Digitalisierung in der Baubranche: Chancen & Herausforderungen

Erstveröffentlichung: 28.04.2021 11:41 |

Digitalisierung bestimmt bereits Branchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau – wann wird die Digitalisierung auch die Baubranche revolutionieren? Erfahren Sie alles zum jetzigen Stand und zur Zukunft der Bauindustrie! 

Das Wichtigste zur Digitalisierung in der Baubranche in Kürze

  • Digitalisierung in der Baubranche beschleunigt Prozesse, macht Abläufe transparent und verwertet vorhandene Daten.
  • Vorteile für Bauunternehmen: Effizienzsteigerung, sinkende Kosten, langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
  • Wichtige Technologien sind beispielsweise BIM, Künstliche Intelligenz oder Virtual Reality.
  • Vorreiter für Digitalisierung der Baubranche in der EU sind skandinavische Länder, Großbritannien und die Niederlande.
  • In Deutschland muss die Infrastruktur weiter ausgebaut werden sowie die Kompetenzen der Fachkräfte und die politische Unterstützung.
Ikonografische Darstellung der Digitalisierung in der Baubranche

Unsere gesamte Bevölkerung befindet sich in einem digitalen Umbruch. Es gibt kaum einen Lebensbereich mehr, der nicht von digitalen und mobilen Anwendungen mitbestimmt wird – es kann sogar passieren, dass die öffentliche Toilette auf einmal mit einem kommunizieren möchte. Wenn man sich die rapiden Entwicklungen ansieht, fällt schnell auf, dass die Baubranche zurückhängt. Gerade im Baugeschäft entstehen Innovationen eher langsam und stetig als schnell und disruptiv, da sich technische Neuerungen erst in das komplexe Gesamtgefüge der Bauentstehung integrieren müssen. Allerdings darf – trotz aller Vorsicht – nicht vergessen werden, dass die Digitalisierung ein unaufhaltsamer Prozess ist. Zwar offenbart er zunächst große Schwierigkeiten, aber auch Dauer überwiegen eindeutig die Chancen, die er eröffnet. Deswegen stellt sich nicht mehr die Frage, ob man daran teilnimmt, sondern nur noch wie. Lesen Sie alles über die Digitalisierung der Baubranche in unserem Artikel! Wir erklären Ihnen, welche Hürden der Digitalisierung im Weg stehen und welche Chancen Unternehmen ergreifen können, um die Entwicklungen mitzumachen!

Was bedeutet die Digitalisierung im Bauwesen?

Mit der Digitalisierung in der Baubranche verbinden viele vor allem den Einsatz von Building Information Modeling (BIM) – zwar ist das nicht verkehrt, doch digitales Bauen umfasst weit mehr. Im Kern geht es darum, Bauprozesse durch moderne Tools einfacher und effizienter zu gestalten. So sollen beispielsweise Planungsschritte leichter von der Hand gehen, Abläufe auf der Baustelle transparent gemacht werden und Daten zugänglich für alle Baubeteiligten verfügbar sein.

Im Laufe des Digitalisierungsprozesses lassen sich drei typische Stufen beobachten:

  • Stufe 1

    Zu Beginn nutzen Unternehmen digitale Werkzeuge für Kalkulation und Planung im Baualltag. Auch Tablets und Smartphones kommen verstärkt zum Einsatz – etwa für die Zeiterfassung auf der Baustelle oder zur Kommunikation mit Fotos.

  • Stufe 2

    Unternehmen, die früh in digitale Tools investiert haben, führen in dieser Phase meist ein Dokumentenmanagementsystem ein. Dadurch können Bauakten digital gepflegt werden. Die interne Kommunikation läuft zunehmend über Chatrooms und selbst die Verwaltung von Geräten wird durch spezialisierte Software erleichtert.

  • Stufe 3

    In der dritten Stufe findet die digitale Projektkommunikation auch zwischen verschiedenen Unternehmen statt. Hier spielt BIM eine zentrale Rolle, denn es ermöglicht ein Projekt auf einer einheitlichen Datenbasis zu planen. Viele deutsche Unternehmen sind an diesem Punkt jedoch noch nicht angekommen – in der Praxis greifen viele weiterhin bevorzugt auf klassische 2D-Pläne zurück.

Wie verändert die Digitalisierung die Bauindustrie?

Auch wenn die Grundidee der digitalen Baubranche war, physische Informationen digital abzubilden, verändert die Digitalisierung mehr als nur das: Auch Arbeitsabläufe und die Art, wie Bauprojekte organisiert und durchgeführt werden, passen sich zunehmend digitalisierten Prozessen an:

  • Der Planungsprozess wird präziser und schneller, weil Simulationen bereits im Vorfeld potenzielle Probleme aufzeigen und Änderungen in Echtzeit vorgenommen werden können.
  • Automatisierung, Roboter und die Digitalisierung verändern die Baustelle selbst: Aufgaben, die früher manuell erledigt wurden, wie das Messen oder das Verlegen von Materialien, können nun von Maschinen übernommen werden.
  • Architekt:innen, Ingenieur:innen und Bauherr:innen arbeiten enger und schneller zusammen – sie können nämlich jederzeit auf die gleichen aktuellen Informationen zugreifen. Das bedeutet: weniger Missverständnisse und schnellere Entscheidungsfindung.

Wie profitieren Unternehmen der Baubranche von der Digitalisierung?

In der Automobilindustrie oder im Maschinenbau ist die Digitalisierung längst angekommen – in der Baubranche schrecken viele Unternehmen noch vor Investitionskosten und dem Aufwand zurück, neue Technologien einzuführen. Doch zunehmend zeigt sich: Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, führt an einer digitalen Arbeitsweise kaum ein Weg vorbei.

Steigende Kundenanforderungen, mangelnde Fachkräfte sowie wachsende Baukosten machen deutlich, dass traditionelle Vorgehensweisen allein nicht mehr ausreichen. Wichtig ist, die Digitalisierung nicht als zusätzliche Belastung zu sehen, sondern als Chance: Richtig eingesetzt bringt sie zahlreiche Vorteile für alle Bauprozesse.

Effizienzsteigerung für Bauunternehmen: Digitalisierung hilft dabei, Bauprozesse schneller und effizienter zu realisieren. Durch eine gezielte Digitalisierung ließen sich etwa 30 Prozent an Planungskapazitäten einsparen – sprich, weniger Arbeitskräfte können in kürzerer Zeit mehr schaffen. Gerade mit Blick auf marode Brücken oder den Wohnungsmangel wird deutlich, wieso schnellere Abläufe wichtig sind.

Reduzierte Kosten: Verbesserte Planung und Abwicklung von Projekten führt dazu, dass Fehler eher vermieden werden. Auch der Materialeinsatz kann dadurch optimal berechnet und eingeplant werden. Insgesamt führt dies zur Senkung der Gesamtkosten und langfristig zu mehr Gewinn.

Langfristige Wettbewerbsfähigkeit: Technologien wachsen exponentiell – die Schere zwischen Technologien, die möglich sind, und denen, die im Bau tatsächlich eingesetzt werden, auch. Wer bereits jetzt in moderne Lösungen investiert, sichert langfristig seine Marktposition. Ein Rückstand lässt sich in einigen Jahren allerdings nur schwer oder gar nicht mehr aufholen.

Verbesserte Nachhaltigkeit: Durch die präzise Planung mit digitalen Tools wird Materialverschwendung reduziert und Ressourcen besser genutzt. Auch die Lebensdauer von Gebäuden und Bauteilen wird verlängert, da Informationen zur Wartung und zu Materialien genaustens dokumentiert werden.

Digitalisierung der Baubranche: Welche Möglichkeiten gibt es?

Eine Statistik zur Digitalisierung in der Baubranche hat ergeben: Rund 47 Prozent aller befragten Unternehmen in einer Umfrage von PlanRadar gaben an, bereits einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht zu haben. Doch welche Technologien machen die digitale Transformation überhaupt möglich? Da es unendlich viele Ansätze gibt, stellen wir im Folgenden einige Trends davon vor.

BIM ist der wohl bekannteste Meilenstein auf dem Weg zu einer digitalen Baubranche. Vom Entwurf bis zum Rückbau und Recycling eines Gebäudes werden alle Informationen in einem 3D-Modell gesammelt – beispielsweise zur Ausrüstung, zum Management und zur Wartung. Sämtliche Schritte werden miteinander verknüpft, alle Beteiligten können auf das Modell zugreifen. So können Risiken viel früher erkannt und Kosten signifikant gesenkt werden.

In dem Zuge werden auch häufig digitale Zwillinge erstellt. Während BIM-Modelle ein statisches 3D-Modell ermöglichen, erlauben digitale Zwillinge eine Interaktion mit der Umgebung und dem Objekt. Durch Simulationen verschiedener Umsetzungen erhält man dadurch Vorhersagen dafür, wie sich das Objekt im Laufe der Zeit verändern wird.

Auch wenn noch viele Büros vor den kostenintensiven Programmen zurückschrecken, geben 60 Prozent aller Firmen an, mittelgroße bis große Investitionen in diesem Bereich getätigt zu haben. Die Initiative BIM Deutschland fördert die Implementierung der BIM Methode: Sie bieten das BIM Portal des Bundes für eine bessere Zusammenarbeit an, bieten standardisierte Informationen und identifizieren Handlungsbedarf, damit diese Technologie flächendeckend und fachbereichspezifisch eingesetzt werden kann.

Machine Learning, zu Deutsch maschinelles Lernen, beschreibt eine Technik, bei der Computersystem aus Daten „lernen“ und daraus eigenständig Lösungen entwickeln. Maschinen erkennen Muster in Datensätzen und erlangen immer mehr Kenntnisse in ihrem Aufgabenbereich – auch in der Baubranche. Hier hilft künstliche Intelligenz dabei, Objekte oder Bilder zu analysieren oder auch statistische Daten zu strukturieren und zu untersuchen. Daraus werden Schlussfolgerungen gezogen, wie weiter vorgegangen werden soll. Denn es lassen sich Prognosen erstellen, Risiken bewerten und Arbeitsabläufe optimieren – kurz gesagt, mithilfe von KI-generierten Empfehlungen und Prozessautomatisierungen werden Entscheidungen im Bauprozess leichter getroffen.

Auch die Sicherheit am Bau wird steigen: Zurzeit herrscht auf Baustellen eine fünfmal höhere Rate an tödlichen Unfällen als in anderen Branchen. Mithilfe eines Deep-Learning-Algorithmus wertet ein System Baustellenfotos und Unfallaufzeichnungen aus. Mit diesem Wissen beobachtet es das Arbeitsgeschehen und warnt, sobald sich eine gefährliche Situation abzeichnet. Das betrifft beispielsweise fehlende Handschuhe oder potenziell gefährliche Berührungen zwischen Mensch und Maschine.

Mit dem Eintritt von künstlicher Intelligenz in den Mainstream wird sie auch in der Baubranche immer beliebter. In 2025 nutzen rund 74 Prozent der Unternehmen eine KI-Lösung in mindestens einer Bauphase. Währenddessen rechneten 84 Prozent damit, auch in Zukunft ihre Investitionen in KI zu stärken.

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) bieten eine Visualisierung von Plänen, Baustellen und geplanten Designs.

VR ermöglicht es, durch eine VR-Brille oder ein VR-Headset eine vollständig digitale Umgebung zu betreten: Ein Bauprojekt kann in einem 3D-Modell realitätsnah betrachtet und somit besser geplant werden. Architekt:innen können überprüfen, wie Tageslicht in das Gebäude fällt oder wie das Projekt sich in die Umgebung einfügt – und Fehler werden aufgedeckt, bevor sie Mehraufwand nach sich ziehen.

Augmented Reality hingegen erweitert die bestehende Umgebung. Betritt man die Baustelle mit einer AR-Brille, kann man bestehende BIM Modelle mit der realen Umgebung überlappen. Es lassen sich beispielsweise Leitungen erkennen, die noch nicht verbaut sind, oder der geplante und gebaute Zustand in Echtzeit abgleichen. Auch im Tiefbau findet die Technologie Einsatz. Städte können beispielsweise ihre Pläne digitalisieren und bei einem Lauf durch die Stadt sieht man genau, wo welche Rohre und Leitungen verlegt sind.

Drohnen sind auf Baustellen keine Ausnahmen mehr. Ferngesteuert oder autonom fliegen sie über das Geschehen, filmen und fotografieren. Sie können eingesetzt werden, um den Baufortschritt zu dokumentieren, den ordnungsgemäßen Einsatz von Maschinen und Material zu überwachen und um bei der Planung und Endkontrolle wichtige Aufgaben zu übernehmen. Mit Laserscanning aus der Luft kann ein softwarebasiertes dreidimensionales Bild errechnet werden, das mit den digitalen Bauplänen der Architekt:innen abgeglichen wird. So wird direkt sichtbar, in welchen Bereichen die Arbeit dem Zeitplan hinterherhinkt.

Erstmals 2004 ist es Forscher:innen der University of South Carolina gelungen, eine Wand im 3D-Druck-Verfahren zu errichten. Heute wohnen und arbeiten stets mehr Menschen in gedruckten Häusern, deren Errichtung gerade mal 20 Stunden gedauert hat. Zudem sind sie günstiger und der Druckvorgang ermöglicht den Bau komplexer architektonischer Formen.

Heute existieren mehrere Verfahren, die beispielsweise einen Mix aus Beton und Glasfaser verwenden und gegebenenfalls gleichzeitig einen polymeren Schaum für die Isolation auftragen. Auch stabile Metallstrukturen aus Edelstahl, Bronze, Aluminium und Inconel-Legierung können gedruckt werden. Mit dem 3D-Druck lassen sich Materialien genaustens einplanen.

In Dubai, Russland, China oder Südamerika entstehen schon seit mehreren Jahren verschiedene Gebäude aus dem Drucker. Das erste gedruckte Wohnhaus Deutschlands wurde 2021 im westfälischen Beckum errichtet. Das harmonisch proportionierte Haus in organischen Formen bietet auf zwei Ebenen eine Wohnfläche von 160 Quadratmetern. Zum Bau bewegt sich der Druckknopf über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen, sodass sich der Drucker an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen kann.

Trotzdem ist der 3D-Druck in der deutschen Baubranche nicht weit verbreitet. Nur 20 Prozent der befragten Unternehmen investierten in den letzten Jahren in diese Technologie.

IoT ist ein Sammelbegriff für Technologien, die es ermöglichen, physische und virtuelle Gegenstände zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen. Dazu gehören RFID-Lösungen (radio-frequency identification), Sender-Empfänger-Systeme, die mithilfe elektromagnetischer Wellen automatisch und berührungslos Objekte und Lebewesen identifizieren und lokalisieren.

So werden beispielsweise Arbeitende gewarnt, wenn sie eine Maschine steuern und Mitarbeiter:innen übersehen. Unter diesen Begriff fallen auch Wearables. Sie überwachen die Herzfrequenz sowie die Körpertemperatur und vermeiden auf diese Weise Überanstrengung und liefern Handlungsempfehlungen. Das sind nur wenige Beispiele von Technologien, die dem IoT zuzuordnen sind. Insgesamt kann man sagen, dass sie zur Arbeitssicherheit beitragen und durch vorausschauende Wartung und effizienter gesteuerte Anlagen die Kosten senken.

Es wird prognostiziert, dass der IoT-Markt sich bis 2031 um das Drei- bis Vierfache vergrößern soll – auf 44,2 Milliarden Dollar. Im Bauwesen liegt die aktuelle Wachstumsrate des IoT bei ungefähr 14,6 Prozent.

Robotik kann sowohl in der Verwaltung als auch direkt auf der Baustelle eingesetzt werden. Bereits seit den 1970ern wird mit Baustellenrobotern experimentiert. Seit den 1980er-Jahren werden sie in Japan und Korea im Hochbau eingesetzt und errichten ganze Wolkenkratzer. Sogar die Entwicklung von autonomen Robotern für nicht-standardisierte Bauaufgaben ist keine Zukunftsvision mehr.

Der Einsatz von Robotern lässt viele Arbeitnehmer:innen um ihre Anstellung bangen. Denn durch die Digitalisierung und Robotik sind rund 46 Prozent der Stellen im Baugewerbe gefährdet, also etwa 930.000 Arbeitsplätze. Allerdings bedeutet der Einsatz auch große Entlastungen, da der Fachkräftemangel immer stärker spürbar wird. Und zudem fallen zwar viele Berufe weg, es werden aber wieder andere benötigt. Insbesondere IT-Spezialist:innen werden künftig immer gefragter, sodass die Digitalisierung in der Baubranche neue Jobs schafft.

Doch neben all diesen großen Bereichen können auch kleinere Schritte, insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen, bereits eine große Erleichterung sein. So lassen sich beispielsweise moderne Rechnungsprogramme integrieren, die den Ablauf vom Angebot bis zur Rechnungserstellung signifikant erleichtern. Sie wandeln angenommene Angebote direkt in Rechnungen um und erinnern, wenn diese fällig sind. Auch der Gebrauch von digitalen Ausschreibungsplattformen, wie den ibau Xplorer, ermöglicht effizienteres Arbeiten. Indem man seine Wünsche und Möglichkeiten kommuniziert, werden genau die Ausschreibungen und Projekte vorgeschlagen, die individuell passen.

Um Arbeitsprozesse ortsunabhängig und abteilungsübergreifend zu gestalten, kann Cloud-Computing genutzt werden. Das Extrembeispiel dafür ist BIM. Solche Clouds lassen sich aber auch gut in kleineren Betrieben einsetzen, um wichtige Informationen für alle zugänglich zu machen und die Beteiligten auf dem aktuellen Stand zu halten.

Ähnlich wie beim Papierkram kann auch die digitale Datenspeicherung chaotisch und unübersichtlich werden. Eine gute Lösung bieten Dokumenten Management Systeme (DMS). Sie organisieren Datenbanken und verschaffen den notwendigen Überblick über die darin gespeicherten Dokumente und deren Verknüpfungen. Dokumente, die mit Metadaten versehen werden, erleichtern ebenfalls die schnelle Orientierung. Außerdem sollten Notiz- und Kommentarfunktionen genutzt werden, damit der Austausch der Mitarbeiter:innen bei der Bearbeitung von Dokumenten reibungslos funktioniert. Mithilfe einer Software für das Projektmanagement können alle Beteiligten den Echtzeitstatus der Aufgaben sehen, auf relevante Dateien zurückgreifen und Projektfortschritte erkennen. Insbesondere für Projekte mit geografisch weit verteilten Teams ist eine solche überall, jederzeit und von jedem Gerät erreichbare Kollaborations-Plattform unverzichtbar.

Schneidet die deutsche Baubranche tatsächlich so schlecht ab in Sachen Digitalisierung?

Auch wenn die Digitalisierung in der Baubranche kontinuierlich voranschreitet, besteht im Vergleich zu anderen Branchen sehr viel Luft nach oben – auch im Vergleich zu anderen Ländern. Großbritannien, die Niederlande und skandinavische Länder haben in Europa wichtige Fundamente für die Digitalisierung der Baubranche gesetzt, vor allem, was den Einsatz von BIM betrifft. Seit 2016 ist dieser in Großbritannien verpflichtend. Doch im Vergleich mit den USA schneidet Europa schlecht ab: Während in den USA 60 Prozent aller Unternehmen des Bauwesens hochgradig digitalisiert sind, sind es in der EU nur etwa 40 Prozent. Das zeigt, dass man mit der deutschen Baubranche nicht allzu kritisch sein sollte, auch wenn das natürlich nicht bedeutet, dass die Branche nicht Vollgas geben sollte.

In Deutschland ist dieser Digitalisierungsschub der Baubranche bisher ausgeblieben. Zwar sind die Chancen anerkannt, allerdings werden die Potenziale der Digitalisierung noch nicht genutzt. Laut einer PwC Studie aus 2025 geben 82 Prozent aller Unternehmen an, dass ihnen das nötige Wissen dazu fehlt, dieses Potenzial auszuschöpfen. PlanRadar bestätigt dies: Hier werden fehlende Mitarbeiterkompetenzen ebenfalls als Grund genannt.

Dabei ist aber auch die Struktur der deutschen Baubranche zu beachten. Anders als in anderen EU-Ländern, wie den Niederlanden, wird in Deutschland auf einen starken Mittelstand gesetzt und die Branche ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DISO) für 2020 zeigt aber, dass die Digitalisierung vor allem in den Großunternehmen voranschreitet. So nutzen etwa 38,5 Prozent der großen Unternehmen fortgeschrittene Cloud-Dienste, bei den KMU sind es lediglich 17 Prozent. Branchen wie der Handel, die Automobil- oder Elektroindustrie sind bereits viel digitaler, aber die Unternehmen sind durchschnittlich auch bedeutend größer.

Was brauchen Unternehmen in Deutschland, um sich Digitalisierung zu stellen?

Um ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen, müssen Unternehmen heutzutage den Weg der Digitalisierung einschlagen. Im ersten Augenblick scheinen die Investitionen in eine digitale Innovation sehr hoch. Doch lassen sie sich problemlos durch Förderkredite abfangen; und über einen längeren Zeitraum rentieren sich die Neuerungen, da Arbeitszeit eingespart wird.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe positioniert sich mit mehreren Forderungen an die Politik und das Gesamtbaugewerbe, damit die Digitalisierung in der Baubranche voranschreiten kann.

Infrastruktur

Damit digitale Tools auf Baustellen auch wirklich genutzt werden können, braucht es zunächst ein bundesweit lückenloses Breitbandnetz. Wenn Funklöcher auf Baustellen auch weiterhin bestehen, wird die Arbeit mit den meisten Applikationen unmöglich gemacht.

Ausbau von Kompetenzen

In allen Regionen muss die IT-Kompetenz von Bauherr:innen ausgeweitet werden. Dafür braucht es nicht nur Richtlinien und Standards für öffentliche Auftraggeber:innen, sondern auch standardisierte Schnittstellen, die eine Zusammenarbeit von Projektbeteiligten sicherstellen. Auch die E-Vergabe braucht eine zentrale Website. Nur so können sich Bauunternehmen den digitalen Anforderungen stellen und die Digitalisierung zu einer lohnenswerten Investition machen.

Interesse bei Unternehmen

Unternehmen müssen ebenfalls motiviert sein, die Digitalisierung in die Hand zu nehmen. Seit 20 Jahren entwickeln sich Technologien exponentiell schneller – viele liegen bereits jetzt hinterher. Es muss das Interesse bestehen, Investitionen zu machen und sie nicht nach hinten zu verschieben. Denn dafür wird es in Zukunft keine Zeit mehr geben.

Politische Entscheidungen

Für die Digitalisierung braucht es eine Politik, die mögliche Probleme erkennt und Lösungen erarbeitet. Wenn Baustellen- und Projektdaten gesammelt werden, stellen sich beispielsweise viele Fragen zum Datenschutz: Wer darf auf die Daten zugreifen? Wer haftet, wenn sie missbraucht werden? Wie lange dürfen sie gespeichert werden? Aber die Politik muss sich auch für Fördermittel einsetzen: Besonders kleinere Unternehmen können keine IT-Abteilungen oder Software einführen, da ihnen die finanziellen Mittel fehlen. Die jetzigen Finanzierungsbedingungen sind da kein ausreichender Anreiz.

Knowhow und Schulungen

Um Arbeitskräfte zu gewinnen, die sich mit technischen Umsetzungen auskennen, muss bereits in der Schule angesetzt werden. Informatik sowie gewerkespezifische Informationen über den Stand der Digitalisierung sollten in der Ausbildung zu einem verpflichtenden Fach gemacht werden.

Herausforderungen bei der Digitalisierung der Baubranche – Daten und IT-Sicherheit

Mit zunehmender Digitalisierung werden unsere Daten immer wichtiger. Datendiebstahl und -manipulation oder die Erpressung durch das Blockieren von IT-Systemen sind lukrative Geschäftsmodelle. Deswegen ist es wichtig, dass Computer und ganze Netzwerke vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Schwachstellen in der IT-Infrastruktur können zum Einfallstor für Hacker:innen werden, aber auch ein mangelndes Gefahrenbewusstsein der Mitarbeiter:innen erhöht das Risiko.

Unternehmen speichern Daten über ihre Mitarbeiter:innen, Kund:innen, Geschäftspartner:innen sowie Angebote zu aktuellen Vergabeverfahren. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) regelt den Umgang von Betrieben mit gespeicherten personenbezogenen Daten. Personenbezogene Daten haben in einer immer digitaleren Welt einen immensen Wert, weshalb Unternehmen dazu verpflichtet sind, diese vor der Einsicht unbefugter Dritter zu schützen. Unternehmensbezogene Daten, wie vertrauliche Akten und Betriebsgeheimnisse, werden zwar nicht von der DSGVO erfasst, dennoch sind auch diese sehr wertvoll, weshalb Unternehmen die doppelte Verantwortung tragen: Sie müssen ihre eigenen sowie fremde Daten schützen.

Die DSGVO hat durch eine höhere Transparenz dafür gesorgt, dass das Bewusstsein für den Wert von Daten gestiegen ist. Allerdings ist es schwer nachzuvollziehen, wozu die gespeicherten Daten eingesetzt werden, welche Schlüsse daraus gezogen werden und wo diese Daten erhoben werden. Es fängt an mit vergleichsweise harmlosen personalisierten Werbungen, doch Daten können auch Auskunft über die Finanzkraft oder den Gesundheitszustand einer Person geben. Es gibt verschiedene Maßnahmen, mit denen Unternehmen Daten vor Hacker:innen schützen können, wie etwa die Verschlüsselung von Daten. Bei der Übertragung oder Datenspeicherung können verschiedene Verschlüsselungsmechanismen eingesetzt werden. Eine der bekanntesten ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die etwa bei E-Mail-Kommunikationen zum Einsatz kommt. Die Informationen werden nicht als Klartext übertragen, sondern als eine codierte Nachricht, die nur mit dem passenden Schlüssel wieder lesbar wird. Diesen passenden Schlüssel besitzen nur die Mitarbeiter:innen, die befugt sind, auf die Daten zuzugreifen. Besonders gefährdet sind mobile Baustellenbüros, die meistens deutlich schlechter abgesichert sind als vergleichbare Systeme in einer herkömmlichen Büroumgebung.

Personen nutzen Drohnen zur Digitalisierung auf der Baustelle © Gorodenkoff / stock.adobe.com

Fazit: Wie implementiert man Digitalisierung in der Architektur und in der Baubranche?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man den nächsten Schritt zu einer digitaleren Arbeit gestalten kann. Wichtig ist es, genau zu überlegen, welche Neuerungen sinnvoll sind für ein Unternehmen und von den Mitarbeiter:innen produktiv eingesetzt werden können. Obwohl diese Digitalisierung des Baus mit viel Recherchearbeit und eventuell einem hohen finanziellen Aufwand zusammenhängen, darf man sich als Unternehmen, das auf dem Markt bestehen möchte, nicht davor verschließen. Digitale Gadgets können die Produktivität in hohem Maße steigern und sind somit elementar, um im Wettbewerb nicht zurückzubleiben. Die Digitalisierung der deutschen Baubranche schreitet verhältnismäßig langsam voran, aber sie ist nicht mehr aufzuhalten.

Als Unternehmen muss man sich vor dieser Investition intensiv damit auseinandersetzen, welche spezifischen Technologien für das eigene Geschäft sinnvoll sind. Es gibt zahlreiche verschiedene Möglichkeiten digitaler zu arbeiten – angefangen im Kleinen, wie der Umstieg auf die Textform, wenn die Schriftform nicht unbedingt notwendig ist, den Gebrauch von digitalen Ausschreibungsdatenbanken oder von Clouds um innerhalb des Teams besser miteinander zu kommunizieren, bis hin zu großen Veränderung wie BIM, Machine Learning oder Drohnen.

Allerdings bedeutet es nicht, dass ein Tool, das bei einem Kollegen gut funktioniert, auch im eigenen Betrieb sinnvoll ist. Um das zu bewerten, müssen die Entwicklungen kontinuierlich im Auge behalten werden und potenzielle Änderungen mit allen Beteiligten besprochen werden. Zudem bringen auch die besten Technologien nichts, wenn diejenigen, die sie nutzen sollen, nicht wissen wie. Zahlreiche Workshops oder Schulungen helfen dabei, den Arbeitnehmer:innen das benötigte Knowhow zu vermitteln. Diese werden in erster Linie von kommerziellen Anbieter:innen zur Verfügung gestellt. Allerdings gibt es verschiedene Förderprogramme, wie Digital Jetzt, go-digital oder der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW, die insbesondere den Mittelstand bei der Anschaffung aber auch bei Beratungsleistungen und Weiterbildungen für einen digitaleren Arbeitsalltag unterstützen.

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Bea Balode

In ihrer Arbeit als Online-Redakteurin verfasst Bea Balode qualitative Inhalte und Ratgeber für ibau. Es bereitet ihr Freude, Leser:innen komplexe Themengebiete verständlich und anschaulich nahezubringen. Besonders gerne beobachtet sie Entwicklungen im Vergaberecht und interessiert sich für die nachhaltige Zukunft des Bauens. Ihre Begeisterung für sprachliche Gestaltung verbindet sie mit SEO-Knowhow und Kenntnissen aus ihrem sprachwissenschaftlichen Studium in Germanistik und Anglistik. Auch in ihrer Freizeit entwickelt sie gerne Story-Konzepte und setzt sie in kreativem Schreiben um.