Biozide in Fassadenfarbe stellen Umweltrisiko dar

Um Grünbelägen auf Fassaden entgegenzuwirken, werden den Farben Biozide beigemischt. Doch diese Chemikalien werden durch Regen ausgespült und können der Umwelt schaden.

Biozide in Fassadenfarbe stellen Umweltrisiko dar © Stefan Körber

Wer ein Haus baut, möchte, dass die Fassade möglichst lange schön und sauber bleibt. Allerdings bilden sich auf den Fassaden gut gedämmter Häuser schnell Algen, Moose und Flechten, da sie kühler sind und langsamer trocknen. Helle Fassaden werden so schnell grau, braun und grünlich. Im Wesentlichen ist das ein ästhetisches Problem, es führt aber dazu, dass die Fassade früher oder später saniert wird. Um dem entgegenzuwirken bieten Hersteller Putze und Farben an, denen Biozide beigesetzt sind. Die Stoffe richten sich gezielt gegen Organismen und verhindern so deren Wachstum. Einige dieser Biozide sind in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel allerdings verboten, sodass die Frage berechtigt ist, ob ihr Einsatz in Putzen und Farben aus umweltpolitischer Sicht vertretbar ist.

Die gleichen Chemikalien sind in der Landwirtschaft bereits verboten

Die unterschiedliche Rechtslage beruht darauf, dass derlei Substanzen in der EU je nach Einsatzgebiet überprüft und zugelassen werden. Diese Überprüfungen dauern mehrere Jahre. In der Landwirtschaft wurden die Chemikalien bereits überprüft und sind seitdem nicht mehr zugelassen, für ihren Einsatz in Baustoffen ist die Prüfung allerdings noch nicht abgeschlossen. Andere Chemikalien sind nur im Rahmen einer Übergangsregelung gestattet, da sie bereits auf dem Markt waren, als die EU die Verwendung von Bioziden 2012 reguliert hat. Eine Untersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBM) hat die Konzentration von Bioziden im Regenwasser in zwei Berliner Neubaugebieten gemessen. „Wir waren dann doch schockiert, wie viele Biozide aus den Neubaugebieten rausgekommen sind“, resümiert Outi Ilvonen. Die Expertin warnt, dass die Chemikalien ins Oberflächengewässer gelangen und im Boden versickern, wo sie langfristig eine Gefahr für die ökologische Qualität darstellen. Zudem können auch Kläranlagen Biozide kaum aus den Abwässern herausfiltern.

Biozide lösen sich und es entstehen möglicherweise noch giftigere Zerfallsprodukte

Wir groß diese Gefahr tatsächlich ist wird seit Jahren erforscht. Aktuell laufen an der Hochschule Coburg zwei Forschungsprojekte zu biozidhaltigen Baustoffen. Dazu hat eine Gruppe von Forschenden eine Reihe kniehoher Betonsteine aufgestellt, auf denen unterschiedliche Putze und Farben aufgebracht wurden und die somit Fassaden mit modernen Anstrichen simulieren sollen. Ein Jahr lang sollen sie bei jeder Witterung dort stehen, ihr Ablaufwasser wird aufgefangen und im Labor analysiert. Ziel ist es zu ermitteln, wie hoch die Konzentration der tatsächlich aus den Fassaden gewaschenen Biozide ist und wie das mit den Regenmengen zusammenhängt. Zudem soll im Labor getestet werden, wie sich das Ablaufwasser auf den Boden auswirkt, wie schnell sich Chemikalien abbauen, ob eventuell noch giftigere Zerfallsprodukte entstehen und ob sich die Stoffe im Boden anreichern. Das Team kann schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass die Biozide nicht in der Wand bleiben, da sie nur wirken, wenn sie sich Stück für Stück aus ihr lösen. Schlagregen sorgt dafür, dass sie besonders schnell ausgewaschen werden.

Baubeteiligte müssen über die Alternativen zu Bioziden aufgeklärt werden

Die freigewordenen Mengen sind geringer als beim Einsatz als Pflanzenschutzmittel, dennoch sieht das Bundesumweltamt Handlungsbedarf. Ilvonen geht davon aus, dass einige der Stoffe in den kommenden Jahren verboten werden. Bis dahin setzt das UBA auf Aufklärung und stellt Architekten Infomaterialien über Alternativen zu Bioziden zur Verfügung, denn es gibt auch Farben, die Algen, Moose und Flechten ohne den Einsatz von Bioziden fernhalten oder diese zumindest möglichst gut in der Wand festhalten. Auch ein überstehendes Dach verlangsamt das Wachstum der Pflanzen, da es Regen von der Fassade fernhält. Zudem sind Algen, Flechten und Moose lediglich ein optisches Manko und beim Gebrauch dunkler Farben ist der Bewuchs kaum sichtbar.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.