Tarifrunde Bau: Höhere Löhne trotz Krise?

Der erste Verhandlungstag zu den Tarifverträgen in der Baubranche liegt hinter uns und die Wegezeitenentschädigung wird wieder zum Konfliktpunkt.

Tarifrunde Bau © Bits and Splits / stock.adobe.com

Am 11. Mai fand das erste Treffen zur Verhandlung der Tarifverträge für die Bauwirtschaft statt. Die Gewerkschaft fordert für die rund 890.000 Beschäftigten 5,3 Prozent mehr Lohn. „Zudem soll das Modell für die Entschädigung der Wegezeiten, also der langen, meist unbezahlten Fahrten zur Baustelle, weiterentwickelt werden“, teilte die Arbeitnehmerseite im April mit.

Arbeitnehmerseite fordert erneut eine Wegezeitenentschädigung

Egal, ob bei täglichen Fahrten oder beim wöchentlichen Weg zur Montage: Die An- und Rückfahrt zählt nicht zur Arbeitszeit, stattdessen bekommen die Beschäftigten eine Pauschale von 0,5 Prozent des Gehalts, bei einem Facharbeiter sind das in etwa 20 Euro im Monat. „Angesichts der vielen Stunden, die die Beschäftigten im Auto verbringen, ist das viel zu wenig“, sagt IG-Bau Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) pendeln Deutsche durchschnittlich 16,91 Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle, laut einer repräsentativen Studie im Auftrag der IG Bau fahren Beschäftigte der Baubranche durchschnittlich 64 Kilometer zur Baustelle und nach der Arbeit den gleichen Weg wieder zurück. Burckhardt erklärt, dass dies die Konsequenz einer Entwicklung sei, die schon vor vielen Jahren begonnen habe: „In den 1960er- und 1970er-Jahren hatten die Arbeiter kurze Wege zu den Baustellen, es gab viele lokale, kleine Bauunternehmer. Doch das hat sich längst geändert: Inzwischen werden sie durch ganze Bundesgebiete geschickt.“ Als Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite fordert er einen deutlich höheren Ausgleich, entweder in Form von Zeit oder Geld. Schon im vergangenen Jahr stellt die Wegezeitenentschädigung den hauptsächlichen Konfliktpunkt dar und es musste ein Schlichter gerufen werden.

Welche Auswirkungen sollte die Krise auf die Tarifverhandlungen am Bau haben?

Die Tarifrunde im Bau steht in diesem Jahr im Schatten der Corona-Pandemie. In den Tarifrunden anderer Branchen ging es in den vergangenen Monaten meist um die Pandemie und die Firmen, denen sie das Geschäft zerstört hat. Auch die Arbeitgeberseite der Baubranche verweist auf die zu erwartenden schwache Wachstumszahlen in diesem und dem kommenden Jahr, insbesondere hervorgerufen durch die Knappheit an Baumaterialien wie Holz, Kunststoff und Stahl. Zudem verhalte sich die Privatwirtschaft zögerlicher. Laut statistischem Bundesamt verzeichnete die Branche 2020 allerdings einen Rekordumsatz und konnte sich so über das achte Jahr in Folge mit steigenden Erlösen freuen. Angesichts dessen fordert die IG Bau neben der Wegezeiten-Entschädigung ein Lohnplus von 5,3 Prozent. Die Gewerkschaft betont, dass von der allgemeinen Krise im Bausektor nichts zu spüren sei. „Da ist es nur recht und billig, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auch ein Plus auf ihrem Lohnzettel sehen“, betonte Burckhardt im April. Die Arbeitgeberseite habe der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ein Angebot vorgelegt, das ein „entgeltwirksamen Gesamtvolumen“ von drei Prozent vorsehe. Damit „wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir an einem zügigen Abschluss ohne Schlichtung interessiert sind“, sagt Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Die Verhandlungen werden am 21. Juni fortgesetzt.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.