DIN-Norm

DIN-Normen sind Empfehlungen, die auf gesicherten wissenschaftlichen und technischen Ergebnissen sowie Erfahrungswerten beruhen. DIN-Normen sind nicht verpflichtend. Die Erstellung von DIN-Normen erfolgt durch Arbeitsausschüsse die im Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN) angesiedelt sind.

Definition: Was ist eine DIN-Norm?

Die DIN-Norm bezeichnet ein privates Regelwerk mit Empfehlungscharakter, in dem sowohl materielle als auch immaterielle Gegenstände vereinheitlicht werden. Sie wird vom Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin erarbeitet. Mit ihr werden Standards für Produktion und Verfahren vereinheitlicht, sodass Produkte und Dienstleistungen verschiedener Hersteller miteinander vergleichbar sind.

Unternehmen befolgen die DIN-Normen auf freiwilliger Basis. Generell finden DIN-Normen in vielen Bereichen Anwendung: Dienstleistungen, Produktentwicklung und -produktion, Bauwesen und Rechtswesen. Der Prozess der Normung kann durch sogenannte interessierte Kreise initiiert werden. Bei den interessierten Kreisen handelt es sich in der Regel um Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft.

Warum gibt es DIN-Normen?

DIN-Normen dienten schon immer der Vereinheitlichung von Standards. Die grundlegende Aufgabe des DIN ist es, die Entwicklung von Normen und deren Wahrung anzuregen, zu organisieren sowie zu steuern. Mit der Arbeit will das Deutsche Institut für Normung e.V. sicherstellen, dass anerkannte Regeln eingehalten werden und der aktuelle Stand der Technik berücksichtigt wird. Dadurch entstehen vergleichbare Produkte, die von vielen Menschen genutzt werden können. Durch eine Vereinheitlichung können Verbraucher sich darauf verlassen, dass sich das genormte Produkt für den vorgesehenen Zweck eignet. Ohne Normen wären die Globalisierung und der Handel, wie wir sie derzeit vorfinden, nicht möglich.

Wie viele DIN Normen gibt es?

Bis zum Jahr 2012 wuchs die Zahl der gültigen DIN-Normen auf über 33.000 Stück. Derzeit beinhaltet das Normenwerk etwa 34.5000 DIN-Normen. Dabei stammt der Großteil der Normen aus den Fachgebieten Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Informationstechnik, Feinmechanik und Bauwesen; jedes Jahr kommen rund 2.000 neue DIN-Normen aus diesen Bereichen dazu. Eine etwa gleichgroße Anzahl wird jedoch jährlich wieder verworfen. Mittlerweile ist der Anteil der nationalen Normen am gesamten DIN-Normenwerk rückläufig, da zunehmend internationale und europäische Normen in das Normenwerk aufgenommen werden. Deren Anteil beträgt zurzeit etwa 75 % des gesamten Bestandes des DIN-Normenwerks.

Wie entsteht eine DIN-Norm?

Normen entstehen in der Regel durch Gruppierungen, die später auch Gebrauch von der Norm machen möchten, etwa Produzenten von diversen Gütern. Bevor eine neue Norm entsteht, muss sie jedoch beantragt werden. Die Entwicklung der DIN-Norm erfolgt in fünf Schritten. Der Normungsprozess unterliegt ebenfalls einer DIN-Norm, die den detaillierten Ablauf des Normungsprozesses regelt: DIN 820-4 „Normungsarbeit – Geschäftsgang“.

Schritt 1: Antrag auf Normung

Grundsätzlich kann jeder einen Antrag auf Normung beim Deutschen Institut für Normung e.V. beantragen, hierfür benötigt er lediglich einen formlosen Normungsantrag mit Begründung und konkreten Vorschlägen für die Normung. Anschließend prüft der jeweils zuständige Ausschuss der Branche, ob ein Bedarf vorhanden ist. Sobald die Finanzierung gesichert ist, entwickelt sich der Vorschlag zu einem Normungsprojekt.

Schritt 2: Norm-Projekt erarbeiten

In der zweiten Phase erhalten alle interessierten Kreise die Möglichkeit, an dem Normungsprozess mitzuwirken und ihr Wissen einfließen zu lassen. Insgesamt 32.000 Experten aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Verbraucherseite können bei der Entwicklung der neuen Norm unterstützen. Ziel ist es, alle Inhalte im gemeinschaftlichen Konsens zu erarbeiten.

Schritt 3: Öffentlichkeit beteiligt sich

Im nächsten Schritt wird der Norm-Entwurf veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Die Öffentlichkeit sowie interessierte Unternehmen haben nun die Möglichkeit, innerhalb von vier Monaten den Entwurf zu kommentieren. Nach Ablauf der Zeit berät der Ausschuss maximal drei weitere Monate über den Entwurf. In dieser Zeit wird die Norm überarbeitet und gegebenenfalls erweitert. Strittige Punkte müssen gegebenenfalls durch ein Schlichtungsverfahren geregelt und behoben werden.

Schritt 4: Veröffentlichung der DIN-Norm

Sobald sich alle Experten über die endgültigen Inhalte einig sind, erfolgt die Veröffentlichung der neuen DIN-Norm. Alle fünf Jahre setzt sich der Ausschuss zusammen und überprüft, ob die Norm noch dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Sollte sich herausstellen, dass sie nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, werden sie überarbeitet oder zurückgezogen. Im Falle eines Streitfalls, kann dies gegebenenfalls durch einen Gutachter oder Sachverständigen widerlegt oder bestätigt werden.

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Wie ist eine DIN-Norm aufgebaut?

Zur Kennzeichnung besteht eine DIN-Norm aus mehreren Teilen, der sogenannten DIN-Nummer. Mithilfe dieser Normnummer lässt sich der Ursprung der Norm erkennen.

Die Aufbau sieht wie folgt aus: DIN + Normnummer. Besteht die Norm aus mehreren Unterteilen, kennzeichnet ein Bindestrich den Normenteil: DIN 14093-1. Früher erfolgte die Kennzeichnung über einen Zusatz: „Teil 1“ oder „T1“. Einige Normen sind zudem mit einem Ausgabedatum versehen, welches ein Doppelpunkt kennzeichnet: DIN 14093:2013-01. Diese Normung stammt aus dem Januar 2013.

Vorteile der DIN Norm

DIN-Normen oder Normen generell haben den Vorteil, dass sie Regeln und Standards aufstellen. Orientiert sich ein Unternehmen bei der Produktion von Fahrzeugen oder beim Bau von Lagerhallen an die gegebenen Richtlinien, lassen sich die Arbeiten häufig effizienter ausführen. Zudem entsteht ein gleichbleibender Qualitätsstandard, der auch den Vergleich mit anderen Produkten oder Dienstleistungen erlaubt.

Nicht zu verachten sind die rechtlichen Aspekte. Hält ein Unternehmen die festgelegten Standards und Regel bei Produktion oder Ausführung ein, steht er auf der rechtlich sicheren Seite. DIN-Normen sorgen also für ein gewisses Maß an Schutz bei Rechtsfragen.

Unterschiede zwischen DIN, EN und ISO

DIN, EN und ISO – drei Begriffe, die unterschiedliche Normen bezeichnen. Prinzipiell hat jedes europäische Land seine eigenen Normen, so auch Deutschland. Wie bereits erwähnt, steht DIN für das Deutsche Institut für Normung. Das Kürzel EN bezieht sich auf eine höhere Ebene, den europäischen Normen. Sie gehört neben der DIN-Norm zu den bekanntesten Normungen in Deutschland. Die Bezeichnung ISO hingegen steht für „International Organization for Standardization“ und bezeichnet internationale Normen mit mechanischem Hintergrund.

DIN-EN-ISO: Kombinationen

Durch die Globalisierung beschränken sich Produkte und Prozesse nicht mehr auf den heimischen Markt, sodass sie auch den europäischen oder internationalen Standards gerecht werden. Dementsprechend tragen zahlreiche Produkte mehr als nur ein Normungs-Kürzel. Um die DIN-Norm um weitere Kürzel zu erweitern, muss ein Mitglied der jeweiligen Normungsorganisation die betroffene Norm vorschlagen. Anschließend unterzieht sie sich einer standardisierten Prüfung, ähnlich der DIN-Prüfung. Entspricht sie den Anforderungen, erhält sie die zusätzlichen EN- oder ISO-Norm-Bezeichnung.

Anwendungsbereiche von DIN-Normen

Normen sind überall anzutreffen. So formen DIN-Normen beispielsweise einen festen Bestandteil bei diversen Bauarbeiten, damit Dächer dicht und Treppen sicher sind. Im Hochbau sorgen Normungen dafür, dass geeignete Materialien verwendet werden. Auch im Bereich von Maschinentechnik und Maschinenbau unterstützen Normen, damit Anlagen und Maschinen den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Sogar bei öffentlichen Ausschreibungen sorgen DIN-Normen für einen geregelten Ablauf.

Technische DIN-Normen

Technische Normen gibt es viele. So sind DIN-Normen in der Veranstaltungstechnik ebenso vertreten wie in der Dentaltechnik oder Radiologie. Auch die Feinmechanik, Elektrotechnik und Luft- und Raumfahrt haben ihre eigenen DIN-Normen. Für die verschiedenen Branchen sind eigens DIN-Normenausschüsse tätig, die für die fachliche Normung zuständig sind.

DIN-Normen im Bauwesen

Wie bereits erwähnt, finden sich DIN-Normen an vielen Stellen im Bauwesen. Sie regeln die Materialauswahl, die verschiedenen Bauverfahren sowie die Bauvergabe nach VOB (DIN 1960 und DIN 1961). Ein Architekt im Bauwesen unterliegt bei seiner Ausführungsplanung ebenfalls bestimmten DIN-Normen für die anzufertigen Zeichnungen.

Übersicht wichtiger Baunormen (Auswahl)

Im Bauwesen greifen viele Normen. Einen Auszug der wichtigsten Bau-Normen haben wir für Sie zusammengestellt:

  • DIN 14096 zur Brandschutzordnung
  • DIN 1988 für Trinkwasserinstallationen
  • DIN 18195 zur Bauwerksabdichtung
  • DIN 18531 für Dachabdichtungen
  • DIN EN 13914-1 für Außenputz
  • DIN ISO 10209-4 zur Dokumentation Bauwesen

Weitere Bereiche der DIN-Normen

DIN-Normen sind allgegenwertig. So regeln Sie beispielsweise das Feuerwehrwesen ebenso wie das Bibliotheks- und Dokumentationswesen. Für den Arbeitsschutz bilden Normen der Ergonomie die Grundlage für die richtige Ausstattung von Arbeitsplätzen, auch die Vorgänge von Dienstleistungen sind in der Regel genormt.

Sind DIN-Normen verpflichtend?

DIN-Normen sind nicht verpflichtend. Kein Unternehmen muss Dienst-, Liefer- oder Produktleistungen erbringen, die der DIN-Norm unterliegen. Die DIN definiert sich als sogenanntes "privates Regelwerke mit Empfehlungscharakter“. Sprich, die Anwendung geschieht auf freiwilliger Basis.

Trotz des unverbindlichen Charakters finden DIN-Normen regelmäßig in Rechtsprechung, Gesetzgebung sowie im Bauwesen Anwendung. Häufig werden DIN-Normen zudem als verpflichtende Grundlage in Verträgen aufgenommen, etwa für die Ausführung bestimmter Arbeiten oder die Produktion diverser Güter.

Wo sind DIN-Normen zu finden?

Alle gültigen und zurückgezogenen Normen sowie Entwürfe lassen sich über die Webseite des Deutschen Instituts für Normung e.V. (www.din.de) kostenlos recherchieren. Einzelne Normen lassen sich zudem über die Website kostenpflichtig bestellen.

Grundsätzlich unterliegen DIN-Normen dem Urheberrechtsschutz. Werden Normen im Wortlaut in eine Rechtsnorm übernommen und abgedruckt, sind sie als amtliche Werke vom Urheberrechtsschutz freigestellt. Diese Regelung gilt seit 2003. Einzelne DIN-Normen, die ein bestimmtes Sachgebiet betreffen, werden als Normen-Sammlungen zusammengefasst, als DIN-Taschenbuch im Buchhandel angeboten und in Bibliotheken zur Ausleihe zur Verfügung gestellt. Für die private Nutzung stehen einzelne DIN-Normen nach § 53 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) unter bestimmten Voraussetzungen genehmigungsfrei zur Verfügung.

Kostenlose Einsicht in DIN-Normen

In der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main und Leipzig sowie an über 90 weiteren sogenannten Auslegestellen können DIN-Normen von jedermann kostenlos eingesehen werden. Eine Anfertigung von Kopien, auch in Auszügen, ist allerdings nicht möglich beziehungsweise kostenpflichtig.

Entstehung des DIN

Das DIN wurde im Mai 1917 als „Normenausschuss für den Maschinenbau“ gegründet. Gründe für die Entstehung lieferte der Erste Weltkrieg; das Institut hatte als Aufgabe, die Materialbeschaffung zu vereinheitlichen.

Im Dezember desselben Jahres fand die erste Umbenennung statt: „Normenausschuss der deutschen Industrie“, kurz NDI. Im darauf folgenden Jahr am 1. März 1918 wurde die erste Norm veröffentlicht, ab da waren Kegelstifte normiert. Die erste Norm hatte sogar bis 1992 bestand, erst da wurde sie durch die Norm „EN 22339“ ersetzt.

Die zweite Namensänderung erfolgte 1926: Deutscher Normenausschuss. Mittels dieser Änderung wollte sich der Ausschuss nicht mehr ausschließlich auf die Industrie beschränken. Die heutige Bezeichnung „Deutsche Institut für Normung e.V.“ trägt das Institut seit 1975; der Name entstand im Zusammenhang mit abgeschlossenen Normenvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Organisation.

Auch heute erweisen sich DIN-Normen als wichtiger Bestandteil der Wirtschaft: festgelegte Standards und Regeln erhöhen die Effizienz von Produktionsabläufen und ermöglichen eine stabile sowie vergleichbare Qualität. Dies schafft Vertrauen bei Kunden und Verbrauchern – egal, ob die Normen im Bau, Forschung oder Liefer- und Dienstleistungen eingesetzt werden.