Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes

Bereits seit September 2018 fungiert das Baukindergeld als Finanzspritze für Familien mit geringerem Einkommen, die für sich ein Eigenheim kaufen oder bauen wollen.

Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes © BillionPhotos.com / stock.adobe.com

Nach der Bundestagswahl 2017 und den schwierigen Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPD unter anderem für eine Wohnraumoffensive entschieden, um den steigenden Immobilienkosten entgegen zu wirken. Ein wichtiger Aspekt war die Einführung des Baukindergeldes, das es auch Familien mit geringem Einkommen ermöglichen sollte, ein Eigenheim zu kaufen oder zu bauen. Im September 2018 wurde das Baukindergeld beschlossen. Familien, die ein Eigenheim kaufen oder bauen wollten, wurde ein jährlicher Zuschuss in Höhe von 1.200 Euro pro Kind zugesprochen. Die Auszahlungsdauer ist dabei auf maximal zehn Jahre begrenzt. Eine Familie mit einem Kind würde auf diese Weise also insgesamt 12.000 Euro Baukindergeld erhalten, eine fünfköpfige Familie mit drei Kindern dementsprechend 36.000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt rechnete das Bundesfinanzministerium insgesamt mit mehr als 200.000 Familien mit rund 300.000 Kindern in Deutschland, die von dieser Subvention profitieren würden.

Wer profitiert vom Baukindergeld?

Ende März 2021 wurde Bilanz gezogen. Bundesweit wurden rund sieben Milliarden Euro Baukindergeld bewilligt, mit dessen Hilfe sich mehr als 330.00 Familien den Traum vom Eigenheim erfüllen konnten. Die meisten Familien, die Baukindergeld beantragt haben, haben ein oder zwei Kinder. In der Hälfte der Fälle ist das Kind noch keine vier Jahre alt. Rund drei Viertel haben ein Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Euro, die meisten sogar unter 40.000 Euro. Rund 60 Prozent der Anträge wurden in städtischen Regionen gestellt und in zwei von drei Fällen wurden bestehende Immobilien gekauft. Allerdings steigt die Neubauquote, unter anderem weil der Antrag erst nach Einzug in die Immobilie gestellt werden kann. Insgesamt stehen 9,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Ursprünglich war das Baukindergeld bis zum 31. Dezember 2020 befristet. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde diese Frist auf den 31. März 2021 verlängert, doch auch dieser liegt nun hinter uns.

Welche Voraussetzungen gelten?

Egal ob Bauen oder Kaufen und auch egal wo, solange sich noch kein Wohneigentum im Besitz befindet, kann ein Förderantrag gestellt werden. Allerdings darf die Immobilien auch nicht von direkten Verwandten gekauft werden und auch Familien, die genossenschaftlich bauen oder Anteile von Genossenschaften kaufen, haben keinen Anspruch auf Baukindergeld. Bauvorhaben, die nach dem jeweiligen Landesbaurecht nur anzeigepflichtig sind, sind förderfähig, sofern die zuständige Gemeinde nach Maßgabe der jeweiligen Landesbauordnung durch die Bauanzeige Kenntnis erlangt hat. Zudem erhalten nur diejenigen Haushalte Baukindergeld, deren Einkommen nicht höher ist als 75.000 Euro, wobei pro Kind ein Freibetrag von 15.000 Euro besteht. Das zu versteuernde Einkommen darf nicht mit dem jährlichen Bruttoeinkommen verwechselt werden. Das Einkommen findet sich auf dem Einkommenssteuerbescheid des Finanzamtes, unter dem Jahres-Brutto. Maßgeblich für den Antrag ist das durchschnittliche Einkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres. Sind alle diese Voraussetzungen erfüllt können Familien das Baukindergeld bei der KfW Bankengruppe beantragen, sobald sie ihr Eigenheim bezogen haben. Der Antrag muss innerhalb von drei Monaten nach dem Einzug gestellt werden.

Zuletzt stellt sich noch die Frage, wer als Kind zählt. Sobald ein Kind seinen 18. Geburtstag feiert, fällt es aus der Förderung raus, egal ob es noch zu Hause wohnt oder nicht mehr. Zieht das Kind aber schon vorher aus dem Elternhaus aus, fällt es auch aus der Förderung.

Welche weiteren Fördermöglichkeiten haben Familien?

Neben dem Baukindergeld haben Familien auch noch andere Förderprogramme, die bei der Finanzierung unterstützen können und die mit dem Baukindergeld kombinierbar sind. Darunter fallen beispielsweise das Förderprogramm zum energieeffizienten Bauen und Sanierungen, zum altersgerechten Umbauen und Einbruchschutz im Bestand, das Wohneigentumsprogramm sowie Länderprogramme.

Wer kann nach dem 1. April 2021 noch Baukindergeld beantragen? 

Am 1. April 2021 ist das Baukindergeld ausgelaufen. Wie das Bundesinnenministerium mitteilt, ist auch keine Verlängerung geplant. Jetzt können nur noch Familien Baukindergeld beantragen, die vor dem 1. April einen Kaufvertrag unterschrieben oder eine Baugenehmigung bekommen haben. Dazu haben sie noch bis zum 31. Dezember 2023 Zeit.

Kritik am Baukindergeld

Schon als über die Einführung des Baukindergeldes diskutiert wurde, hat es Kritik gehagelt. Zum einen wurde bemängelt, dass nur Familien profitieren, die sich eine eigene Immobilie überhaupt leisten können. Dies sei gerade in Ballungsräumen, wo Wohnraum teuer ist, problematisch, da viele Kritiker angemerkt haben, dass hier auch 12.000 Euro pro Kind nicht mehr viel ändern würden. Zudem wurde erwartet, dass die steigende Nachfrage zu noch höheren Immobilienpreisen führen würde. So vermutet beispielsweise der Eigentümer- und Mieterbund, dass die Baubranche ihre Preise ebenfalls an das zusätzliche Eigenkapital der Auftraggeber anpassen wird.

Auch zum Ende der Laufzeit des Baukindergeldes hat sich an der Uneinigkeit von dessen Nutzen wenig geändert. "Aus unserer Sicht hat das Baukindergeld das Ziel erreicht. Es sollte jungen Familien mit niedrigem Einkommen helfen, Wohneigentum zu erwerben", äußert sich die KfW. Landkreise und Verbände fordern deshalb eine Fortführung. "Das Baukindergeld ist eine Erfolgsgeschichte", so ihre Überzeugung. Jeder Euro Baukindergeld komme dem Wohnungsmarkt zugute. Eine Familie, die eine Immobilie baue oder saniere, mache eine Mietwohnung frei. Grüne und FDP beobachten einen anderen Effekt: Viele Verkäufer würden die Prämie auf den Verkaufspreis aufschlagen, wodurch Häuser, Wohnungen und Grundstücke sogar noch teurer würden. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist tatsächlich ein deutlicher Preisanstieg, insbesondere von Ein- und Zweifamilienhäusern, zu beobachten, auch während der Corona-Krise und sowohl in der Großstadt als auch auf dem Land.

Alternativen zum Baukindergeld

Zur Einführung des Baukindergeldes nannten Kritiker Alternativen, von denen sich ein größerer Nutzen erhofft wurde. So beispielsweise das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. „In einer Studie fand es heraus, dass es zielführender wäre, die Nebenkosten für Familien zu senken, etwa durch einen Freibetrag auf die Grunderwerbsteuer“, berichtet die Deutsche Handwerkszeitung. „Auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Clemens Fuest, sieht die staatliche Förderung kritisch. Er würde alternative Investitionsanreize wie bessere Abschreibungsmöglichkeiten begrüßen.“

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Jan Hell

Jan Hell ist seit 2016 Content-Manager bei der ibau GmbH in Münster. Als Chefredakteur unserer Online- und Printmagazine verantwortet er die Bereitstellung aktueller Informationen. Seine Schwerpunkte liegen in der Recherche und Aufbereitung rechtlicher sowie wirtschaftlicher Themen. Mit seiner strukturierten Schreibweise stellt er zudem komplexe Sachverhalte und Thematiken aus dem Ausschreibungs- und Vergabebereich nachvollziehbar und komprimiert dar.