Inverse Auktion

Die inverse Auktion stellt eine spezielle Art der elektronischen Vergabe von Aufträgen dar. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass Anbieter versuchen, sich gegenseitig im Verkaufspreis zu unterbieten. In einer Begriffsbestimmung dieser Preisfindungsstruktur kommen auch die Bezeichnungen rückwärts gerichtete Auktion oder Reverse Auction vor. In der reversen Auktion können Beteiligte die Preise der Konkurrenz einsehen. Diese Wettbewerbsform hat ihren Ursprung in der privaten Wirtschaft, findet jedoch auch Anwendung in der öffentlichen Auftragsvergabe. Sie gilt als geeignet für Beschaffungsgüter in großen Mengen.

Inverse Auktion: Definition und Überblick

In einer Erklärung zu inverse Auktion ist diese als besondere Variante der elektronischen Auktion zu verstehen. Sie kommt für verschiedene Güter und Dienstleistungen und in verschiedenen Verfahren zum Einsatz. Es handelt sich um kein eigenständiges Vergabeverfahren, sondern lediglich um eine Form der dynamischen Preisfindung. Elektronische Auktionen können Anwendung finden im Rahmen offener, nichtoffener oder auch Verhandlungsverfahren. Vor der Erteilung des Zuschlags erfolgt die Preisfindung durch das wechselseitige Unterbieten der an der Auktion beteiligten Auftraggeber oder Anbieter.

Zulässigkeit inverser Auktionen

Im Verlaufe dieses Prozesses sinkt der Preis der Auktion Schritt für Schritt. Damit unterscheidet sich die inverse elektronische Auktion von herkömmlichen Auktionen, die sich durch steigende Preise auszeichnen. Inverse Auktionen sind zulässig, so lange es sich um hinreichend präzise Vergabeunterlagen handelt und sich die Leistung unter Nutzung automatischer Bewertungsverfahren einstufen lässt (vergleiche § 25 Abs. 1 Satz 1 VgV). Als Herausforderung gilt hinsichtlich der öffentlichen Auftragsvergabe der Vertraulichkeitsgrundsatz. Dieser befindet sich im Spannungsfeld mit der erforderlichen Offenlegung der Preise.

Ablauf der inversen Auktion

Im Rahmen elektronischer Auktionen in der öffentlichen Auftragsvergabe fordern Auftraggeber sämtliche Bieter gleichzeitig zur Teilnahme auf. Beteiligt sind alle Bieter, die zulässige Angebote unterbreitet haben. Die Bieter müssen ab einem bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit der elektronischen Auktion gemäß der Ihnen in der Aufforderung genannten Anweisungen nutzen. Hierbei teilen öffentliche Auftraggeber sämtlichen Bietern im Verlaufe jeder Phase der digitalen Auktion unverzüglich mindestens den aktuellen Status ihrer Gebote mit. Die Gebote haben Ränge, die sich mit den Geboten konkurrierender Bieter vergleichen lassen.

Chancen und Risiken reverser Auktionen

Diese Preisfindungsstruktur ermöglicht es Bietern und Interessenten, das günstigste Angebot zu finden. Der Beschaffungsprozess gestaltet sich durch reverse Auktionen sowohl für Anbieter als auch Käufer transparent. Problematisch kann ein möglicher aggressiver Preiswettbewerb sein, der mittelfristig zu Qualitätsverlusten führt. Immer günstigere Angebote erfordern billigere Produktion. Dies kann langfristig weitere wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen, wie etwa die Verlagerung in Niedriglohnländer. Ein Sektor, auf dem die inverse Auktion besonders geeignet ist, sind billige Beschaffungsgüter in großen Mengen, für die zahlreiche Lieferanten bereitstehen.

Markttransparenz und Einsparungen

Wie das BMWi schon 2001 in einer in Auftrag gegebenen Studie zeigen konnte, kann die Methode inverser elektronischer Auktionen dazu beitragen, Transparenz zu schaffen und Kosten zu sparen. Die unter anderem von der KPMG Consulting AG durchgeführte Studie legte nahe, wie der Staat mit inversen Auktionen Kosten senken kann. Einsparungen wurden etwa hinsichtlich der Beschaffung von Streusalz und Computern nachgewiesen. Standardgüter gelten im Allgemeinen als geeignet, da sich hier der Preis als Bewertungskriterium eignet.

Stellenwert in elektronischen Auktionen in der öffentlichen Auftragsvergabe

Elektronische inverse Auktionen stellen, ähnlich wie elektronische Kataloge, eine Möglichkeit dar, das wirtschaftlichste oder preisgünstigste Angebot zu finden. Sie ist eine bestimmte Modalität in der Durchführung der Vergabe. Sie lässt sich in der öffentlichen Auftragsvergabe realisieren, wenn die exakten Inhalte und Anforderungen des Auftrags bereits klar definiert sind. Ungeeignet sind sie ihrem Wesen nach im Zusammenhang mit Aufträgen, die eine geistig-kreative Leistung erfordern, da sich diese schwer im Vorfeld klar definieren und abgrenzen lässt.

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