Sterben Nadelbäume in Mitteleuropa aus?

Insbesondere Nadelholz ist vom Waldsterben betroffen. Allerdings ist es auch dieses Holz, das zum Holzbau benötigt wird. Kann Laubholz einen adäquaten Ersatz darstellen?

Sterben Nadelbäume aus © Pictures news

Zimmerei und Holzbauunternehmen sind in Sorge: Bedingt durch die Trockenheit der letzten Jahre ist die Fichte in Mitteleuropa dabei auszusterben. Bis 2017 waren ein Drittel der deutschen Waldflächen mit Fichten bestockt. Allerdings gehen Experten davon aus, dass in zehn Jahren im Flachland und Mittelgebirge keine Fichtenbestände mehr vorhanden sein werden. Auch der Bestand der Kiefer geht immer weiter zurück. Sie stellt den zweitgrößten Anteil am Waldbestand mit 21 Prozent und ist besonders in den neuen Bundesländern zu finden. Ein Grund für das massenweise Sterben von Fichten und Kiefern ist etwa der Borkenkäfer. Er frisst sich unter die Rinde der Bäume und richtet dort seine riesige Kinderstube ein. Auf ein Muttertier kommen bis zu 100.000 Nachkommen und bis zu vier Generationen im Jahr. Die Larven fressen sich dann durch wichtige Stammschichten und zerstören Wasser und Nährstofflaufbahnen, sodass die Bäume verhungern und verdursten. Gesunde Bäume können sich gegen die Käfer wehren, unsere durch Hitzewellen und Stürme geschwächten Bäume allerdings nicht.

Kann Laubholz Nadelholz ersetzen?

Der klimaschonende Holzbau ist stark vom Waldsterben betroffen, denn Nadelhölzer machen rund 90 Prozent des Bauholzes aus. Der Ruf nach Alternativen wird immer lauter und das Laubholz soll dieses Problem lösen. Aktuell sind rund 40 Prozent des deutschen Waldes mit Laubholz bestockt und bereits seit den 1960er Jahren arbeitet die Holzforschung daran, zukünftige Bauprodukte aus Laubhölzern zu entwickeln. Nicht nur für den Holzbau wäre ein Umschwung auf Laubholz also eine ideale Lösung, auch für die Wälder selbst könnten mehr Laubbäume eine Entlastung darstellen. Seit den 1990er-Jahren findet in Deutschland ein Umbau der Wälder hin zu mehr Laubwald statt. Insbesondere Buchen und Eichen werden in einstige Monokulturen aus Fichten oder Kiefern gepflanzt. So sollen die Wälder naturnäher und stabiler gegenüber äußeren Einflüssen wie Sturm und Trockenheit, sowie den Klimawandel werden. Eine steigende Nachfrage nach diesen Hölzern würde den Aufbau des vitalen Mischwaldes unterstützen.

Die Geschichte zeigt: Laubholz kann auch in tragenden Konstruktionen eingesetzt werden

Aktuell ist es allerdings noch schwer, Laubholz als vollständigen Ersatz für Nadelholz zu betrachten. Es gibt nämlich verschiedene Arten von Laubholz, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Deshalb fällt eine Standardisierung schwer. Zudem ist die Bearbeitung meist technisch schwieriger und verursacht höhere Kosten. Da die Tragkraft bei Laubholz deutlich geringer ist, wurden etwa Brettschichthölzer entwickelt, bei denen mehrere Bretter verleimt werden. Das Leimholz ist deutlich homogener und mit Nadelholz vergleichbar. Aber das Laubholz hat nicht nur Nachteile gegenüber dem Nadelholz. Buche etwa ist doppelt so belastbar wie Fichte. Deswegen können geleimte Laubhölzer eine zukunftsweisende Alternative sein und Furnierschichtholz aus Buche findet sich bereits in vielen Bauprojekten wieder, etwa in Tragwerken für Gewerbehallen oder Wohngebäuden mit mehreren Geschossen. Dennoch begegnen uns heimische Laubholzarten wie Buche, Eiche und Esche überwiegend als nicht tragende Konstruktionen, zum Beispiel als Treppen, Böden und Türen. Historische Gebäude zeigen uns aber, dass Laubhölzer früher auch in tragenden Konstruktionen als Stützen und Balken eingesetzt wurden. Insbesondere Eiche wurde dafür viel genutzt. Auch wenn tragende Bauteile heute noch fast ausschließlich aus Nadelholz hergestellt werden, zeigen die Entwicklungen bereits jetzt, dass es zu einem Wandel kommen wird. So wird in Deutschland bereits heute doppelt so viel Laubholz bereitgestellt wie vor zwanzig Jahren.

Abonnieren Sie den ibau Newsletter und verpassen Sie nichts mehr

Ich möchte regelmäßig über Inhalte, Services und Produkte der ibau GmbH per E-Mail informiert werden. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. Nach Bestätigung Ihrer E-Mail Adresse erhalten Sie zukünftig unseren ibau Newsletter zu den von Ihnen ausgewählten Themengebieten. Näheres erläutert der Datenschutzhinweis.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.