Klimagerechtes Bauen: Wie es wirklich umgesetzt wird

Erstveröffentlichung: 07.10.2021 10:12 |

Rund 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden durch Gebäude verursacht. Wie wirkt klimagerechtes Bauen dem entgegen? Und was genau bedeutet es für Bauherr:innen und Planende?

Das Wichtigste zum klimagerechten Bauen in Kürze

  • Klimagerechtes Bauen fokussiert sich auf Klimaschutz und Klimaresilienz – also Emissionsreduktion und Widerstandsfähigkeit gegen Unwetter.
  • Langfristig gesehen bringen klimaresiliente Immobilien wirtschaftliche Vorteile und geringere Betriebskosten.
  • Zu Maßnahmen gehören unter anderem standortabhängige Analysen vor dem Neubau, erneuerbare Energien und Gebäudebegrünung.
  • Klimaresiliente Quartiere zeichnen sich durch Grünflächen und Schutzmaßnahmen vor Extremwetter aus.
  • Gefördert wird klimagerechtes Bauen durch verschiedene KfW-Förderungen oder regionale Finanzierungen – auch für Sanierungen.
Klimagerechtes Bauen: Überschrift vor einem Rohbau eines Hauses

Klimagerechtes Bauen sorgt bei so einigen Bauherr:innen, Kommunen und Planer:innen für Kopfzerbrechen: Während es an bezahlbarem Wohnraum fehlt, werden gleichzeitig klimaresiliente Wohngebäude wichtiger. Stürme, Starkregen und Hitzewellen – vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen Gebäude so gebaut werden, dass sie Extremwetter aushalten können. Aber klimagerechtes Bauen ist nicht nur eine Herausforderung – langfristig gesehen bringt es ökonomische sowie gesellschaftliche Vorteile.

Also was genau heißt klimagerechtes Bauen für Bauherr:innen und Planende? Wie können Sie die richtigen Maßnahmen identifizieren und berücksichtigen? Erfahren Sie alles Wichtige zum klimagerechten Bauen in unserem Ratgeber!

Was ist klimagerechtes Bauen?

Klimagerechtes Bauen umfasst das Planen und Bauen von Gebäuden – sodass sie sich möglichst wenig auf das Klima auswirken und an klimatische Bedingungen vor Ort angepasst sind. Dabei wird der Energieverbrauch im gesamten Lebenszyklus berücksichtigt.

Klimaschutz

Klimaresilienz

Gebäude werden so geplant, dass Treibhausemissionen verringert werden und der Bau/der Betrieb so wenig Auswirkungen auf die Umwelt haben wie möglich.

Gebäude müssen an das erwartete Klima angepasst werden, um Schäden von Unwettereinflüssen gering zu halten.

Vorteile von klimagerechtem Bauen: Warum klimagerecht Bauen oder Sanieren?

Bei höheren Investitionskosten fragen sich Bauherr:innen und Planer:innen zurecht: Lohnt sich klimagerechtes Bauen überhaupt? Mit dem Blick auf den Klimawandel wird schnell deutlich – ja, es lohnt sich, sowohl aus gesellschaftlicher als auch ökonomischer Sicht:

  • Beim Schutz des Klimas spielen Gebäude eine wesentliche Rolle. Denn: 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland stammt aus dem Gebäudesektor. Werden Gebäude klimagerecht gebaut, senken sie CO2-Emissionen, schonen Ressourcen und unterstützen die Artenvielfalt.

  • Extreme Wetterereignisse nehmen seit Jahren zu. Klimaresiliente Gebäude, die an die örtliche Lage angepasst sind, bleiben vor Umwelteinflüssen und größeren Schäden geschützt. Vorsorgemaßnahmen sind beispielsweise Dach- und Fassadenbegrünung oder geringe Versiegelung des Grundstücks.

  • Zwar sind die Baukosten höher, allerdings besitzen klimagerechte Immobilien einen hohen Marktwert. Für Eigentümer:innen und Mieter:innen kommt noch hinzu: Klimagerechte Gebäude sind günstiger im Unterhalt und bieten einen höheren Wohnkomfort.

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Was bedeutet klimagerechtes Bauen konkret für Gebäude und Quartiere?

Um klimagerecht aufgestellt zu sein, braucht es ein allumfassendes Konzept: Nicht nur Gebäude müssen an die Folgen des Klimawandels angepasst werden, sondern auch ganze Quartiere und Städte. Planungsteams müssen interdisziplinär zusammenarbeiten und Kommunen müssen die richtigen Grundlagen für klimagerechten Bau schaffen.

Klimaresiliente Quartiere: Was gehört dazu?

  • Mikro- und Makroklima: Parks, Grünflächen und Grünausstattung – Pflanzen senken die Umgebungstemperatur, binden CO2 und halten Wasser zurück. Werden mehr Gebäude durch begrünte Dächer und Fassaden ausgestattet, werden Hitzeinseln ebenfalls reduziert.
  • Entsieglung: Damit Niederschlag im Boden gehalten wird und Grundwasserneubildung angeregt wird, sollten für Straßen und Gehwege wasserdurchlässige Materialien genutzt werden.
  • Schutz vor Extremwetter: Gefährdete Siedlungen sollten bereits vor Hochwasser oder Dürre vorsorgen, beispielsweise durch mobile Barrieren oder wasserresistente Bausysteme.

Viele Städte sind zurzeit nicht angepasst an Starkregen, Hitze oder andere extreme Wetterlagen. Nur wenn bestehende Strukturen und Gebäude weiterentwickelt werden, können klimaresiliente Quartiere geschaffen werden. Bei der Planung und Umsetzung tragen gerade Kommunen eine Vorsorgepflicht: Sie bieten Förderinstrumente an, reduzieren Umweltkosten und führen verschiedene Akteure zusammen, um klimagerechtes Bauen möglich zu machen. Gerade im Bestand liegt die Herausforderung darin, Anreize zu schaffen – hier muss es entsprechende finanzielle Mittel auch für Sanierungen geben. Generell liegen Kommunen in der Verantwortung, Informationen wie Hitzekarten und Starkregenhinweise bereitzustellen, damit Gebäude, die an lokale Gegebenheiten angepasst sind, geplant werden können.

Klimaresiliente Architektur: neue Anforderungen und Konzepte

Klimagerechtes Bauen: Solaranlage in einer Stadt © xiaoliangge / stock.adobe.com

Die Anpassung von einzelnen Gebäuden fällt wiederrum in das Aufgabengebiet der Planer:innen, Architekt:innen und Ingenieur:innen.

  • Klimaresiliente Architektur wird an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst: Sonnenstand, Wind, Temperatur oder Niederschlag. Beispielsweise kann durch die Gebäudeausrichtung Sonnenwärme im Winter genutzt werden oder Schattenmanagement durch Bäume mitbedacht werden.
  • Unterstützt wird der klimagerechte Bau durch umweltfreundliche und langlebige Materialien – dadurch wird der Energiebedarf im ganzen Lebenszyklus reduziert. Es kommen beispielsweise Holz, Lehm oder Recyclingmaterialien zum Einsatz.
  • Klimagerechte Gebäude werden durch Energie- und Haustechnik ausgestattet, um eigenen Strom zu erzeugen oder energieeffizient zu heizen und zu kühlen. Dazu gehören Photovoltaik- und Solarthermieanlagen, Wärmepumpen oder Gründächer.

Planer:innen müssen klimagerechte Bauweisen direkt in die Projektentwicklung und in den Planungsprozess integrieren: Sie führen die standortabhängigen Analysen für Klimarisiken durch, planen Energietechnik und betrachten den Lebenszyklus ganzheitlich, um Kosten-Nutzen zu bewerten. Dabei müssen sie in interdisziplinären Planungsteam arbeiten, um wirtschaftlich und klimagerecht zu planen.

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz stellt in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr eine umfassende Hilfsbroschüre zum klimagerechten Bauen zur Verfügung.

Nachhaltige Ressourcen im klimagerechten Bau

Zentral für nachhaltige Bauweisen sind ebenfalls nachhaltige Baustoffe. In den letzten Jahren haben besonders Holz, Lehm und Stroh an Beliebtheit gewonnen:

Holz

  • CO2-neutral, gute Wärmedämmung, geringes Körpergewicht

Einer der ältesten Baustoffe wird heute als Lösung für die Ökobilanz von Neubauten betrachtet. Als einziger Wandbaustoff ist er CO2-neutral, zudem ist er vergleichsweise leicht und hat eine gute Wärmedämmung. Allerdings ist Holz nicht gleich Holz. Holz ist nur dann nachhaltig, wenn der Rohstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt – idealerweise aus heimischen Wäldern. Immer mehr Bauherr:innen setzen daher auf Holzbauten. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern dominiert der Baustoff bereits. Auch beim Fertigteilbau kommt hauptsächlich Holz zum Einsatz.

Stroh

  • Schnelles Wachstum, in großen Mengen verfügbar, speichert Kohlenstoffdioxid

Stroh wird unterschätzt – dabei ist es vielseitig einsetzbar. Als Bauelement für Außenwände kommt er als Putzträger oder zur Dämmung zum Einsatz. Da er schnell nachwächst und in großen Mengen verfügbar ist, ist er besonders nachhaltig. Auch ist es regional vorhanden – das heißt kürzere Transportwege und weniger CO2-Emissionen.

Lehm

  • Hohe Verfügbarkeit, kurze Transportwege, gute Wärmedämmung

Lehm hat unschlagbare Vorteile: Er ist beliebig wiederverwendbar, ressourcenschonend und an vielen Orten verfügbar. Darüber hinaus entfallen lange Transportwege, sodass der CO2 Ausstoß vergleichsweise gering ausfällt. Auch Energiekosten lassen sich durch Lehm einsparen, denn er verfügt über wärmespeichernde Eigenschaften. Die Bewohner:innen eines Lehmhauses müssen daher weniger heizen als Menschen, die in einem Betonhaus leben.

Mehr Details? Lesen Sie alles in unserem Artikel zu nachhaltigen Baustoffen!

Wie wird klimagerechtes Bauen gefördert?

Klimagerechtes Bauen wird auch durch den Bund und die Länder gefördert: Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen unterstützt durch zinsverbilligte Kredite, damit nachhaltige Gebäude neu gebaut oder modernisiert werden. Dadurch lohnt sich klimagerechtes Bauen für Bauherr:innen und Investor:innen noch mehr.

  • KfW-Förderungen: Durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude werden zahlreiche Förderkredite durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau angeboten. Erfahren Sie in unserem Ratgeber zu KfW-Förderungen für Neubau, welche Finanzierungen sich für Sie lohnen würden!
  • Kommunale Förderungen: Je nach Bundesland und Stadt gibt es auch regionale Förderprogramme, von denen Sie profitieren können - für PV-Anlagen, Gründächer oder Energieberatung. Einige sind auch in Kombination mit KfW-Förderungen möglich – so wie das Programm “Energieeffizienter Wohnungsbau” des Landes Brandenburg.
  • Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude: Durch die Auszeichnung Ihres Gebäudes mit einem QNG-Zertifikat haben Sie die Möglichkeit, weitere Förderungen über die BEG zu erhalten.

Klimagerechtes Bauen - lohnt es sicht?

Sie sehen: Es mangelt nicht an Ideen, wie wir in Zukunft nachhaltiger bauen können. Doch dieser Einfallsreichtum bringt nur etwas, wenn er auch praktisch umgesetzt wird. Resiliente und klimaangepasste Gebäude sind längst notwendig, um gegen den Klimawandel anzukommen. Schwammstädte, die Hitzeinseln reduzieren und gegen Starkregen gewappnet sind, können Wetterereignissen standhalten – mehr Grünflächen halten Wasser und sorgen für ein besseres Klima. Viele Bauherr:innen und Planer:innen befürchten hohe Kosten, die mit klimaresilienten Immobilien einhergehen. Aber auf Dauer werden die Maßnahmen, die Sie jetzt durchsetzen, sich für Jahrzehnte lohnen. Möchten Sie bereits jetzt vorbereitet sein? Dann entdecken Sie unseren ibau Xplorer – alle Bauvorhaben und Ausschreibungen finden Sie bei uns gesammelt in einer Datenbank. So können Sie eine umfassende Markttransparenz ergattern und feststellen, wer und wann die ersten klimagerechten Bauvorhaben vornimmt – und als Erste:r dabei sein.

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In ihrer Arbeit als Online-Redakteurin verfasst Bea Balode qualitative Inhalte und Ratgeber für ibau. Es bereitet ihr Freude, Leser:innen komplexe Themengebiete verständlich und anschaulich nahezubringen. Besonders gerne beobachtet sie Entwicklungen im Vergaberecht und interessiert sich für die nachhaltige Zukunft des Bauens. Ihre Begeisterung für sprachliche Gestaltung verbindet sie mit SEO-Knowhow und Kenntnissen aus ihrem sprachwissenschaftlichen Studium in Germanistik und Anglistik. Auch in ihrer Freizeit entwickelt sie gerne Story-Konzepte und setzt sie in kreativem Schreiben um.