Die Städteplanung der Zukunft

Wie sieht Städteplanung in Zeiten der Klimakrise aus? Wenn Wohnraummangel und Schutz von Grünflächen und Arten gegeneinander abgewogen oder kombiniert werden müssen.

Städteplanung der Zukunft © Eisenhans / stock.adobe.com

"Eine Ursache für Artensterben ist die Anspruchnahme des Naturraums, da müssen wir gegenwirken", erklärt Jochen Kramer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Allein in Hessen werden täglich 2,5 Hektar Bodenfläche versiegelt. Mit dem Argument der Flächenschonung konnte zuletzt laut Angaben des BUND der Baustopp gegen ein Supermarkt-Logistikzentrum erwirkt werden und auch der Antrag auf Baustopp gegen eine Amazon-Logistikhalle wurde genehmigt. Einen anderen wichtigen Aspekt vertritt beispielsweise die Frankfurter IHK. „Wir brauchen dringend neue Bauflächen, sowohl Gewerbeflächen als auch Wohnraum für die dringend benötigten Fachkräfte", so IHK-Präsident Ulrich Caspar. Der größte Teil der grünen Flächen werde landwirtschaftlich genutzt. "Doch wir haben in der Region keinen Mangel an Lebensmittelproduktion, aber einen Mangel an Wohnungen und Gewerbeflächen". Der BUND ruft aber auch zum Schutz landwirtschaftlich genutzter Flächen auf und weist auf eine andere Möglichkeit hin, Wohnraum zu schaffen. So würde auch nach der Corona-Krise der Anteil an Menschen, die im Homeoffice arbeiten hoch bleiben. „Der Büromarkt scheint zusammenzubrechen, diese freigewordenen Räume können in Wohnungen umgewandelt werden", sagt Kramer. Generell fordert er zur Umwandlung und Aufstockung im bestehenden Siedlungsraum auf: "In den Städten kann noch sehr viel verdichtet werden."

Die perfekte Siedlung im Frankfurter Norden?

Der Stadtplaner Torsten Becker erklärt allerdings, dass die Verdichtung klimabedingt auch nicht uneingeschränkt zu empfehlen sei. Zum einen müssen die kommenden heißen Sommer in der Stadt ertragbar bleiben. "Da gilt es, so wenig wie möglich zu versiegeln, Grünflächen zu schaffen und mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen." Und zum anderen wird mit mehr Starkregen gerechnet. "Auch hier sind versiegelte Flächen ein Nachteil, weil das Wasser versickern muss." Becker plant als Vorsitzender des Frankfurter Stadtbaurats auch die Günthersburgerhöfe im Frankfurter Norden. Für die Siedlung sollen unter anderem Kleingärten weichen, was starke Kritik - besonders der Grünen - geernet hat. Doch Becker erklärt: "Wenn man die gesamte Region betrachtet, ist das schon der Standort, der sich am meisten für einen neuen Stadtteil eignet." So wäre er mit seiner Lage direkt an der A5 ideal an den Nahverkehr angeschlossen und auch die Reduzierung des Autoverkehrs ist eine wichtige Stellschraube in Sachen Klimaschutz. Zudem entstünde die Siedlung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, die weniger wertvoll seien. Es werde bei den Günthersburghöfen darauf geachtet, wenig Tiefgaragen zu bauen, weil über diesen kaum wertvolle Grünflächen entstünden und das Wasser schlecht versickern könne. Auch solle der größte Teil der Wohnungen auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Nicht zu vergessen sei zudem der soziale Aspekt, denn laut der Planungen sind rund 500 geförderte Wohnungen vorgesehen. Doch wo findet man Beispiele gelungener Städteplanung? "Kopenhagen oder auch die Niederlande sind ein Vorreiter", sagt Becker. "Dort sind die Quartiere lebendiger, dichter, kleinteiliger und grüner. Da wird gelebt."

Abonnieren Sie den ibau Newsletter und verpassen Sie nichts mehr

Ihre Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihre Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätigen Sie noch Ihre E-Mail Adresse über unsere Bestätigungs-E-Mail, damit wir Ihnen zukünftig Informationen per E-Mail zusenden können.

Ich möchte regelmäßig über Inhalte, Services und Produkte der ibau GmbH per E-Mail informiert werden. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. Nach Bestätigung Ihrer E-Mail Adresse erhalten Sie zukünftig unseren ibau Newsletter zu den von Ihnen ausgewählten Themengebieten. Näheres erläutert der Datenschutzhinweis.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.