Gewerk

Bauleistungen werden in Gewerke gegliedert. Das Gewerk kann als Teilaufgabe in einer Bauleistung bezeichnet werden. Gemäß der allgemeinen Gewerk-Definition im Baubereich erfordert ein Gewerk eine berufliche Spezialisierung (z. B. Elektriker, Maurer). Damit wird das Gewerk regelmäßig nach einer berufsdifferenzierenden Arbeitsteilung vergeben. Meist bildet ein Gewerk die kleinste bzw. unterste Ebene in einem Leistungsverzeichnis. Der Begriff Gewerk wird zwar in der Fachliteratur und in Ausschreibungen verwendet, eine offizielle oder im Gesetz hinterlegte Definition existiert jedoch nicht.

Erklärung zum Gewerk

Ein Gewerk ist kein feststehender Begriff. Ein Gewerk ist die Bauleistung, die eine Gruppe von Spezialisten als Teil der Gesamtleistung übernimmt. Die unterste, vom Bauherrn erstellte Gliederungsebene wird im Sprachgebrauch häufig als Gewerk bezeichnet. Gemäß der Begriffsbestimmung können Gewerke in einem Bauprojekt die Fliesenarbeiten, Maurerarbeiten oder die Elektroinstallation sein. Verwendet wird der Begriff Gewerk in der Fachliteratur, insbesondere in der in den VOB Teil C, den DIN 276, dem Standardleistungsbuch, den Handwerks- und Gewerbezweigordnungen u.a.

Gewerke in Ausschreibungen

Ein Gewerk ist eine Leistung im Bauwesen. Die Leistung kann handwerklich oder bautechnisch sein. Gewerke am Bau sind zum Beispiel Maurer- und Betonarbeiten, Zimmerer- und Dachdeckergewerke. Gewerke werden bei Ausschreibungen einzeln aufgelistet und an jeweils einen Bieter vergeben. Öffentliche Auftraggeber müssen im Regelfall gewerksweise ausschreiben und vergeben. Private Auftraggeber können hingegen mehrere Gewerke zusammenfassen oder komplette Bauleistungen an einen Generalunternehmer vergeben.

Gewerksweise Vergabe der öffentlichen Hand

Das Gewerk bildet meist einen in sich geschlossenen Bauleistungsbereich. In diesem Gewerk sind die Arbeiten zusammengefasst, die zur Ausführung der Bauleistung erforderlich sind. Im Bauwesen werden Gewerke von handwerklich (HWK) und industriell (IHK) geprägten Berufsbildern ausgeführt. Im Hochbau findet zudem eine Gewerkeaufteilung zwischen Rohbau und Ausbau statt. Eine weitere Unterteilung von Gewerken erfolgt in der VOB/C (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Teil C). In der VOB/C sind die Gewerke der jeweiligen allgemeinen technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen beschrieben.

Gewerke Definition in der VOB/C

Die Einteilung der Gewerke gemäß VOB/C ist grundsätzlich detaillierter als die branchenüblichen Vergabeeinheiten bei einer gewerksweisen Vergabe. Bei Ausschreibungen nach der VOB sind öffentliche Auftraggeber zu einer gewerksweisen Vergabe verpflichtet. Die Ausschreibung kann nicht als komplette Bauleistung an einen Generalunternehmer vergeben werden. Insbesondere dürfen öffentliche Auftraggeber Gewerke nicht zusammengefasst ausschreiben.

Herkunft des Begriffs

Erstmals wurde der Begriff des Gewerks in 1984 durch Karlheinz Pfarr verwendet (Essen, 1984, S. 25). Pfarr leitete den Begriff seinerseits aus einer Beschreibung von Bauleistungen aus dem Jahre 1795 ab (Huth, C.J., Handbuch für Bauherrn und Bauleute, Halle, 1795). Anzumerken ist, dass der Autor Huth den Begriff des Gewerks nicht verwendet hat, sondern eine Berufs- oder Zunftzugehörigkeit.

Beispiele für Gewerke

a) klassische Einordnung von Gewerken:

  • Baumeisterarbeiten
  • Dachdeckerarbeiten
  • Klempnerarbeiten
  • Fliesenleger
  • Mauerarbeiten
  • Beton- und Stahlbetonarbeiten
  • Elektroinstallationsarbeiten
  • Zimmerer- und Holzbauarbeiten

b) tiefes Gewerk gemäß VOB Teil C (VOB/C):

  • Baumeisterarbeiten
  • Erdarbeiten
  • Beton- und Stahlbeton

Gewerke in anderen Branchen

In der Softwareentwicklung wird das Endprodukt, eine Computeranwendung, häufig als Gewerk bezeichnet. Meist ist der zugrundeliegende Vertrag jedoch ein Werkvertrag. Damit ist die Bezeichnung "Gewerk" für das zu erstellende Softwareprogramm irreführend, in der Branche jedoch üblich. In der Film- und Werbeindustrie bzw. in Internetagenturen werden die verschiedenen Tätigkeitsfelder des Teams als Gewerke bezeichnet. Beispiele sind die Gewerke Kamera, Licht oder ein Grafikgewerk, ein Textgewerk, ein Tongewerk.

Abgrenzung zum Los

Nach § 4 Nr. 2 VOB/A sollen umfangreiche Bauleistungen nach Möglichkeit in Lose geteilt und auch nach Losen vergeben werden. So sollen umfangreiche Bauleistungen in kleinere Leistungsteile zerlegt werden. Die Leistungsteile werden in getrennten Ausschreibungsverfahren vergeben, um eine Streuung an verschiedene Auftragnehmer zu erreichen. Gewerke beschreiben eine Bauleistung, wobei mit der Aufteilung der Bauleistung auf Lose ein breiterer Wettbewerb erreicht werden soll. Mit getrennt vergebenen Losen zu einer Bauleistung haben mehrere Bewerber die Chance, sich am Wettbewerb zu beteiligen.

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