Preiserhöhung von Handwerkern: Warum sie längst notwendig ist
Handwerksleistungen sind in den letzten Jahren spürbar teurer geworden. Steigende Löhne, hohe Materialpreise und strukturelle Kosten setzen Betriebe unter Druck. Die Folgen sind im Arbeitsalltag vieler Betriebe längst spürbar.
Das Wichtigste zur Preiserhöhung in 2025 in Kürze
- Handwerksleistungen sind seit der Corona-Pandemie deutlich teurer geworden und steigen teils schneller als die allgemeine Inflation.
- Hauptkostentreiber sind Fachkräftemangel, steigende Löhne und hohe Lohnnebenkosten sowie teure Materialien und Energie.
- Stundensätze variieren je nach Gewerk und Region deutlich; Großstädte liegen meist über dem Durchschnitt.
- Preiserhöhungen sind wirtschaftlich notwendig, um Qualität, Fachkräfte und den Fortbestand der Betriebe zu sichern.
- Betriebe sollten Preise regelmäßig prüfen, klar begründen, strategisch planen und transparent sowie selbstbewusst kommunizieren.
Als ein Malerbetrieb im Frühjahr seine Angebote neu kalkuliert, wird schnell klar: Mit den bisherigen Preisen lässt sich der Betrieb kaum noch wirtschaftlich führen. Die Materialkosten sind gestiegen, ebenso die Sozialabgaben für die Mitarbeitenden, und um gute Fachkräfte zu halten, müssten eigentlich auch die Löhne angehoben werden. Eine Preiserhöhung wäre logisch, doch die Sorge vor verärgerten Kund:innen bleibt. Solche Situationen erleben aktuell viele Handwerksbetriebe. Die Preise steigen nicht aus Willkür, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Doch was treibt die Kosten im Handwerk wirklich nach oben? Wie haben sich Löhne, Material- und Energiekosten in den vergangenen Jahren entwickelt? Und wie können Betriebe Preiserhöhungen so kalkulieren und kommunizieren, dass sie sowohl wirtschaftlich sinnvoll als auch für Kund:innen nachvollziehbar bleiben?
Hintergrund: Aktuelle Preisentwicklung im Handwerk
Wer aktuell handwerkliche Arbeiten plant, stellt schnell fest: Die Preiserhöhung bei Handwerkern ist deutlich spürbar. Die Preise liegen heute deutlich höher als noch vor wenigen Jahren und betreffen nahezu alle Gewerke, von der Heizungstechnik über Elektroarbeiten bis hin zu Dachdeckerarbeiten. Die Baupreise gelten dabei als wichtiger Gradmesser für die Kostenentwicklung im Handwerk, weil sie sowohl die Materialpreise als auch die Lohnkosten der ausführenden Gewerke widerspiegeln. Seit der Corona-Pandemie hat sich die Preisspirale im Handwerk kontinuierlich nach oben gedreht. Laut einer Publikation des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie e.V. nahmen die Baupreise 2020 zwar nur um 1,4 Prozent zu, kletterten 2021 aber um 8,7 Prozent in die Höhe. In 2022 folgte dann der stärkste Anstieg seit 1970: Die Baupreise stiegen um sage und schreibe 16,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen 2022 um 6,9 Prozent. Damit wurde ab 2021 erstmals ein Punkt erreicht, an dem sich Handwerks- bzw. Bauleistungen schneller verteuerten als das allgemeine Preisniveau. Die Kosten für den Neubau traditionell gebauter Wohnhäuser in Deutschland sind im August 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,1 Prozent gestiegen – ein klares Zeichen für die anhaltende Preiserhöhung bei Handwerkern.
Stundensätze steigen quer durch alle Gewerke
Die Stundensätze machen deutlich, wie breit das Preisgefüge im Handwerk ist. Besonders gefragte Gewerke wie Sanitär- oder Elektroinstallation liegen meist am oberen Rand der Spanne – nicht zuletzt wegen des hohen Nachwuchsmangels im Handwerk und gestiegener Betriebskosten. Auch hier zeigt sich die Preiserhöhung, die Handwerker betrifft, besonders deutlich. Die folgende Tabelle zeigt typische Werte für das Jahr 2025 (netto, ohne Materialkosten):
Maler und Lackierer | ca. 40–60 Euro pro Stunde |
|---|---|
Elektriker | ca. 50–75 Euro pro Stunde |
Sanitär- und Heizungsbauer | ca. 55–80 Euro pro Stunde |
Dachdecker | ca. 60–90 Euro pro Stunde |
Maurer und Betonbauer | ca. 50–75 Euro pro Stunde |
Fliesenleger | ca. 45–70 Euro pro Stunde |
Tischler/Schreiner | ca. 45–85 Euro pro Stunde |
Schlosser | ca. 50–80 Euro pro Stunde |
Gleichzeitig zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: In Großstädten mit hoher Nachfrage wie München, Frankfurt oder Hamburg fällt die Rechnung oftmals spürbar höher aus. In strukturschwächeren Regionen und Teilen Ostdeutschlands liegen die Stundensätze dagegen meist etwas niedriger.
Um einschätzen zu können, welche Kosten bei kleineren oder mittleren Aufträgen realistisch sind, lohnt sich ein Blick auf konkrete Durchschnittswerte. Die folgende Tabelle zeigt typische Preisbereiche für häufig anfallende Arbeiten im Jahr 2025:
Gewerk | Leistung | Kosten |
|---|---|---|
Elektriker | Steckdose setzen | ca. 70-120 Euro |
Elektriker | Sicherungskasten erneuern | ca. 800-1500 Euro |
Maler & Lackierer | Wand streichen (pro Quadratmeter) | ca. 5-12 Euro |
Maler & Lackierer | Tapezieren (pro Quadratmeter) | ca. 10-25 Euro |
Dachdecker | Dach neu decken (pro Quadratmeter) | ca. 100-250 Euro |
Sanitär- und Heizungsbauer | Waschbecken montieren | ca. 100-250 Euro |
Sanitär- und Heizungsbauer | Rohrbruch reparieren | ca. 200-1000 Euro |
Fliesenleger | Fliesen verlegen (pro Quadratmeter) | ca. 40–70 Euro |
Diese Angaben dienen als Orientierungshilfe. In der Praxis können die tatsächlichen Kosten individuell stark variieren, etwa aufgrund regionaler Preisniveaus, des Auftragsumfangs oder des Zustands des Altbestands.
Warum sind Handwerkerleistungen in den letzten Jahren so teuer geworden?
Dass Handwerker heute deutlich teurer sind als noch vor einigen Jahren, hat mehrere Gründe. Die Preisentwicklung lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen, vielmehr wirken verschiedene Faktoren gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.
1. Fachkräftemangel und steigende Personalkosten
Der anhaltende Mangel an qualifizierten Fachkräften gehört zu den größten Kostentreibern im Handwerk. Durch den Engpass an qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern finden viele Betriebe kaum Nachwuchs oder verlieren erfahrene Fachkräfte an andere Branchen. Um Personal zu halten oder neue Mitarbeitende zu gewinnen, müssen die Betriebe höhere Löhne zahlen und diese Mehrkosten schlagen sich zwangsläufig in den Stundensätzen nieder. Dazu kommen deutlich gestiegene Lohnnebenkosten. Mit einem Anteil von über 42 Prozent am Bruttolohn erreichen sie einen historischen Höchststand und erhöhen die Gesamtkosten pro Arbeitsstunde erheblich. Zwar konnten die Umsätze im Handwerk zuletzt zulegen, doch die Steigerungen reichten nicht aus, um die stark gestiegenen Betriebsausgaben vollständig aufzufangen.
2. Materialpreise und Energie – Kostenfaktor mit Langzeitwirkung
Neben den Personalkosten belasten auch Materialknappheit beziehungsweise teurer gewordene Rohstoffe und Energie die Kalkulationen der Handwerksbetriebe. Besonders im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe macht der Materialanteil einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. In den vergangenen Jahren sind die Preise für viele Baustoffe stark gestiegen, besonders zwischen 2021 und 2023. Erst ab 2023 setzte eine leichte Entspannung ein: Holz und Betonstahl, die zuvor Rekordwerte erreicht hatten, wurden nach und nach wieder günstiger. Auch 2024 und 2025 zeigten sich moderate Rückgänge. Die Erzeugerpreise lagen laut Angaben des Statistischen Bundesamtes im Oktober 2025 rund 1,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hauptgrund dafür war die schwächere Bautätigkeit, die die Nachfrage spürbar reduzierte. Dennoch bleiben Baumaterialien teuer und tragen weiterhin zur Preiserhöhung, die Handwerker umsetzen müssen, bei. Zwar haben sich einige Kosten zuletzt stabilisiert, doch das hohe Ausgangsniveau und neue Preisentwicklungen, beispielsweise wieder steigende Erzeugerpreise einzelner Materialien, sorgen dafür, dass die Betriebe ihre Preise weiterhin nach oben korrigieren müssen.
3. Inflation, Bürokratie und wirtschaftlicher Druck
Die allgemeine Inflation wirkt zusätzlich auf die Betriebe. Alles, was Handwerker benötigen – von Werkzeugen über Transport bis hin zu Mieten und Versicherungen – ist teurer geworden. Gleichzeitig sehen sich viele Unternehmen einem wachsenden bürokratischen Aufwand gegenüber, der Zeit und Geld kostet. Verbandsvertreter betonen zunehmend, dass diese strukturellen Belastungen die Rentabilität kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe gefährden. Während die Auftragsreichweite zuletzt gesunken ist, bleiben die Fixkosten hoch. Diese Kombination führt dazu, dass Preiserhöhungen bei Handwerkern häufig der einzige Weg sind, wirtschaftlich stabil zu bleiben.
Tipps für Handwerksbetriebe: So gelingt eine professionelle Preisstrategie
Preiserhöhungen gehören ganz selbstverständlich zum wirtschaftlichen Alltag eines Handwerksbetriebs. Steigende Kosten, höhere Qualitätsansprüche und Investitionen in Mitarbeitende lassen sich langfristig nur tragen, wenn die Preise regelmäßig angepasst werden. Viele Betriebe zögern dennoch aus Sorge vor negativen Kundenreaktionen. Dabei zeigt die Praxis: Entscheidend ist nicht, ob man Preise erhöht, sondern wie man dabei vorgeht.
Gleichzeitig birgt das Ausbleiben notwendiger Anpassungen erhebliche Risiken: Werden Preise zu lange konstant gehalten, fehlen Betrieben wichtige Mittel für gute Löhne und damit auch die Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte zu halten. Sinkende Einnahmen wirken sich früher oder später auch auf Qualität, Leistungsumfang und Verfügbarkeit aus. Die Folge: Kund:innen wenden sich eher jenen Betrieben zu, die zuverlässig arbeiten und ihre Standards halten können.
Eine klare Preisstrategie, nachvollziehbare Gründe und eine transparente Kommunikation stärken das Vertrauen der Kund:innen und damit auch die Zukunft des Betriebs. Die folgende Checkliste zeigt, wie Handwerksunternehmen Preisänderungen professionell planen und kundenorientiert umsetzen können:
1. Grundlage schaffen: Preise regelmäßig überprüfen
- Prüfen Sie mindestens einmal im Jahr, ob Ihre aktuellen Preise Ihre Kosten decken.
- Berücksichtigen Sie dabei auch Ihren eigenen Unternehmerlohn und geplante Investitionen.
- Denken Sie langfristig: Gute Löhne, Weiterbildung und moderne Ausstattung benötigen ausreichende Finanzierung.
2. Klare Gründe definieren
- Sammeln Sie die wichtigsten Faktoren, die eine Preisanpassung notwendig machen (etwa gestiegene Löhne, Fortbildungen, Materialkosten oder höhere Anforderungen an Qualität).
- Machen Sie sich diese Gründe schriftlich bewusst. So fällt es Ihnen leichter, sie bei Bedarf gegenüber Kund:innen nachvollziehbar darzustellen.
- Beziehen Sie strategische Investitionen ein: Weiterbildung, Mitarbeiterbindung und Marketing sind wichtig für die Zukunft des Betriebs.
3. Den richtigen Zeitpunkt wählen
- Viele Betriebe erhöhen die Preise zu Jahresbeginn oder zu einem festen Termin im Frühjahr.
- Wählen Sie einen Zeitpunkt, der zu Ihrer Branche passt, beispielsweise saisonale Hochphasen oder Zeiten höherer Nachfrage.
- In Krisenzeiten lieber frühzeitig und vorausschauend kalkulieren, statt lange zu warten.
4. Preisanpassung kundengerecht kommunizieren
- Vermeiden Sie Rundmails oder öffentliche Hinweise wie „Wir erhöhen unsere Preise“.
- Kommunizieren Sie individuell oder im Rahmen eines Angebots, meist fällt die Anpassung dann gar nicht weiter auf.
- Bei Wartungsverträgen immer prüfen, was in den AGBs steht, und bei Bedarf aktiv Kontakt aufnehmen.
- Wenn Kund:innen nachfragen: durch Gegenfragen Missverständnisse klären („Auf welches Vergleichsangebot beziehen Sie sich?“).
5. Selbstbewusst auftreten – nicht rechtfertigen
- Stehen Sie hinter Ihrem Preis: Qualität, Service und Zuverlässigkeit haben ihren Wert.
- Mitarbeiter sollten wissen, warum der Betrieb teurer oder günstiger als andere ist, denn so können sie Preisunterschiede erklären, ohne sich zu rechtfertigen.
- Vergleichen Sie sich nicht zu stark mit Wettbewerbern, denn niemand kennt deren interne Strukturen oder tatsächliche Wirtschaftlichkeit.
6. Risiken vermeiden: Was passiert, wenn man Preise nicht anpasst?
- Zu niedrige Preise gefährden gute Löhne und damit die Fähigkeit, Fachkräfte zu halten.
- Fehlende Einnahmen können die Qualität, das Angebot und die Verfügbarkeit verschlechtern.
- Am Ende wandern Kund:innen eher dorthin ab, wo Zuverlässigkeit und Qualität weiterhin gewährleistet sind.
Fazit: Was Handwerksbetriebe aus der aktuellen Lage mitnehmen sollten
In den letzten Jahren sind Handwerksarbeiten immer teurer geworden. Das liegt daran, dass es zu wenig Fachkräfte gibt, die Löhne steigen und auch Material, Energie und Bürokratie mehr kosten als früher. Einige Preise haben sich zwar wieder etwas beruhigt, aber insgesamt bleibt das Arbeiten für Handwerksbetriebe teuer. Für Betriebe bedeutet das: Sie müssen ihre Preise gut planen und regelmäßig prüfen. Angemessene Preise sind wichtig, damit qualifizierte Mitarbeiter bleiben, die Qualität stimmt und der Betrieb auch in Zukunft zuverlässig arbeiten kann. Wenn Sie selbst klar vor Augen haben, warum eine Preisanpassung notwendig ist, fällt es Ihnen leichter, diese Ihrer Kundschaft nachvollziehbar zu erklären. Das bedeutet nicht, dass jede Person sofort zustimmt, aber viele reagieren verständnisvoller, wenn sie wissen, was hinter den neuen Preisen steht. Kurz gesagt: Trauen Sie sich, Ihre Arbeit so zu kalkulieren, wie sie es verdient. Betriebe, die diesen Schritt selbstbewusst gehen, haben häufig weniger Stress und sind langfristig besser aufgestellt. Das gilt sowohl für den Betrieb selbst als auch für das Team und für die Menschen, die auf gute Handwerksarbeit angewiesen sind.
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