CO2-Emissionen der Baubranche in Deutschland: Welchen Einfluss hat der Hausbau auf das Klima?
Der Klimawandel ist ein ernstzunehmendes Problem. Allein die Nutzung und der Betrieb von Gebäuden verursacht 33 Prozent des nationalen Treibhausgases; manche Städte wollen den Neubau von Einfamilienhäusern daher nur noch in Ausnahmefällen genehmigen. Mit Hinblick auf den vorherrschenden Wohnungsmangel und die gesteckten Klimaziele faktisch nachvollziehbar, jedoch nur schwierig umsetzbar. Dennoch muss eine Lösung her, um Klimaschutz zu gewährleisten und weiterhin ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Das Wichtigste zu CO2 Emissionen der Baubranche in Deutschland
- Die Baubranche verursacht weltweit 38 Prozent der Treibhausgase, in Deutschland entfallen allein auf den Betrieb und die Nutzung von Gebäuden rund 33 Prozent des nationalen CO2-Ausstoßes.
- Deutschland verfehlt derzeit die Klimaziele und belegt weltweit Platz sieben der größten Mitverursacher des Klimawandels, weshalb rigorose politische Anpassungen im Gebäudesektor nötig sind.
- Neben der jahrzehntelangen Nutzung treiben vor allem die Rohstoffgewinnung, lange Transportwege und die extrem energieintensive Zementherstellung den CO2-Ausstoß in die Höhe.
- Der Einsatz von Holz anstelle von Beton halbiert die benötigte Herstellungsenergie sowie die Emissionen und speichert zudem CO2 auf natürliche Weise.
- Die Sanierung von Bestandsgebäuden spart im Vergleich zum Neubau enorme Mengen an „grauer Energie“ ein und sichert gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum.
- Um bis 2050 klimaneutral zu werden, muss die Politik die Kreislaufwirtschaft stärken und gesetzliche Obergrenzen wie einen „CO2-Deckel“ für Gebäude einführen.
Mit den Pariser Klimazielen hat sich Deutschland zu einem umfangreicheren Umweltschutz verpflichtet. Doch besonders erfolgversprechend sind die aktuellen Maßnahmen nicht. Ein wichtiger Baustein wird dabei stark vernachlässigt: die Baubranche. Denn Bautätigkeiten sind eine große Klimasünde. Dabei müssten sie es nicht sein. Der Bauindustrie sind nämlich schon jetzt zahlreiche Möglichkeiten zur Reduktion des CO2-Ausstoßes geboten – doch diese werden vor allem von der Politik bisher kaum ausgeschöpft. Erfahren Sie alles zu CO2-Emissionen in der Baubranche Deutschland – von derzeitigen Statistiken zum CO2-Ausstoß bis hin zu politischen Maßnahmen!
Inhaltsverzeichnis
- CO2 Emissionen und Klimawandel eindämmen: Wofür stehen die Pariser Klimaziele?
- CO2 Emissionen in der Baubranche Deutschland: Welchen Einfluss hat der Hausbau auf das Klima?
- Klimafreundlicherer Hausbau: Wie können CO2 Emissionen im Bausektor eingeschränkt werden?
- Sanieren statt Neubau: Ist das die Lösung?
- Politische Initiativen: Wie könnten CO2 Emissionen der Baubranche Deutschland eingeschränkt werden?
- Fazit: Bausektor klimaneutral gestalten, Klimaziele erreichen
CO2 Emissionen und Klimawandel eindämmen: Wofür stehen die Pariser Klimaziele?
2015 haben sich in Paris 195 Staaten dazu verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern. Ihr Ziel: Die Erderwärmung idealerweise unter 1,5 Grad Celsius, aber auf jeden Fall unter 2 Grad Celsius zu halten. Bis auf den Iran, Libyen und Jemen haben mittlerweile alle Staaten der Welt dieses wegweisende und bisher einmalige Abkommen unterzeichnet. Die Nationen können dabei selbst festlegen, welche Maßnahmen sie zum Erreichen der Ziele ergreifen wollen.
Viele haben etwa das Fliegen, den Autoverkehr oder Plastikmüll in den Fokus gestellt. Weniger im Blick haben die meisten, dass die Baubranche für 38 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich ist. Diese Zahl umfasst in erster Linie den Bau an sich, aber auch den späteren Betrieb. Damit sind Punkte wie Heizen und Stromverbrauch gemeint.
Wie will Deutschland die Klimaziele erreichen?
Deutschland wollte bis 2045 treibhausgasneutral beziehungsweise klimaneutral wirtschaften. Dieses Ziel wurde bereits auf 2050 verschoben. Die Sektoren, auf die sich dabei fokussiert wird, sind Energie, Gebäude, Verkehr, Handel und Industrie. Der Sektor Gebäude wird eng mit Energie gedacht. Eine zukunftsweisende Entwicklung des Gebäudesektors ist laut den Plänen also insbesondere dadurch zu erreichen, dass der Energieverbrauch während der Nutzung reduziert wird. Möglichst sollen die Gebäude sogar mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Sind wir auf einem guten Kurs, um die Klimaziele einzuhalten?
Diese Frage kann ganz klar beantwortet werden: Nein. Aktuell steuern wir auf 2,7 Grad Celsius zu und keine der großen Industrienationen schafft es, sich an das 1,5 Grad-Ziel zu halten. Deutschland ist einer der Haupttreiber der Klimakrise: Mit rund drei Prozent des gesamten Temperaturanstiegs ist Deutschland auf Platz sieben der größten Antreiber des Klimawandels. Für eine Veränderung wären allerdings rigorose politische Anpassungen nötig. Einer dieser wichtigen Hebel ist die Bauindustrie, speziell das Betreiben von Gebäuden.
CO2 Emissionen in der Baubranche Deutschland: Welchen Einfluss hat der Hausbau auf das Klima?
Der Hausbau hat einen sehr großen Einfluss auf CO2 und das Klima. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung aus dem Jahr 2020 zeigt auf: In Deutschland wird 33 Prozent aller Treibhausgasemissionen durch die Nutzung und den Betrieb von Gebäuden produziert. Das ist ungefähr äquivalent zu 300 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Diese werden direkt durch die Beheizung von Räumen verursacht, aber auch die Herstellung der dafür genutzten Brennstoffe – insgesamt macht das 75 Prozent der CO2 Emissionen der Baubranche in Deutschland aus.
Darauf folgen die Treibhausgase aus Lieferketten bei der Herstellung, Errichtung und Modernisierung sowie aus direkten Emissionen im Hochbau: Dazu gehört beispielsweise die Herstellung von Zement, Kalk und Gips oder auch die Kohle-Stromproduktion.
Was treibt den CO2 Ausstoß in der Baubranche voran?
- Abbau von Rohstoffen und Flächenversieglung
Lebensräume und natürliche CO2 Senken, wie Wälder oder Wiesen, gehen verloren.
- Herstellung von Baumaterialien
Die Zementherstellung allein ist für acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
- Transport von Baustoffen
Materialien werden über lange Distanzen zu Baustellen transportiert.
- Betrieb von Baumaschinen
Nutzen Baumaschinen fossile Brennstoffe, wird auch während dem Bau viel CO2 ausgestoßen.
- Nutzung von Gebäuden
Das Heizen mit Gas oder Öl lässt die CO2 Emissionen über Jahrzehnte lang steigen – besonders in älteren, schlecht gedämmten Gebäuden.
- Kühlung von Gebäuden
Bei steigenden Temperaturen steigt auch der Bedarf an Klimaanlagen. Wenn der Strom dafür nicht aus erneuerbaren Energien stammt, belasten Gebäude die CO2 Bilanz zusätzlich.
Klimafreundlicherer Hausbau: Wie können CO2 Emissionen im Bausektor eingeschränkt werden?
Aber was macht den Hausbau so klimaschädlich? Insbesondere die Herstellung von Beton und Steinen für das Mauerwerk benötigt viel Herstellungsenergie. Außerdem werden dafür große Mengen Sand benötigt, also ein Rohstoff, der weltweit rar wird. Wie kann dem gegengewirkt werden – wie kann Hausbau klimafreundlicher gestaltet werden?
- Alternative Baumaterialien: Auch wenn es zahlreiche Alternativen gibt, werden Massivhäuser noch häufig gebaut. Ein Holzbau benötigt beispielsweise nur rund die Hälfte der Herstellungsenergie und stößt auch nur halb so viel CO2 aus. Gleichzeitig ist Holz ein natürlicher CO2-Speicher und kann durch andere nachhaltige Baustoffe, die als Innenputz fungieren, erweitert werden. Ein Beispiel hierfür ist Lehm. Natürlich gibt es aber nicht nur das eine oder das andere. Speziell bei Mehrfamilienhäusern empfehlen sich Holz-Hybrid-Gebäude, also Mischsysteme aus Holzrahmenbau und Massivbauweise.
- Kreislaufwirtschaft: Ein anderer Ansatz ist das Recycling von Materialien, etwa nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Die Baubranche sorgt deutschlandweit jährlich für 230 Millionen Tonnen Abfall, das sind mehr als 53 Prozent der jährlichen Abfallmenge. Dies umfasst sowohl den Abfall, der beim Bau entsteht, als auch den, der beim späteren Abriss entsteht. Viele dieser Materialien – über 90 Prozent des gesamten mineralischen Bauschutts beispielsweise – werden bereits recycelt. Aber es fehlt an politischen Initiativen und einem zentralen Marktplatz für Recycling, die die Kreislaufwirtschaft wirklich durchsetzen.
- Energetische Sanierung: Der Klimaschutz ist allerdings nicht die einzige gesellschaftliche Herausforderung, vor der wir stehen. Soziale Aspekte sind im Bausektor, insbesondere beim Wohnungsbau, dringend zu beachten. Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware und wenn umweltverträglicher Wohnraum geschaffen wird, wird dieser in aller Regel sehr teuer vermietet oder verkauft. Auch um dieser Aufgabe zu begegnen, empfiehlt sich die energetische Sanierung gegenüber dem Neubau. Bestandsgebäude, die nach und nach auf einen angemessenen Stand gebracht werden, können deutlich günstiger vermietet werden.
Sanieren statt Neubau: Ist das die Lösung?
Wir haben uns in dem Artikel „Sanieren oder besser neu bauen?” bereits umfangreich damit befasst, ob Sanieren oder Neubau finanziell sowie ökologisch am sinnvollsten ist. Und auch wenn etwa durch unzureichend gedämmte Gebäude unnötig viel Energie verschwendet wird, legitimiert das aus Umweltschutzperspektive keinen Neubau. Ausschlaggebend dafür ist die sogenannte graue Energie. Unter diesen Begriff fallen sowohl die Treibhausgase, die durchs Bauen entstehen, als auch diejenigen, die für die Herstellung von Baustoffen benötigt werden. Auch jeglicher Transport zur Baustelle zählt dazu, ebenso wie der Abbruch von Gebäuden.
Betrachtet man die hohe Anzahl an Altbauten, lohnen sich Sanierungen von Bestandsgebäuden bereits durch die kumulative Emissionsreduktion. Während Neubauten moderne Materialien erlauben, werden durch Sanierungen vorgelagerte Umweltwirkungen eingespart.
Politische Initiativen: Wie könnten CO2 Emissionen der Baubranche Deutschland eingeschränkt werden?
Auch wenn wir aktuell auf einem schlechten Weg sind, die Klimaziele zu erreichen, ist es noch möglich. Auch ein Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) und des Zentrums für Ökosysteme und Architektur (CEA) der US-Universität Yale zeigt, dass und wie der Bausektor weltweit klimaneutral werden kann. Das klingt utopisch, wenn man bedenkt, dass aktuell so viele neue Gebäude entstehen, dass alle fünf Tage eine Stadt der Größe von Paris hinzukommt. Wenn sich die aktuellen Entwicklungen so weiterentwickeln würden, wie in den letzten Jahren, würde sich bis 2060 die Bodenfläche ebenso wie die Verwendung der Rohstoffe fast verdoppeln. Netto-Null-Emissionen seien im Baugewerbe bis 2050 allerdings erreichbar, wenn die Regierungen die richtigen politischen Maßnahmen, Anreize und Vorschriften schaffen, um die Branche zum Handeln zu bewegen. Die wichtigsten Aspekte dafür sind:
- Neubauten sollten möglichst vermieden werden.
- Bausubstanzen sollten wiederverwendet werden.
- Biologische Rohstoffe aus nachhaltiger Herkunft.
- Baustoffe wie Beton, Stahl und Glas umweltfreundlicher produzieren, etwa durch erneuerbare Energien, Recycling und innovative Technologien.
Auch ein CO2-Deckel, so die Konrad Adenauer Stiftung, wäre ein wichtiger Schritt für die Senkung von CO2 Emissionen in der Baubranche. Das heißt: Neubauten müssen sich an ein bestimmtes Emissionsziel halten – entweder durch moderne Technologien, nachhaltige Materialien oder andere emissionssenkende Maßnahmen. Dabei gibt es keine konkreten Vorgaben – die Umsetzung ist jedem frei überlassen. Dänemark und Frankreich gehen hier voran: Der CO2 Deckel gilt für Neubauten ab 1.000 Quadratmetern und soll in Zukunft auch für kleinere Gebäude gelten.
Fazit: Bausektor klimaneutral gestalten, Klimaziele erreichen
Wie man sieht, sind Klimawandel und die Bauindustrie ganz klar aneinandergekoppelt. Umweltfreundliche Baumaterialien, umfangreiches Recycling, Sanieren statt neu bauen. All das sind Stellschrauben, die starke Auswirkungen auf die Klimabilanz des Bausektors haben – die aber stark vernachlässigt werden. Aktuell konzentrieren sich Maßnahmen zum Einsparen von CO2 im Bausektor auf ihre Funktionen, nachdem gebaut wurde, etwa Heizen, Kühlen und Beleuchten. Doch durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird dieser Bereich absehbar umweltfreundlicher – CO2 Emissionen der Baubranche in Deutschland könnten deutlich gesenkt werden.
Industrieländer sollten deswegen stärker auf die Umnutzung bestehender Gebäude setzen und diese wiederverwenden, statt abzureißen und neu zu bauen. Das sind aber auch keine neuen Erkenntnisse. Diese Ergebnisse haben bisher kaum Auswirkung auf die Realität. Die Aufgabe des Bausektors in den nächsten Jahren besteht also darin, bereits bestehende Potenziale auszuschöpfen, um Bauemissionen einzuschränken. Das kann aber nur geschehen, wenn die Politik mitzieht.
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