Sanieren oder besser neu bauen?

Bei dieser Entscheidung gibt es vor allem zwei Faktoren, die ins Gewicht fallen: Was ist besser für das Klima und was ist besser für den eigenen Geldbeutel?

Gebäude neu bauen oder lieber sanieren - was ist besser fürs Klima? © Viappy / stock.adobe.com

Es steht fest: Wenn Deutschland die Klimaziele erreichen möchte, muss der Gebäudesektor mitziehen. Der Großteil der Bestandsgebäude ist sanierungsbedürftig, insbesondere die 80 Prozent, die vor der Einführung der dritten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1995 errichtet wurden. Niedrige Energiestandards und alte Heizung sorgen für einen viel zu hohen CO2-Ausstoß. Insbesondere junge Familien, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, stehen vor der Frage, ob eine energetische Sanierung sinniger ist, oder man besser direkt neu baut. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat die Vor- und Nachteile von Sanierung und Neubau gegenübergestellt und beispielhafte Berechnungen veröffentlicht.

Neubau oder Renovierung: Was ist umweltfreundlicher?

Eine Beispielrechnung über den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes zeigt: In einem energetisch voll sanierten Einfamilienhaus (124 qm, 4 Personen, Baujahr zwischen 1949 und 2001, inklusive Solarthermie) führt das Wohnen zu einem Ausstoß von 0,40 Tonnen CO2 im Jahr. In einem vergleichbaren Neubau aus dem Jahr 2012 werden von Anfang an nur 0,38 Tonnen CO2 jährlich ausgestoßen. Doch so schnell kann kein Urteil gefällt werden. Ein Neubau hat den eindeutigen Vorteil, dass er von Beginn seiner Nutzungsdauer an einen geringeren CO2-Ausstoß verursacht. Dabei dürfen aber die sogenannten grauen Energien nicht vernachlässigt werden, also die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung aufgewendet werden muss. Beim Neubau kommt hier einiges zusammen. Zudem wird durch den Neubau Fläche versiegelt. Zusammenfassen kann man also: In Sachen Nachhaltigkeit und damit besser für das Klima ist die sanierte Bestandsimmobilie. Thomas Billmann, Modernisierungsberater von Schwäbisch Hall, spricht von Sanierung als „Recycling, die das Klima entlastet“. Abhängig vom Zustand des Gebäudes lässt sich der Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent reduzieren.

Der Kostenvergleich

Anhand einer Beispielrechnung, die sich auf ein 140 qm-Gebäude im Bundesland Hessen bezieht, zeigt sich: Nachhaltiges Bauen ist mit rund 20 Prozent für die Baumaterialien teurer als energetische Sanierung. Allerdings sind hier die Fördermittel noch nicht berücksichtigt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes kostet der Neubau eines konventionellen Gebäudes rund 245.000 Euro, für einen ökologischen Neubau muss man mit einer Steigerung von rund 49.000 Euro rechnen. Für den Bau eines Effizienzhaus 40 erhalten private Bauherren eine Förderung in Höhe von 24.000 Euro, sodass die Mehrkosten für den ökologischen Neubau nur noch bei rund 25.000 liegen. Damit liegen die Gesamtkosten bei 270.000 Euro. Kauft man eine Bestandsimmobilie sind für die energetische Sanierung zu einem Effizienzhaus 85 rund 115.000 Euro veranschlagt, von denen 36.000 Euro gefördert werden. Zum Kaufpreis kommen somit rund 79.000 Euro hinzu. Im Allgemeinen kann man also sagen, dass die Sanierung teurer ist als der ökologische Neubau. „Letztlich sind Aufwand und Kosten für eine Sanierung sehr individuell und vom jeweiligen Gebäude abhängig. Nicht immer müssen Eigentümer alles auf einmal erneuern, abhängig von der Substanz lassen sich ältere Gebäude auch Schritt für Schritt sanieren und werden mit jeder Maßnahme ein Stück klimafreundlicher“, so Billmann.

Die Fördermaßnahmen zeigen Wirkung – doch zu wenige Menschen wissen Bescheid

Die Bereitschaft, zugunsten der Klimabilanz mehr zu investieren, steigt stetig und die Fördermaßnahmen leisten einen entscheidenden Beitrag. Eine Studie des Marktforschungsinstituts infas quo im Auftrag von Schwäbisch Hall zeigt, dass sechs von zehn Immobilienbesitzer in Anbetracht der aktuellen Förderung vorhaben, Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz durchzuführen, vier von zehn wollen dies schon in den nächsten zwei Jahren tun. Für besonders Relevant halten fast drei Viertel den Austausch alter Heiztechnik. Als Anreiz wird die Kosteneinsparung genannt (57 Prozent), sowie die Energieeinsparung (55 Prozent) und der Werterhalt der Immobilie (51 Prozent). Für ein Drittel der Befragten ist auch die Förderung ein großer bis sehr großer Anreiz. An der Zahl der Antragszahlen für die Förderprogramme beim BAFA und der KFW zeigt sich, dass das Klimapaket seine Wirkung zeigt, diese haben sich nämlich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Handwerker spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einem klimaneutralen Bausektor. Sie genießen ein großes Vertrauen und werden von fast der Hälfte der Befragten als kompetente Informationsquelle für energetische Modernisierung gesehen. Zudem kennen sie sich gut mit möglichen lokalen Förderprogrammen und Besonderheiten aus. Allerdings wird noch immer nicht genug über die verschiedenen Fördermöglichkeiten aufgeklärt. Dass es Förderungen gibt, ist noch einigermaßen bekannt, aber was im Einzelnen gefördert wird oder wie diese zu beantragen sind, wissen nur noch wenige Menschen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.