Umweltsünde Beton

Beton ist ein praktischer, vielseitig nutzbarer und vielseitig genutzter Stoff – doch seine CO2-Bilanz ist katastrophal und Verbesserung ist zurzeit nicht in Sicht.

Umweltsünde Beton © aon168 / stock.adobe.com

Beton ist nach Wasser die industriell am zweitmeisten genutzte Substanz. Das wundert nicht, wenn man die Vorteile des Materials betrachtet: Es ist relativ günstig, es ist geradezu unnachgiebig und lässt sich in beinahe jede beliebige Form gießen. Zudem besteht Beton nicht aus fossilen Brennstoffen und schwimmt auch nicht in unseren Ozeanen herum. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Beton eine katastrophale CO2-Bilanz aufweist. Die Zementherstellung ist für vier bis acht Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen verantwortlich, und wäre die Zementindustrie ein Land, läge sie bei den CO2-Emissionen hinter China und den USA auf dritter Stelle. Gut die Hälfte dieser immensen Mengen des Treibhausgases entstehen beim Brennen, denn für jedes produzierte Molekül Kalziumoxid tritt ein Molekül Kohlendioxid aus. Zudem entsteht die Energie für das Heizen überwiegend aus fossilen Brennstoffen. Insgesamt fällt für jede Tonne Zement eine Tonne CO2 an. Noch schockierender wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass die weltweite Jahresproduktion in den letzten 30 Jahren von 1 Milliarden Tonnen auf 4 Milliarden Tonnen angestiegen ist. Hingegen wurden in den letzten 60 Jahren nur etwa 8 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Auch wenn Plastik eine sehr viel geringere Dichte hat und somit eine Tonne Plastik sehr viel mehr Raum einnimmt als eine Tonne Zement, zeigt dieser Vergleich, wie groß das Problem der Zementindustrie ist, auch wenn es sehr viel weniger thematisiert wird. Die Branche wäre in der Lage, im Alleingang die Ziele des Klimaabkommens von Paris zu kippen oder zumindest stark zu gefährden.

Keine Besserung in Sicht

Um die CO2-Emission zu senken, gibt es mehrere Ansätze. Einer davon ist es, alternative, zementähnliche Mischungen zu nutzen, die deutlich geringere Emissionen haben und aus Nebenprodukten anderer Industrien produziert werden, beispielweise aus der Schlacke der Stahlproduktion oder Flugasche aus Kohlefeuerungen. Bisher werden diese Produkte allerdings nur in der Forschung eingesetzt, in Großprojekten sind sie noch nicht zum Einsatz gekommen. Ein weiterer Ansatz ist es, Zement zu recyclen, denn bisher landet Beton-Bauschutt auf Deponien. Doch dafür müssten Beton-Teile so gekennzeichnet werden, dass ihre Zusammensetzung nach Abriss eines Gebäudes rekonstruiert werden kann – und das ist zurzeit noch illusorisch.

Abonnieren Sie den ibau Newsletter und verpassen Sie nichts mehr

Ich möchte regelmäßig über Inhalte, Services und Produkte der ibau GmbH per E-Mail informiert werden. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. Nach Bestätigung Ihrer E-Mail Adresse erhalten Sie zukünftig unseren ibau Newsletter zu den von Ihnen ausgewählten Themengebieten. Näheres erläutert der Datenschutzhinweis.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.