Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe: Erneut keine Einigung bei strittigen Themen

Die Lohn- und Gehaltsverhandlungen für die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wurden erneut vertagt. Sie sollen am 22. September 2021 fortgesetzt werden.

 

Tarifverhandlungen im Bau: Handschlag steht noch immer aus © PFP Group / stock.adobe.com

Bei den Tarifverhandlungen, die Ende September weitergeführt werden, gibt es teilweise große Differenzen. Strittig sind vor allem die Themen Einkommen und Wegezeitenentschädigung. Nach wie vor bekommen viele Mitarbeiter im Bauhauptgewerbe die Wegzeiten zu den Baustellen nicht bezahlt.

Die Interessen der Arbeitnehmer werden durch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) vertreten. Gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) wollen sie eine Einigung finden. Doch da die Vorstellungen der beiden Tarifparteien weit auseinander gehen, ist dies kein leichtes Unterfangen.

Eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist bisher nicht in Sicht

“Die Gewerkschaftsseite hat dazu Vorschläge vorgelegt, die widersprüchlich und in der betrieblichen Umsetzung bürokratisch wären, ohne auf Lösungsvorschläge der Arbeitgeber auch nur einzugehen”, beanstandet ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz als Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Auch die zusätzlichen Forderungen der Arbeitnehmervertretung auf ein Gesamtkostenvolumen von 20 bis 30 Prozent sieht er kritisch. Die IG Bau ist da anderer Meinung: “Die Arbeitgeber*innen im Bauhauptgewerbe haben heute eine große Chance vertan, wir hätten uns auf ein großes Zukunftspaket einigen können, das beiden Partnern nützt", erklären IG Bau-Bundesvorsitzender Robert Feiger und IG Bau-Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt am Schluss der Tarifverhandlungen. Auf dem Tisch lagen ein Einigungsvorschlag unter anderem zu den Themen Mindestlohnstruktur, Mindesturlaubsvergütung und Erschwerniszuschläge.

Streitpunkt sind die Themen Einkommen und Wegezeitenentschädigung

Die IG Bau fordert, dass das Einkommen der Arbeitnehmer um 5,3 Prozent erhöht werden soll. Darüber hinaus sollen die Ost-Gehälter an den Westen angeglichen werden. Auch bei den Wegezeiten gibt es Diskussionsbedarf. Ein Beschäftigter auf dem Bau ist durchschnittlich 54 Minuten unterwegs, ehe er die Baustelle erreicht, so eine Studie des Pestel-Instituts im Auftrag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Diese Zeiten werden derzeit nicht bezahlt. Hinzu kommt, dass sie auf den Einsatzort keinen Einfluss haben. Die IG Bau legte deshalb einen Einigungsvorschlag zu den Themen Mindestlohn, Mindesturlaub und Erschwerniszuschläge vor. Diesen Vorschlag lehnte die Arbeitgeberseite ab und verlangte Kürzungen, was wiederum von Arbeitnehmervertretern nicht akzeptiert wurde.

Aus Tarifverhandlungen wurde ein Tarifstreit

Nun wird Ende September weiter verhandelt. "Jetzt müssen sich die Bauunternehmen bewegen, immer nur nein sagen ist keine Lösung. Wenn alles nichts hilft, dann geht es in die Schlichtung und eventuell in den Arbeitskampf. Wir wissen, unsere Beschäftigten verlieren langsam die Geduld", so Feiger und Burckhardt abschließend. Die strittigen Themen würden auch das Europarecht betreffen und müssten irgendwann sowie wieder diskutiert werden. Dann könne es sehr teuer werden. Sie hoffen, dass sich die Bauunternehmen in der nächsten Verhandlungsrunde kompromissbereiter zeigen.

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