Tarifverhandlungen für den Bau vorzeitig abgebrochen

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Bauwirtschaft wurden am 21. Juni vorzeitig abgebrochen. Die Arbeitnehmerseite sieht einen sich anbahnenden Arbeitskampf.

Tarifverhandlung am bau abgebrochen © alfa

Eigentlich war die Verhandlung in Mainz auf zwei Tage angelegt, doch die Arbeitgeberseite hat sie am frühen Nachmittag des ersten Tages beendet. “Das gab es noch nie, dass die Arbeitgeberseite so unvorbereitet in die Gespräche gegangen ist", sagt Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und Führer der Verhandlungskommission. „Keine der von uns gestellten Fragen wurde auch nur ansatzweise beantwortet.“ „Nachdem wir bereits in der ersten Verhandlungsrunde unsere Kompromissbereitschaft signalisiert haben, haben wir heute nochmals unser Interesse an einer Lösung bekundet. Leider hat die Gewerkschaft immer wieder von der eigentlichen Diskussion der Entgeltfrage abgelenkt und stattdessen die bereits in den Spitzengesprächen diskutierten Fragen zur Wegstreckenentschädigung zum Gegenstand der Verhandlungen machen wollen“, erklärt Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) den Abbruch der Verhandlungen.

"Sie wollen lediglich die Verhandlungen in die Länge ziehen mit dem Hintergedanken, dass es solange auch keine Tariferhöhungen gibt."


2020 war ein Rekordjahr für den Bau und die IG Bau forderte als Reaktion darauf 5,3 Prozent mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung. Zudem sollen künftig die langen Fahrten zu den Baustellen entschädigt werden und das Ost-Einkommen an das Niveau im Westen Deutschlands angeglichen werden. Die Arbeitgeber boten ein entgeltwirksames Gesamtvolumen von drei Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwei Jahren. Die Arbeitgeberseite sieht das Angebot als ein „Zeichen“, man habe Interesse an einem zügigen Abschluss ohne Schlichtung. Die IG Bau bezeichnet es hingegen als „absolut unzureichend“, denn es werde der „Leistung unserer Beschäftigten nicht gerecht“. Zu einer Entschädigung der Wegezeiten hätten sich die Bauunternehmer überhaupt nicht geäußert. "Lediglich bei einer Angleichung der Gehälter in Ost und West haben die Arbeitgeber eingesehen, dass es dafür eine Lösung geben muss", sagte Burckhardt. Für Burckhardt ist eindeutig, dass der neu angebote Verhandlungstermin im August nur einen Zweck haben kann: "Sie wollen lediglich die Verhandlungen in die Länge ziehen mit dem Hintergedanken, dass es solange auch keine Tariferhöhungen gibt." Die Arbeitgeberseite erklärt den Abbruch hingegen damit, dass die Gewerkschaft wieder über die Wegezeitenentschädigung diskutieren wollte. Das Thema sei nach der letzten Tarifrunde allerdings in moderierten Spitzengesprächen unter dem Schlichter Rainer Schlegel erörtert worden und ein entsprechendes Abschlusspapier liege den Gremien zur Beratung vor.

"Wenn alles nichts hilft, dann steht am Schluss der Arbeitskampf.”


Die Arbeitgeberseite hat eine Fortführung der Tarifverhandlungen im August angeboten. "Natürlich sind wir zu weiteren Gesprächen bereit, unsere Tür stand und steht immer noch offen. Aber wir haben keine Lust mehr auf Treffen, auf die der viel bemühte Spruch 'außer Spesen nichts gewesen' anzuwenden ist. Da haben wir allesamt sicherlich besseres zu tun", sagen der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, sowie Burckhardt. Wenn es zu einem neuen Treffen kommen solle, wollen Feiger und Burckhardt ganz konkret über die Themen Tariferhöhung, Ost-West-Angleich, Wegezeitenentschädigung, Mindestlohnstruktur, Mindesturlaubsvergütung und Erschwerniszuschläge sprechen. "Wenn die Arbeitgeber sich klar dazu bekennen, sich mit uns über diese Agenda ernsthaft und zielorientiert zu unterhalten, dann sind wir gerne zu Gesprächen bereit, das können dann auch mehrere Termine mit einem klaren zeitlichen Fahrplan sein. Wir fordern die Bau-Arbeitgeber auf, entsprechende Angebote auf den Tisch zu legen", sagt die Gewerkschaftsspitze. Wenn die Arbeitgeberseite nicht auf dieses Angebot eingehen möchte, würden die nächsten Schritte wie die Anrufung der Schlichtung folgen. "Wenn alles nichts hilft, dann steht am Schluss der Arbeitskampf. Die Stimmung dafür ist bei den Kolleginnen und Kollegen schon vorhanden", sagen Feiger und Burckhardt.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.