Der Streit um die kleine Bauvorlageberechtigung

Immer mehr Bundesländer führen sie ein. Meister in den anderen Bundesländern fühlen sich benachteiligt und die Forderung nach einer bundesweiten Regelung wird lauter. 

Streit um Bauvorlageberechtigung © luckybusiness / stock.adobe.com

In Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin und seit Februar 2021 auch in Sachsen-Anhalt gilt die sogenannte kleine Bauvorlageberechtigung. Mit dieser erhalten auch Meister verschiedener Handwerksberufe die Erlaubnis, kleinere Bauprojekte zu planen. Dazu gehören verschiedene Gebäudetypen mit einer Fläche von weniger als 200 Quadratmeter, nämlich Wohngebäude mit maximal zwei Wohneinheiten, eingeschossige gewerbliche Bauten, landwirtschaftliche Betriebsgebäude, die unter die Gebäudeklassen 1 bis 3 fallen und auch Garagen. Als im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt über die Einführung der kleinen Bauvorlageberechtigung diskutiert wurde, positionierte sich die Architektenkammer Sachsen-Anhalt klar dagegen. Sie sei „weder sach- noch fachgerecht“, hieß es in einem Grundsatzpapier. Die gestiegenen Anforderungen an Gebäude hinsichtlich Sicherheit, Komplexität und städtebaulicher Relevanz seien nicht damit zu vereinbaren. Deswegen forderten sie, – nicht erfolgreich – dass alle Bauvorlageberechtigten eine Fortbildungs- und Versicherungspflicht zu erfüllen haben. Der Sächsische Handwerkstag drängt nun, dass auch im Freistaat die kleine Bauvorlageberechtigung im Zuge der geplanten Novellierung der Bauordnung eingeführt wird. Handwerkstags-Präsident Roland Ermer erklärt, dass viele sächsische Betriebe sich im Wettbewerb am Markt benachteiligt fühlen. "Geradezu aberwitzig ist es, wenn bauausführende Meisterbetriebe des Handwerks in Sachsen einerseits verpflichtet sind, Pläne von Architekten und Ingenieuren vor der praktischen Bauausführung zu prüfen und gegebenenfalls Mängel, die auf Planungsfehler zurückgehen, unverzüglich anzuzeigen – die Fachkompetenz der Handwerksprofis andererseits aber bezweifelt wird, wenn diese selbst kleine Bauvorhaben beantragen und praktisch umsetzen wollen", erklärt Ermer und appelliert für die Einführung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie die Handwerkskammern fordern schon lange eine bundeseinheitliche Regelung. "Es ist nicht einzusehen, dass etwa in Schleswig-Holstein ein Zimmermeister, der ein Holzgebäude plant, konzipiert, berechnet und die Statik erstellt, vorlageberechtigt ist und ein paar Kilometer weiter in Mecklenburg-Vorpommern ist er das nicht mehr", konstatierte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer im Oktober.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.