieren auf einer mangelhaften Sicherung der Baugrubenwände und das Bauherren technische Regeln nicht eingehalten haben. Nach berufsgenossenschaftlichen Vorschriften müssen deshalb Baugruben und Gräben jederzeit sicher sein und dürfen auch nur nach einer Prüfung betreten werden. Bei Erschütterungen des Erdreiches, bei steilen Böschungen sowie leichten Böden aus Sand und Kies, sind auf die Sicherheitsmaßnahmen nach Bodenart zu achten. Kommen mobile Baumaschinen und LKWs zum Einsatz, dürfen diese nicht zu dicht an die Böschungskante fahren, um nicht in die Baugrube zu rutschen. Weitere Maßnahmen zur Arbeitssicherheit im Tiefbau umfassen die Errichtung von Schutzstreifen um Gräben und Baugruben, sodass direkt erkennbar ist, wenn es sich um eine Baugrube handelt sowie eine Baustellenabsicherungen mit einer Mindestbreite von 60 Zentimetern.

Maschinen und Geräte

Maschinen und Geräte müssen stets betriebssicher sein. Das Unternehmen hat die Pflicht darauf zu achten, dass sich so wenig Personen wie möglich in der Nähe von laufenden Maschinen aufhalten, um die Sicherheit der Beschäftigten nicht zu gefährden. Einmal pro Jahr sind die im Betrieb genutzten Geräte einer Prüfung zu unterziehen, teilweise müssen auch neue Systeme integriert werden, etwa Kamera-Monitor-Systeme, um beispielsweise Passanten rechtzeitig zu erblicken. Auch der Umgang mit Baumaschinen formt einen wichtigen Aspekt im Arbeitsschutz auf dem Tiefbau. Neben der Führungserlaubnis sind auch Unterweisungen wichtig. So lernen die Mitarbeiter, den korrekten Betrieb von Bagger und Kran und erfahren, wie sie sich in Notfallsituationen zu verhalten haben. Als Nachweis über die Eignung als Maschinenführer hat sich die ZUMBau-Qualifikation für geprüfte Baumaschinenführer durchgesetzt.

Sicheres Arbeiten im Tiefbau

Alle diese Maßnahmen und Bestimmungen dienen dazu, das Risiko für Unfälle auf Baustellen im Tiefbau zu reduzieren. Obgleich die Unfallgefahr auf diesen nicht komplett aufgehoben werden kann. Beschäftigte sind durch Unterweisungen auf die Gefahrenstellen aufmerksam zu machen. Außerdem sollten Flucht- und Rettungswege aufgezeigt, Erste-Hilfe-Maßnahmen erläutert und besprochen werden. Auch der Einsatz von Schutzkleidung, wie Sicherheitsschuhe, Mundschutz und Helme, muss angesprochen und umgesetzt werden. Die Gefährdungsbeurteilung stellt außerdem ein wichtiges Hilfsmittel dar, um Risiken auf der Baustelle zu vermeiden.

Gefährdungsbeurteilung Tiefbau & Straßenbau

Arbeitssicherheit im Tiefbau ist ein wichtiges Thema, um die Gesundheit der Mitarbeiter und damit die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu wahren. Nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes ist eine Gefährdungsbeurteilung verpflichtend, um mögliche Gefahren im Zuge der Tiefbauarbeiten zu sammeln und Maßnahmen zu entwickeln. Die Berufsgenossenschaften bieten hierfür kostenfreie Handlungshilfen, um eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Für eine konkrete Ermittlung der Gefahrenquellen muss vorab der Arbeitsrahmen deutlich abgesteckt werden:

  • Welche Arbeiten werden ausgeführt?
  • Welche Maschinen und Baugeräte kommen zum Einsatz?
  • Befinden sich Verkehrswege in der Nähe?
  • Welche Tätigkeiten werden ausgeübt?
  • Befinden sich Versorgungsleitungen für Strom, Wasser oder Gas in der Nähe der Baustelle?
  • Welche Arbeitsmittel und Materialien finden Verwendung?

Auf Basis dieser Erkenntnisse können mögliche Gefahren im Umgang mit Maschinen oder beim Einsatz von Materialien aufgezeigt werden. In der Regel lassen sich so jedoch nicht alle potentiellen Gefahren herausfinden, daher ist es wichtig, dass vorliegende Dokumente genutzt werden, um weitere Anhaltspunkte aufzutun. Denken Sie hierbei an Betriebsanweisungen zur Nutzung von Fahrzeugen, Sicherheitsdatenblätter von eingesetzten Baustoffen sowie öffentliche Informationen der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft.
Zudem lohnt es sich, sich mit Architekten, Behörden und Planern zu beraten. So können beispielsweise Gefahren durch Astbestbelastungen, Kampfmittel sowie Versorgungsleitungen aufgedeckt werden. Auch Witterung, menschliches Verhalten, Hitze oder etwaige Gefahren durch durchgeführte Arbeiten sind zu beachten.

Mögliche Maßnahmen für mehr Arbeitssicherheit im Tiefbau

Die Gefährdungsbeurteilung endet nicht mit dem Aufzählen möglicher Gefahren! Haben Sie alle potentiellen Gefahrenquellen zusammengetragen, müssen Sie mögliche Schutzmaßnahmen entwickeln, um die Arbeitssicherheit bei Tiefbauarbeiten zu gewährleisten. Ein wichtiger Aspekt sind Substitutionen. Arbeitsmethoden, Materialien sowie Maschinen können beispielsweise durch weniger schädliche Substitutionen ersetzt werden. So können Sie den handelsüblichen Mörtel gegen Mörtel in Pelletform zu tauschen, um die Staubgefahr zu verringern. Lassen sich Methoden oder Werkstoffe nicht ersetzen, müssen alternative Maßnahmen entwickelt werden, etwa der Einsatz von staubabsaugenden Maschinen. Darauf folgen organisatorische Maßnahmen, etwa das Verbot für das Abfegen staubiger Oberflächen. Ganz zum Schluss kommen personenbezogene Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung zum Einsatz.

  1. Substitutionen überlegen
  2. Technische Maßnahmen einplanen
  3. Organisatorische Maßnahmen einführen
  4. Personenbezogene Schutzmaßnahmen durchsetzen

Absicherung im Schadensfall

Wenn ein Bauherr versäumt notwendige Maßnahmen zu treffen, kann das im Fall eines Unfalls zu existenzbedrohenden Schadensersatzansprüchen kommen. Für Bauherren lohnt es sich daher bestimmte Versicherungen wie die Bauherrenhaftpflichtversicherung abzuschließen. So kann sich gegen finanzielle Folgen aufgrund von Unfällen auf der Baustelle im Tiefbau abgesichert werden. Je nach Größe und Art des Bauprojekts bietet es sich zudem an, weitere Versicherungen zur Absicherung abzuschließen.

Leitungen

Arbeitsschutzmaßnahmen im Tiefbau beziehen sich auch auf unterirdische Leitungen und den dazugehörigen Bauwerken. Eine Beschädigung dieser Leitungen kann zu gefährlichen Situationen beitragen und die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen. Ob elektrische Leitungen, giftige oder explosive Stoffe – die Baufirma ist dazu verpflichtet, die potenziellen Gefahren zu ermitteln, zu beurteilen sowie geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

Kanalarbeiten

Bei Arbeiten in Abwasserkanälen oder Sanierungsarbeiten an Rohren, kann es wie schon erwähnt zu Kontakt mit Krankheitserregern kommen. Der Arbeitsschutz im Tiefbau umfasst daher auch Schutzmaßnahmen, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Dies können Bauherren in Form von entsprechenden Schutzimpfungen veranlassen. Ferner sollte Schutzkleidung, für gegebenenfalls auftretende Gefahrenstoffe, bereitgestellt werden. Beschäftigte gilt es im Hinblick auf das Gesundheitsrisiko aufzuklären und darauf hinzuweisen, dass Haut und Schleimhaut nicht mit dem Abwasser in Kontakt kommen sowie nicht geraucht, gegessen oder getrunken werden sollte. Verordnungen sehen es außerdem vor, dass den Mitarbeitern, während den Bauarbeiten, eine Waschmöglichkeit zur Verfügung steht.

Abonnieren Sie den ibau Newsletter und verpassen Sie nichts mehr

Ich möchte regelmäßig über Inhalte, Services und Produkte der ibau GmbH per E-Mail informiert werden. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. Nach Bestätigung Ihrer E-Mail Adresse erhalten Sie zukünftig unseren ibau Newsletter zu den von Ihnen ausgewählten Themengebieten. Näheres erläutert der Datenschutzhinweis.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

ibau Redaktion

Auf Basis der Erfahrung von über 60 Jahren täglicher Recherche und Analyse von Ausschreibungen und Vergaben im öffentlichen und gewerblichen Sektor veröffentlicht die ibau Redaktion Ratgeber-Inhalte um Sie über verschiedene Fragen und Problemstellungen rund um Ausschreibungen und Vergaben aufzuklären.