Wie die Bauwirtschaft die Corona-Krise übersteht

Ökonomen des DIW berechnen das Bauvolumen bis 2022. Während der Nichtwohnungsbau einbricht, stützen die öffentliche Hand und der Neubau von Wohnungen.

Bauwirtschaft versus Corona © zhu difeng / stock.adobe.com

In der neuesten Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin haben die Ökonomen Martin Gorning, Claus Michelsen und Lara Pagenhardt die wahrscheinlichen Entwicklungen zwischen 2020 und 2022 errechnet. Das Bauvolumen ist im vergangenen Jahr nominal um vier Prozent auf 444 Milliarden Euro gestiegen, was bedeutet, dass sich die Wachstumsrate im Vorjahresvergleich halbiert hat. Dennoch ist die Branche weitaus weniger krisengeschüttelt als andere. „Die Corona-Pandemie geht zwar auch an der deutschen Bauwirtschaft nicht spurlos vorbei – wir reden aber von einem weniger starken Plus, unter dem Strich also immer noch einem Wachstum“ sagt Michelsen.

Der Neubau von Wohnungen stützt die Branche

Für dieses und kommendes Jahr ist mit einem weiteren Anstieg der Bautätigkeit zu rechnen. Insbesondere weil erheblich in den Neubau von Wohngebäuden investiert wird. Die lediglich sehr kleine Wachstumsdelle konnte erreicht werden, da die Bauunternehmen ihre Arbeit bisher nicht einstellen mussten und Wohnungsbaukredite nach wie vor historisch günstig sind. Auch das entschlossene Eingreifen der Bundesregierung zur Stabilisierung der Haushaltseinkommen könne an dieser Stelle gelobt werden. Zudem lag die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis Oktober 2020 um 3,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der Bauüberhang beträgt rund zweieinhalb Jahre.

Nichtwohnungsbau schrumpft im Jahr 2021

Aber schon die Bautätigkeiten an bestehenden Gebäuden weisen eine weitaus geringere Dynamik auf. Die schlechte wirtschaftliche Lage und die Ungewissheit, kombiniert mit Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen haben viele Immobilienbesitzer dazu veranlasst, nicht dringend notwendige Ausbauarbeiten zu verschieben. Am stärksten wurde allerdings der Nichtwohnungsbau ausgebremst. Nachdem es 2020 nur ein minimales Wachstum von gut einem Prozent gegeben hat, was real bereits ein Rückgang ist, wird in diesem Jahr damit gerechnet, dass der Wirtschaftsbau schrumpft. „Auf Seiten der Unternehmen sorgen Verluste, weniger Eigenkapital und wirtschaftliche Unsicherheit dafür, dass weniger – oder zumindest keine zusätzlichen – Produktionskapazitäten gebraucht werden“, erklärt Pagenhardt.

Öffentlicher Bau wächst am stärksten

Auch wenn an der öffentlichen Hand im vergangenen Jahr viel Kritik geübt wurde, weil Kommunen Investitionen zurückhielten und Bauämter nur spärlich besetzt waren, wächst dieser in diesem Jahr mit nominal 6,9 Prozent voraussichtlich am stärksten. Auch 2022 ist ein Wachstum von fast fünf Prozent absehbar. Noch zeigt das Konjunkturpaket, das auch öffentliche Investitionen vorsieht, wenig bis keine Zugkraft, doch das soll sich ändern. Der Bund will kommunale Steuerausfälle kompensieren und langfristig könnte eine Finanzreform den Städten und Gemeinden mehr Spielraum verschaffen. Auch sei eine Reduzierung der Altschuldenlast für viele überschuldete Kommunen eine große Hilfe. Der Bund könne in Form einer Gemeinschaftsaufgabe zur Stabilisierung der kommunalen Investitionstätigkeit beitragen. „Im Zweifel müssen die Konditionen für die Kommunen noch einmal vorteilhafter gestaltet werden, damit die notwendigen Investitionen in Bildung, Klimaschutz, Infrastruktur und Digitalisierung auf kommunaler Ebene nicht ins Stocken geraten“, so Gornig.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.