Vergaberecht für Anfänger: ein Einstieg

Das Vergaberecht ist sehr komplex: Je nach Auftraggeber oder Größe des Auftrags gelten unterschiedliche Regelungen. Zudem regeln verschiedene Gesetzestexten das Vergaberecht. Um Anfängern den Einstieg in das Vergaberecht zu erleichtern, werden im folgenden Artikel die wichtigsten Aspekte erläutert. Zunächst werden die Grundsätze des Vergaberechts dargestellt, danach wird erklärt, für welche Auftraggeber das Vergaberecht gilt und wann das nationale beziehungsweise das europäische Vergaberecht zum Einsatz kommt. Außerdem gehen wir in unserem Einstieg in das Vergaberecht näher auf die Ursachen und die Wirkung der Vergaberechtsreform 2016 ein. Mit Bezug zur Corona-Krise erklärt der Ratgeber außerdem, wie mit Anpassungen im Vergaberecht die wirtschaftlichen Folgen während der Pandemie eingedämmt werden.

Vergaberecht für Anfänger © Robert Kneschke / stock.adobe.com

Was ist das Vergaberecht?

Aber zuerst muss die Frage beantwortet werden, was das Vergaberecht überhaupt ist: Unter dem Begriff Vergaberecht werden die Verfahrens- und Rechtsschutzregelungen zusammengefasst, welche die öffentliche Hand beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen beziehungsweise der Beschaffung von Bauleistungen beachten muss. Es hat zwei primäre Ziele. Zum einen sollen die Behörden möglichst wirtschaftlich Einkaufen und Steuergelder möglichst sparsam und sachgerecht verwendet werden. Zum anderen öffnet es die Beschaffungsmärkte grenzüberschreitend durch transparente und nichtdiskriminierende Verfahren für alle potentiellen Bewerber.

Grundsätze des Vergaberechts:

Mithilfe des Vergaberechts soll die öffentliche Hand möglichst das wirtschaftlichste Ergebnis erreichen, damit keine Steuergelder verschwendet werden. Auch wird so den Bietern ein fairer Wettbewerb um die Aufträge ermöglicht und Korruption und Günstlingswirtschaft werden abgewehrt. Um das zu ermöglichen ist im Regelfall der erste Schritt die Auftragsbekanntmachung. Das bedeutet, dass der öffentliche Auftraggeber seine Absicht mitteilt einen öffentlichen Auftrag zu vergeben oder eine Rahmenvereinbarung abzuschließen. Darin werden die wichtigen Informationen für potenzielle Bieter genannt. Der gesamte Prozess der Vergabe muss die Grundsätze des Vergaberechts erfüllen, die im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung (GWB) vorgeschrieben sind:

  • Transparenz: Das Verfahren muss transparent nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und der Verhältnismäßigkeit ablaufen. Dies wird such die Veröffentlichung der Ausschreibung und die Dokumentationspflicht des gesamten Verfahrensablaufs gewährleistet.
  • Gleichbehandlung: Alle Bewerber sind gleich zu behandeln. Demnach müssen Informationen immer allen Bewerbern mitgeteilt werden (Informationspflicht).
  • Zuschlagskriterien: Um zu entscheiden, welcher Bewerber den Zuschlag erhält, sind soziale und umweltrelevante Aspekte ebenso zu berücksichtigen wie Aspekte der Qualität und Innovation.
  • Berücksichtigung mittelständischer Interessen: Damit auch kleiner Unternehmen die Chance haben an größeren Vergabeverfahren teilzunehmen, sind gefragte Leistungen als Teillose und nach Fachgebieten (Fachlose) aufzuteilen.
  • Antikorruption: Der Informationsaustausch zwischen Auftraggeber und Unternehmen muss lückenlos mit elektronischen Mitteln erfolgen und dokumentiert werden.

Für wen gilt das Vergaberecht?

Nach § 97 Abs 1. GWB müssen “öffentliche Auftraggeber” Waren, Bau- und Dienstleistungen auf Basis des Vergaberechts beschaffen. Aber der Begriff des “öffentlichen Auftraggebers” ist klärungsbedürftig. In § 99 GWB findet sich eine Legaldefinition dieses Begriffs. In Anlehnung an die Regelungen auf europäischer Ebene ist der Geltungsbereich des Vergaberechts auf folgende Auftraggeber beschränkt:

  • Gebietskörperschaften einschließlich ihrer Sondervermögen
  • Andere juristische Personen des privaten oder öffentlichen Rechts, die zu dem Zweck gegründet wurden, Aufgaben nichtgewerblicher Art zu erfüllen, die im Allgemeininteresse liegen
  • Verbände, auf deren Mitglieder einer der ersten beiden Punkte zutrifft
  • Sektorenauftraggeber, also Auftraggeber auf dem Gebiet der Trinkwasser- und Energieversorgung, des Verkehrs und der Telekommunikation
  • Auftraggeber, die Tiefbaumaßnahmen ausführen, die nichtkommerziellen Zwecken diesen und mit öffentlichen Mittel gefördert werden. So soll die sogenannte Drittvergabe mit einbezogen werden

Doch auch wenn dieser Paragraf reich an komplexen Worten ist, kann die Lösung im Zweifelsfall nicht in ihm gefunden werden, sondern muss sich auf durch die Rechtsprechung entwickelte Kriterien stützen. Danach fallen neben den klassischen öffentlichen Auftraggebern, wie Bund, Länder und Gemeinden auch solche unter den Begriff, die funktional Aufgaben der öffentlichen Hand wahrnehmen. Damit wird ausgeschlossen, dass eine Kommune eine private GmbH gründet und auf diese einzelne Aufgaben ausgegliedert, um dem Vergaberecht zu entgehen.

Wann sind private Unternehmen an das Vergaberecht gebunden?

Grundsätzlich gilt, dass nur öffentliche Unternehmen an das Vergaberecht gebunden sind. Ob ein Unternehmen öffentlich ist kann Anhand des Art. 1 IX der Vergabekoordinierungsrichtlinien (2004/18/EWG) bewertet werden. Dieser enthält im Anhang III ein “Verzeichnis der Einrichtungen des öffentlichen Rechts und der Kategorien von Einrichtungen des öffentlichen Rechts”. Danach gilt jedes Rechtssubjekt als “öffentliche Einrichtung”, das

  • zu dem besonderen Zweck gegründet wurde, im Allgemeininteresse liegende Aufgaben nichtgewerblicher Art zu erfüllen,
  • eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt und
  • von staatlichen Stellen überwiegend beherrscht und finanziert wird.

Erfüllt eine Einrichtung diese Kriterien, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein öffentlicher Auftraggeber im Sinne von § 98 GWB. Da die Ziele der Wirtschaftlichkeit und Öffnung der Beschaffungsmärkte als sehr unterstützenswert angesehen werden, legen die Gerichte den Begriff eher weit aus, sodass das Vergaberecht künftig von immer mehr Einrichtungen zu beachten sein wird.

Darüber hinaus gilt das Vergaberecht für Konzessionäre, also Unternehmen, die mit einem öffentlichen Auftraggeber einen Vertrag über eine Bauleistung abschließt, bei der statt der üblichen Vergütung ein Recht auf Nutzung des Gebäudes gewährt wird. Will dieser nun seinerseits die Bauleistung an Dritte weitergeben, so muss er diese ausschreiben.

Wann gilt nationales Vergaberecht und wann europäisches Vergaberecht?

Das europäische Vergaberecht gilt nur für Aufträge, deren wirtschaftliches Volumen bestimmte Schwellenwerte erreicht oder überschreitet, da man davon ausgeht, dass Aufträge mit geringerem Volumen für den grenzüberschreitenden Handel uninteressant sind. Unterhalb der Schwellenwerte gilt das nationale Vergaberecht. Hier gibt es allerdings auch wieder Unterschiede je nach Bundesland. Genaueres zu den EU-Schwellenwerten finden Sie im Glossar.

Abhängig davon, ob der Auftragswert oberhalb oder unterhalb der Schwellenwerte liegt, kommen verschiedene Verfahrensarten zum Einsatz, die den spezifischen Merkmalen des Projekts Rechnung tragen sollen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich einer ein- oder zweistufigen Struktur, dem Vorgehen zur Bestimmung des Bieterkreises und des Ablaufs des Verfahrens.

Vergabe unterhalb der EU-Schwellenwerte: Nationales Vergaberecht

In Deutschland war das Vergaberecht traditionell als Teil des Haushaltsrechts geregelt, mit dem Ziel, bei der Beschaffung die ökonomischste Verwendung von Haushaltsmitteln zu sichern und somit den öffentlichen Haushalt zu schützen.

Das Nationale Vergaberecht gilt, wenn die EU-Schwellenwerte nicht erreicht werden. Dann sind die haushaltsspezifischen Vorschriften des Bundes, der jeweiligen Bundesländer und Kommunen anzuwenden - das sogenannte “Haushaltsvergaberecht”. Das Haushaltsrecht verweist auf den ersten Abschnitt der VOB/A beziehungsweise in den meisten Ländern auf die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Die einzigen Bundesländer, in denen die UVgO noch nicht eingeführt ist, sind Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Niedersachsen. Die UVgO kann erst eingeführt werden, wenn die Verwaltungsvorschrift zum öffentlichen Auftragswesen neugefasst wurde. Bis dahin gilt der erste Abschnitt des A-Teils der VOL (Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen).

Die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungsaufträge richtet sich nach der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO). Diese folgt strukturell der neuen Vergabeverordnung (VgV) und dem zeitlichen Ablauf des Vergabeverfahrens.
Die Vergabe von Bauleistungen richtet sich nach der VOB/A. Auch diese folgt dem zeitlichen Ablauf des Vergabeverfahrens.

Die B-Teile, also die VOB/B und die VOL/B, regeln die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Leistungen. Sie sind als Allgemeine Geschäftsbedingungen zu qualifizieren und können durch Besondere Vertragsbedingungen, Zusätzliche Vertragsbedingungen oder Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen ergänzt werden. Sie sind ebenfalls dem zeitlichen Ablauf der Vertragsausführung nachgebildet und gelten sowohl für Aufträge unterhalb als auch für solche oberhalb der Schwellenwerte. Auch die VOB/C, die die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) enthält, gilt unterhalb und oberhalb der Schwellenwerte.

Je nach Bundesland können weitere spezifische Anforderungen zu beachten sein. Diese ergeben sich etwa aus Mittelstandsförderungs- oder Landesvergabegesetzen. Derzeit existieren in nahezu allen Bundesländern sogenannte Mittelstandsförderungsgesetzte beziehungsweise Tariftreue- und Vergabegesetze.

Es gibt vier verschiedene Verfahrensarten im Unterschwellenbereich. Nach Abschnitt 1 VOB/A gilt grundsätzlich der Vorrang der öffentlichen Ausschreibung. Dabei veröffentlicht der Auftraggeber eine Auftragsbekanntmachung und jedes Unternehmen kann ein Angebot abgeben. Wenn das Auftragsvolumen einen bestimmten Wert nicht überschreitet können öffentliche Auftraggeber auch beschränkt ausschreiben. Dabei gibt es die Möglichkeit einer beschränkten Ausschreibung mit oder ohne Teilnahmewettbewerb. Die beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb ist zulässig, wenn die geforderte Leistung aufgrund ihrer Eigenart nur von einem beschränkten Kreis an Unternehmen auf geforderte Weise ausgeführt werden kann, oder wenn die Bearbeitung des Angebots einen außergewöhnlich hohen Aufwand erfordert. Die beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahewettbewerb darf nur in bestimmten Fällen und Wertgrenzen angewendet werden, zum Beispiel, wenn die Leistung eine besondere Dringlichkeit oder Geheimhaltung erfordert oder wenn eine öffentliche Ausschreibung zuvor kein annehmbares Ergebnis erzielt hat. Bei der freihändigen Vergabe oder Verhandlungsvergabe erfolgt die Vergabe von Aufträgen ohne förmliches Verfahren. Eine freihändige Vergabe erfolgt, wenn eine öffentliche oder beschränkte Ausschreibung unzweckmäßig ist, ein bestimmter Auftragswert nicht überschritten wird oder nur ein Unternehmen für die Leistung in Frage kommt.

Vergabe oberhalb der EU-Schwellenwerte: Europäisches Vergaberecht

Das Europäische Vergaberecht hat zum Ziel, die Interessen der in einem Mitgliedstaat niedergelassenen Unternehmen zu stützen, die den in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen öffentlichen Auftraggebern Waren oder Bau- und Dienstleistungen anbieten möchten. Auf diese Weise wird ausgeschlossen, dass einheimische Bieter bevorzugt werden oder sich der öffentliche Auftraggeber von anderen als wirtschaftlichen Überlegungen leiten lässt. Primäres Ziel ist es, die nationalen Beschaffungsmärkte dem grenzüberschreitenden Wettbewerb innerhalb der EU zu öffnen.
Die wesentlichen Vorgaben zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen und von Konzessionen oberhalb der EU-Schwellenwerte sind im 4. Teil des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung (GWB) geregelt. Kapitel 1 enthält allgemeine Vorschriften zum Ablauf des Vergabeverfahrens. Mit den in Kapitel 2 geregelten Nachprüfungsverfahren können nicht berücksichtigte Bieter die Auftragsvergabe überprüfen lassen. Während im 4. Teil des GWB allgemeinen Regelungen genannt werden, konkretisiert die Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (Vergabeverordnung - VgV) die Regelungen für das Vergabeverfahren. Die VgV legt unter anderem Fest, welche Verfahrensart gewählt werde darf und enthält deren genauen Ablauf.

Bei der Vergabe von Bauleistungen ist die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) anzuwenden. Sie ist in drei Teile unterteilt: VOB/A, VOB/B und VOB/C. Die VOB/A enthält die eigentlichen Vergaberegeln, also die Regelung bis zur Zuschlagserteilung oder der Aufhebung des Vergabeverfahrens. Sie ist wiederum in zwei Teile geteilt, deren zweiter Teil, die VOB/A-EU, die Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte regelt. Die VOB/B enthält die Regeln nach Zuschlagserteilung, also die allgemeinen Vertragsregeln. In der VOB/C finden sich die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV), die auch als DIN-Normen herausgegeben werden.

Bei der Vergabe von Aufträgen im Sektorenbereich, also von Auftraggeber, die Aufträge im Verkehr, der Trinkwasser- oder Energieversorgung vergeben, müssen neben dem Vierten Teil der GWB auch die Sektorenverordnung (SektVO) beachtet werden. Der Aufbau entspricht im Groben dem Aufbau der VgV, ist allerdings an die Besonderheiten des Sektorenbereichs angepasst.

Die Vergabe von Bau- und Dienstleistungen durch Konzessionsgeber ist in der Verordnung über die Vergabe von Konzessionen (KonzVgV) geregelt. Konzessionen sind in der Regel langfristige und komplexe Vereinbarungen, bei denen der Konzessionsnehmer Verantwortlichkeiten und Risiken übernimmt, die normalerweise in die Zuständigkeit des Konzessionsgeber fallen.

Die Vergabe von verteidigungs- und sicherheitsrelevanter Leistungen wird in der Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit (VSVgV) geregelt, die den branchenspezifischen Besonderheiten Rechnung trägt

Das offene oder das nicht offene Verfahren sind die Verfahrensarten im Oberschwellenbereich, die in den meisten Fällen Anwendung finden. Beim offenen Verfahren fordert der Auftraggeber eine unbeschränkte Zahl von Unternehmen zur Abgabe von Angeboten auf. Beim nicht offenen Verfahren wählt der öffentliche Auftraggeber nach einer vorherigen öffentlichen Aufforderung zur Teilnahme eine beschränkte Anzahl von Unternehmen aus, die er zur Angebotsabgabe auffordert. Nach § 110 Abs. 2 GWB sind offenes und nicht offenes Verfahren gleichrangig zu behandeln. Dadurch wird den Grundsätzen der Transparenz und des Wettbewerbs Rechnung getragen.

Die übrigen Verfahrensarten sind zulässig, wenn die jeweiligen Zulassungsvoraussetzungen nach § 17 ff. VgV erfüllt sind. Verhandlungsverfahren mit oder ohne Teilnahmewettbewerb lassen Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen mit den Unternehmen zu. Da bei Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb keine europaweite Ausschreibung erforderlich ist, ist diese Verfahrensart nur in besonders restriktiv auszulegenden Ausnahmefällen zulässig. Mit Teilnahmewettbewerb kommt das Verhandlungsverfahren bei konzeptionellen oder innovativen Lösungen in Betracht oder wenn der Auftrag aufgrund seiner Eigenart vorherige Vorhandlungen erfordert. Der wettbewerbliche Dialog räumt dem Auftraggeber noch mehr Spielraum bei den Verhandlungen mit dem Bieter ein. Bei der
Innovationspartnerschaft verhandelt der Auftraggeber im Anschluss an den Teilnahmewettbewerb in mehreren Phasen mit den ausgewählten Unternehmen über Erst- und Folgeangebote.

Sonderfall Open-House-Vergabe

Neben den bereits erwähnten Verfahrensarten kann sich der öffentliche Auftraggeber auch für ein Open-House-Verfahren entscheiden. Dabei tritt der Auftraggeber keine Entscheidung zwischen den verschiedenen Angeboten und gewährt jedem interessierten Unternehmen ein Beitrittsrecht während der Vertragslaufzeit. Bei einem solchen reinen Zulassungsverfahren besteht keine Gefahr von Bevorzugung, deswegen tritt das Vergaberecht nicht in Kraft. Dieses Verfahren findet vor allem bei Arzneimittel-Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Pharmazieunternehmen Anwendung.

Die Vergaberechtsreform 2016

Im Jahr 2015 hat der europäische Gesetzgeber mit dem Paket zur Modernisierung des europäischen Vergaberechts ein vollständig überarbeitetes Regelwerk für die Vergabe öffentlicher Aufträge und Konzessionen vorgelegt. Dieses besteht aus der Richtlinie über die öffentliche Auftragsvergabe (Richtlinie 2014/24/EU), der Richtlinie über die Vergabe von Aufträgen in den Bereichen Wasser-, Energie- und Verkehrsversorgung sowie Postdienste (Sektoren) (Richtlinie 2014/25/EU) und der Richtlinie über die Vergabe von Konzessionen (Richtlinie 2014/23/EU).

Mit der Umsetzung der EU-Vergaberichtlinien hatte das Bundeswirtschaftsministerium zum Ziel ein anwenderfreundliches und modernes Vergaberecht zu schaffen, das rechtssichere Vergabe im Wettbewerb und die wirtschaftliche Verwendung öffentlicher Haushaltsmittel ermöglicht. Zudem sollte die vorher sehr komplexe Struktur des Vergaberechts vereinfacht werden. Zum 18. April 2016 wurden die Richtlinien in das deutsche Recht umgesetzt. Der vierte bis sechste Teil des GWB wurden neu gefasst und die VgV ist in Kraft getreten. Diese konkretisiert die Bestimmungen über das einzuhaltende Verfahren bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und der Ausrichtung von Wettbewerben durch den öffentlichen Auftraggeber. Damit wurde das Verfahren zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen oberhalb der EU-Schwellenwerte reformiert, Aktuell haben wir bereits gute Inhalte entfernt, etwas, was man per se nicht anrät, um in der Sichtbarkeit / im Ranking zu steigen. Die Chance, dass wir im Ranking fallen, ist somit relativ hoch. und vereinfacht. Die Vergabeverordnung (VgV), die Sektorenverordnung (SektVO), die Verordnung über die Vergabe in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit (VSVgV) und die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/A) regeln die Einzelheiten des Vergabeverfahrens. Das Vergabeverfahren für Liefer- und Dienstleistungen sowie für freiberufliche Leistungen wurde in der VgV zusammengeführt. Die Vergabevorschriften zur Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen und die Vorschrift zu Wettbewerben (Auslobungsverfahren) im Bereich der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens wurden als neuer Abschnitt in der VgV geregelt.

Durch die Vergaberechtsreform erhalten Auftraggebern bei der Beschaffung mehr Möglichkeit zur Durchsetzung politischer Ziele. Diese müssen allerdings in Verbindung mit dem Auftragsgegenstand stehen. Insbesondere sind rechtliche Verpflichtungen in wirtschaftlichen, innovationsbezogenen, umweltbezogenen, sozial- und beschäftigungspolitischen Belangen betroffen. Details darüber, was sich im Rahmen der Vergaberechtsreform 2016 geändert hat, können Sie in unserem Glossar unter “Vergaberechtsreform 2016” nachlesen.

Vergaberechtliche Regelungen während der Corona-Krise

Zur schnelleren Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) verbindliche Handlungsrichtlinien für die Vergabe öffentlicher Aufträge veröffentlicht. Diese gelten zwischen dem 14. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2021 (Stand: 03.03.2021). Die Handlungsrichtlinien umfassen insbesondere drei Erleichterungen für die Behörden:

  • Liefer- und Dienstleistungen bis zu einer Wertgrenze von 100.000 Euro ohne Umsatzsteuer können mit einem vereinfachten und schnelleren Verfahren vergeben werden, dabei wird der Fokus auf Verhandlungsvergaben ohne Teilnahmewettbewerb gelegt. Bei Bauaufträgen liegt diese Grenze bei 1 Millionen Euro ohne Umsatzsteuer.
  • Die Werte für den Direktkauf, sprich dem Einkauf ohne vorheriges Vergabeverfahren, wurden hochgesetzt. Bei Waren und Dienstleistungen von 1.000 auf 3.000 Euro ohne Umsatzsteuer, bei Bauleistungen von 3.000 auf 5.000 Euro ohne Umsatzsteuer.
  • Die Fristen für die Einreichung von Angeboten und Teilnahmeanträgen können leicht verkürzt werden.

Um sicher zu stellen, dass Transparenz und Wettbewerb nicht gefährdet werden und weiterhin zu wirtschaftlichen Preisen eingekauft wird, sind öffentliche Auftraggeber dazu verpflichtet, ab einem geschätzten Auftragswert von 25.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) über die beabsichtigten Aufträge im Internet zu informieren.

Auch auf EU-Ebene wurde ein Leitfaden veröffentlicht, der es ermöglicht in der Ausnahmesituation innerhalb von wenigen Tagen oder sogar Stunden zu beschaffen.

Weitere Informationsquellen zum Vergaberecht contrastwerkstatt

Vergaberecht für Anfänger: weitere Informationsquellen

Das Vergaberecht wirkt auf den ersten Blick kompliziert, sodass Anfänger zunächst vor den verschiedenen Regelungen und Verfahrensarten zurückschrecken. Mit ibau haben Sie bei öffentlichen Ausschreibungen einen kompetenten Partner an der Seite, der Ihnen bei privaten und öffentlichen Vergaben mit Tat und Rat zur Seite steht. Sie möchten mehr über das Vergaberecht erfahren? Einsteiger und Fortgeschrittene finden in unserem Glossar eine hilfreiche Unterstützung, wenn es um die verschiedenen Begrifflichkeiten geht. Außerdem unterstützen wir Sie im Vergabeverfahren bei der Suche nach dem richtigen Auftraggeber und erklären Ihnen, wie Sie erfolgreich an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.