Wirtschaftlicher Jahresrückblick 2020

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (bmwi) blickt auf das zurückliegende Jahr 2020. Das Resümee fällt besser aus als im Laufe des Jahres prognostiziert.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Das Bruttoinlandsprodukt sei um 5,0 Prozent zurückgegangen, nachdem es in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen war. Damit ist die volkswirtschaftliche Rezession vergleichbar mit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. Dennoch fällt das Minus geringer aus, als es im Jahresverlauf von vielen Experten erwartet wurde. Dies läge neben der Resilienz der deutschen Wirtschaft auch an den umfangreichen Maßnahmen der Bundesregierung zur Stützung der Wirtschaft und zur Stabilisierung der Einkommen. Der historische Einbruch von 9,8 Prozent im zweiten Quartal konnte bis Ende des Jahres überwiegend wieder aufgeholt werden. Im dritten Quartal konnten mit einem Plus von 8,5 Prozent wieder 96 Prozent des Schlussquartals 2019 erreicht werden. Im vierten Quartal lief die Erholung zunächst langsamer und ist vermutlich in Folge des erneuten Lockdowns stagniert. Da dieser primär den Dienstleistungssektor betrifft, zeigt sich ein zweiteiliges Bild. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe und der Industrieproduktion haben weiter zugenommen. Trotz ausstehender Einigungen bezüglich des Brexits verbesserten sich im Dezember die Geschäfts- und Exporterwartungen und auch der Warenhandel legte weiter zu. Auch die Arbeitslosigkeit ist weiter zurückgegangen, allerdings dürfte wieder mehr Kurzarbeit in Anspruch genommen worden sein.

Die Weltkonjunktur erholt sich

Die globale Industrieproduktion wurde im Oktober zum sechsten Monat in Folge um 0,7 Prozent ausgeweitet. Somit hat sie wieder über 99 Prozent ihres Vorjahresniveaus erreicht. Auch der Welthandel hat mit einem weiteren Zuwachs im Oktober um 0,7 Prozent wieder nahezu 99 Prozent des Vorjahresniveaus erreicht. Die Stimmungsindikatoren sprechen allerdings dafür, dass sich der Aufholprozess stark verlangsamen wird. Auch hier zeichnet sich für die Industrie ein deutlich positiveres Bild ab als für Dienstleistungsbranchen.

Der Außenhandel erholt sich weiter

Das Tempo hat im November sogar wieder zugenommen. Saisonbedingt erhöhte sich der Wert nominal um 1,9 Prozent gegenüber dem Vormonat und damit zum siebten Mal in Folge. Im Vergleich Oktober/November mit August/September ergibt sich ein Anstieg um 2,9 Prozent. Auch die Waren- und Dienstleistungseinfuhr nahm im November mit 2,9 Prozent gegenüber dem Vormonat spürbar zu, im Zweimonatsvergleich kam es zu einem Zuwachs von 1,3 Prozent. Das starke Pandemiegeschehen sowie die verstärkten Lockdown-Maßnahmen wichtiger Handelspartner spiegeln sich nur bedingt in den nationalen Frühindikatoren zur Außenwirtschaft wider. Im November hatte sich die ifo Exporterwartung des Verarbeitenden Gewerbes für die kommenden drei Monate spürbar verschlechtert, drehte sich im Dezember allerdings wieder ins Positive. Auch der Aufwärtstrend bei den Auftragseingängen aus dem Ausland setzt sich im November mit 2,9 Prozent im siebten Monat in Folge fort. Die Aussichten des deutschen Außenhandels werden durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gedämpft. Doch es bleibt abzuwarten, wie sich die Maßnahmen, die vorrangig die Dienstleistungen betreffen, auch auf die Industrie auswirken werden.

Industrie vom Lockdown weniger betroffen

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe erhöhte sich im November erneut um 0,9 Prozent. Industrie und Baugewerbe konnten ihre Erzeugung um 1,2 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent ausweiten, während das Energiegewerbe einen Rückgang von 3,9 Prozent verzeichnet. In der Industrie haben der Kfz-Bereich, die EDV- sowie optischen Geräte den größten Wachstumsbeitrag verbucht. Im Zweimonatsvergleich ergibt sich ein Anstieg der Produktion im produzierenden Gewerbe von 5,0 Prozent, in der Industrie von 5,4 Prozent, im Baugewerbe von 3,4 Prozent und im Energiebereich von 4,3 Prozent. Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erholen sich seit Mai kontinuierlich, im November stiegen sie um 2,3 Prozent. Der Zweimonatsvergleich zeigt ein Wachstum von 4,9 Prozent. Die Ordereingänge aus dem Inland erhöhen sich um 5,3 Prozent, aus dem Euroraum um lediglich 0,3 Prozent und aus dem Nicht-Euroraum um 7,5 Prozent. Im November überschritten die Auftragseingänge ihr Niveau vom vierten Quartal 2019 um nahezu 6,5 Prozent.

Der Einzelhandel entwickelt sich unterschiedlich

Ohne Kfz nahmen die Umsätze im November um 1,1 Prozent zu, im Oktober um 2,8 Prozent. Insgesamt hat sich der Umsatz im letzten Jahr laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes um 4,0 Prozent gesteigert. Allerdings ist hier zu sehen, dass die gestiegenen Umsätze insbesondere aus einer kräftigen Zunahme im Internet- und Versandhandel resultieren, während der stationäre Handel, insbesondere mit Bekleidung, unter den Maßnahmen litt. Einschließlich Kfz nahm der Handel im Oktober um 1,1 Prozent zu, nach einem Minus von 0,3 Prozent im September. Das Niveau des vierten Quartals 2019 wurde somit um 6,0 Prozent übertroffen. Im Dezember stieg die Zahl der Neuzulassungen von Pkw durch private Haushalte um 14,5 Prozent, im November um 14,0 Prozent. Saisonbereinigt lag die Zahl der Neuzulassungen durch private Haushalte bei über 135.000 Pkw pro Monat und somit deutlich über den durchschnittlichen Monatswerten aus 2018 und 2019. Ein Grund dafür kann der Vorzieheffekt infolge des niedrigen Umsatzsteuersatzes sein. Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel trüben sich im Dezember weiter ein und auch beim GfK Konsumklima wurde für Januar eine weitere Verschlechterung erwartet, obwohl das aktuelle Infektionsgeschehen und die Fortsetzung und Verschärfung des Lockdowns noch nicht eingeflossen sind. Saisonbedingt zur Weihnachtszeit sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen, nachdem sie im November um 0,8 Prozent gesunken sind. Die Inflationsrate lag im Dezember bei -0,3 Prozent, was nicht zuletzt auf die Umsatzsteuersenkung zurückzuführen ist. Zuletzt im Januar 2015 wurde eine so niedrige Inflationsrate verbucht. Die Preise für Energieprodukte sanken um 6,0 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent und für Dienstleistungen stiegen sie um 1,1 Prozent. Die Kerninflation ging um 0,2 Prozent zurück. Im Jahresdurchschnitt stieg die Inflationsrate um 0,5 Prozent. Eine niedrigere Inflationsrate hatte er zuletzt zur globalen Finanzkrise gegen.

Entwicklungen am Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich stabil. Seit dem Sommer zeigt die Beschäftigung einen leichten Aufwärtstrend und die Arbeitslosigkeit beziehungsweise Unterbeschäftigung verringert sich bei abflachender Kurzarbeit. Der Teil-Lockdown bedingt einen erneuten Anstieg der Kurzarbeit. Sie wurde im Oktober von 2,0 Millionen Beschäftigten in Anspruch genommen, im September von 2,3 Millionen. Im November und Dezember dürfte die Zahl von Kurzarbeitenden wieder gestiegen sein. Im November nahm die saisonbedingte Erwerbstätigkeit um 3.000 Personen leicht ab, nachdem sie in den vorherigen vier Monaten zugenommen hatte. Die Nachfrage am Arbeitsmarkt bleibt zurückhaltend. Im Oktober stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten saisonbedingt um 59.000 Personen. Im Dezember sank die registrierte Arbeitslosenzahl saisonbedingt merklich um 37.000 Menschen. Nach den Ursprungszahlen erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen leicht auf 2,71 Millionen Menschen. Seit dem Sommer hat sich der Vorjahresabstand um fast 160.000 auf 480.000 Personen verringert. Die umfragebasierten Frühindikatoren entwickeln sich im Dezember uneinheitlich.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.