Zweitwohnsitz: Wann Sie Steuern sparen können

Man bekommt eine neue Arbeitsstelle, doch die Familie kann nicht mit umziehen. Bei solchen Situationen entscheiden sich viele für eine zweite Wohnung am Arbeitsort.

 

Zweitwohnsitz © Oleksandr Moroz

Bei solchen Situationen entscheiden sich viele für eine zweite Wohnung am Arbeitsort.

Bei der Frage, ob der finanzielle Mehraufwand steuerlich geltend gemacht werden kann, schaut das Finanzamt genau hin, denn die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung summieren sich im Jahr auf mehrere Tausend Euro. Miete, Fahrtkosten, wenn man am Wochenende zum Erstwohnsitz fährt, Einrichtung und Verpflegungsmehraufwand läppern sich. Deswegen kommt es bei der Frage, wann die Aufwendung abgesetzt werden kann, oft zum Streit zwischen Fiskus und Steuerzahler. Die Hürden für den Steuerabzug sind generell sehr hoch angesetzt, die Vorgaben sind kompliziert und nicht immer eindeutig. Nachdem der Bundesfinanzhof mehrfach zugunsten der Steuerzahler entschieden hatte, hat das Bundesfinanzministerium Ende 2020 einiges neu bestimmt.

Der Lebensmittelpunkt muss nachgewiesen werden

Grundsätzlich muss der Steuerzahler nachweisen, wo sein Lebensmittelpunkt liegt. Normalerweise ist er dort, wo die persönliche Bindung am größten ist, also da, wo die Hauptbezugsperson, sprich der Partner, lebt. Zudem muss der Pendler mindestens sechs Mal im Jahr dort hinfahren um die Aufwendung für die doppelte Haushaltsführung geltend zu machen. Bei Singles ist die Feststellung des Lebensmittelpunktes schon schwieriger. Zunächst wird davon ausgegangen, dass sie nur einen Wohnsitz haben, nämlich da, wo sie arbeiten. Doch bei starker Heimatverbundenheit kommt der Junior vielleicht oft nach Hause, während er anderswo praktische Erfahrung sammelt. Er behält seine Freunde und den Kontakt zum Sportverein. In solchen Fällen zählen andere Kriterien, etwa die Anzahl der Heimfahrten: Wenn ein Single mindestens zwei Mal im Monat pendelt, ist das ein Indiz dafür, dass der Lebensmittelpunkt bleibt. Um dies belegen zu können, müssen die regelmäßigen Wochenendfahrten allerdings detailliert dokumentiert werden, etwa durch Fahrzeiten, Zugtickets, Tankquittungen oder Inspektionsrechnungen. Grundsätzlich gilt es Nachweise zu sammeln. Der alleinstehende Steuerzahler muss dem Fiskus die enge persönliche Beziehung zum Erstwohnsitz zeigen, etwa indem soziale und kulturelle Kontakte dokumentiert werden, durch Barabhebungen, Arztbesuche oder Einladungen zu Feiern. Auch die Mitgliedschaft in einem Verein untermauert den Lebensmittelpunkt. Misstrauisch werden Finanzbeamte, wenn Singles ihren Erstwohnsitz unter einem Dach mit Familie und Freunden haben. Zeugenaussagen könnten in diesem Fall gefragt sein. Zudem ist wichtig, dass der Zweitwohnsitz nicht größer und komfortabler sein sollte als der Erstwohnsitz. Sonst geht der Fiskus davon aus, dass sich der Lebensmittelpunkt verschoben hat und es lässt sich keine doppelte Haushaltsführung mehr geltend machen. Singles im mittleren Alter haben es einfacher. Es handelt sich um doppelte Haushaltsführung, wenn sie am Arbeitsort eine weniger komfortable Bleibe haben. Die Richter gehen in solchen Fällen davon aus, dass die Kinder an der Haushaltsführung und eventuell an der Pflege der Eltern stark beteiligt sind. Auch an den Haushaltskosten des ersten Wohnsitzes muss sich der Pendler beteiligen – möglichst mit zehn Prozent der regelmäßigen und laufenden Kosten. Alternativ kann er etwa einen gemeinsamen Urlaub oder das Auto finanzieren. Allerdings müssen Alleinstehende nachweisen können, dass sie am Wochenende nicht nur wie ein Gast Unterschlupf bei den Eltern finden, sondern dort einen eigenen Hausstand haben.

Kriterien: Wann Berufspendler einen Zweitwohnsitz steuerlich geltend machen können

In einem Erlass des Bundesfinanzministeriums (Az: IV C 5 - S 2353/19/10011 :006) werden einige Kriterien, wann ein Zweitwohnsitz steuerlich geltend gemacht werden kann, explizit benannt. Eine Auswahl:
- Wenn die Fahrt vom Hauptwohnsitz zum Arbeitsplatz bis zu einer Stunde dauert, empfindet der Fiskus dies als zumutbar und ein Zweitwohnsitz ist nicht zu begründen. Ist die Entfernung weiter, ist davon auszugehen, dass sich die Hauptwohnung außerhalb des Ortes der ersten Tätigkeitsstätte befindet.
- Durch den Zweitwohnsitz muss die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstelle deutlich verkürzt werden. Wenn die kürzeste Straßenverbindung über die Hälfte reduziert wird, kann von einer beruflichen Veranlassung ausgegangen werden.
- Bei Eigentumswohnungen sind die tatsächlichen Kosten wie AfA (Absetzung für Abnutzung), Schuldzinsen, Reparaturkosten und Nebenkosten bis zu 1.000 Euro im Monat absetzbar. Auch bei einer Mietwohnung gilt die Grenze von 1.000 Euro für alle anfallenden Kosten, also Miete, Reinigung und Pflege, Rundfunkbeitrag oder Stellplatzaufwendungen sowie Aufwendungen für den Garten. Nicht dazu zählen Hausrat, Einrichtungsgegenstände oder Arbeitsmittel. Für diese notwendigen und absetzbaren Mehraufwendungen stellt das Finanzamt laut des Schreibens bis zu 5.000 Euro bereit.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.