Treibstoff aus Abfällen

Forscher aus Augsburg arbeiten an Treibstoffalternativen aus land- und forstwirtschaftlichen Abfällen. Sie arbeiten mithilfe eines Programms zur Kosten-Nutzen-Abwägung.

Treibstoff aus Abfällen © Africa Studio / stock.adobe.com

Schon lange wird an umweltfreundlichen Alternativen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen geforscht. Besonders interessant sind beispielsweise umweltfreundliche Baumaterialien, Dämmschäume oder Treibstoffe. Seit viereinhalb Jahren forscht das EU-Projekt REHAB unter Beteiligung der Universität Augsburg an Alternativen aus Abfällen aus Land- und Forstwirtschaft. 16 Partner aus 7 EU-Ländern waren daran beteiligt, solche Produkte hinsichtlich ihres ökonomischen und ökologischen Potentials zu untersuchen.

Auch grüne Alternativen haben negative Auswirkungen auf die Umwelt

„Wir haben unter anderem untersucht, wo in der EU derartige Reststoffe in welcher Menge anfallen und welche Konsequenzen ihre Nutzung hätte“, erklärt Lars Wietschel. Der Wirtschaftsingenieur promoviert an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Production & Supply Chain Management von Prof. Dr. Axel Tuma. Der Ersatz herkömmlicher Materialien durch grüne Alternativen hat Konsequenzen in unterschiedlichen ökologischen Bereichen - wir sprechen auch von Wirkungs- und Schadenskategorien“, sagt er. „Wenn man versucht, in einer dieser Kategorien ein optimales Ergebnis zu erzielen – etwa möglichst wenig Treibhausgase auszustoßen – dann läuft man Gefahr, sich an anderen Stellen unerwünschte Nebenwirkungen einzukaufen.“ Ein Beispiel dafür, dass die Ökobilanz einzelner Alternativen nicht so gut ist, wie sie im ersten Moment scheinen mag, ist der Gebrauch von Biotreibstoff aus Energiepflanzen wie Raps. Diese senken zwar die Verbrennung klimaschädlicher Treibstoffe, haben aber auch zur Folge, dass mehr Ackerland benötigt wird, das somit nicht mehr für die Agrarproduktion verfügbar ist. Deswegen stiegen die Agrar-Importe aus Ländern wie Brasilien, wo die Landwirtschaft die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet zur Folge hat. Reststoffe wie Stroh oder Holzabfälle konkurrieren nicht mit der Nahrungsmittelproduktion“, erklärt Wietschel. „Sie gelten daher als umweltverträgliche Ausgangsstoffe für Biotreibstoffe der zweiten Generation. Dennoch bringt auch ihre Nutzung Nachteile mit sich.“ Nach einer Maisernte lassen Bauern die Stoppeln beispielsweise bewusst stehen, um die Nährstoff- und Humusbilanz im Boden aufrecht zu erhalten. Würden diese Pflanzenreste für Biokraftstoffe verwendet, würde die Bodenqualität sinken und die Landwirte müssten mehr düngen.

Das Programm ermöglicht Abwägungen zwischen verschiedenen Zielen

„Das ist nur eine von vielen Wirkbeziehungen, die zu bedenken sind“, erklärt Dr. Andrea Thorenz, die an der Universität Augsburg das „Resource Lab“ leitet. „Wir suchen nach Sweet Spots, an denen wir uns möglichst große Vorteile in einem Bereich durch möglichst geringe Nachteile in einem anderen Bereich erkaufen.“ Mithilfe einen Computerprogramms bilden die Forscher Wechselbeziehungen algorithmisch ab und können so sichtbar machen, wie sich die Optimierung eines Parameters auf einen anderen Parameter auswirkt. Thorenz erklärt, dass die Priorisierung allerdings Aufgabe der Politik bleibe. Mithilfe der Forschungsergebnisse können diese jedoch informiert getroffen werden. Prof. Dr. Axel Tuma erklärt, dass die Herangehensweise mehr als das Problem der Biotreibstoffe in Angriff nehme. „Sie lässt sich als eine Art Blaupause verstehen, wie man Entscheidungsprozesse transparenter machen kann, die eine Abwägung zwischen verschiedenen Zielen erfordern.“ Das Team hat auch die ökonomischen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen, damit nachhaltige Alternativen preislich konkurrenzfähig sind. Hilfreich sind dabei Steuererleichterungen umweltfreundlicher Alternativen oder eine CO2-Steuer. Auch der technologische Fortschritt werde auf Dauer zu günstigeren Preisen beitragen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.