Steht China kurz vor einem Immobilien- und Bankenschock?

Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande ist eine der größten Privatfirmen des Landes. Nun droht ihm der Bankrott. Experten befürchten, dass dies einen Immobilien- und Bankenschock auslösen könnte. 

Chinas Immobilienmogul steht vor dem Bankrott © Sfio Cracho / stock.adobe.com

In China sind Immobilien eine wichtige Anlageform und Altersvorsorge. Auch deshalb explodierten in den vergangenen Jahren die Immobilienpreise geradezu. In den letzten Jahrzehnten gab es einen fast ununterbrochenen Immobilienboom. Der Immobilienkonzern Evergrande konnte seinen Umsatz schnell in die Höhe treiben, auch mit Hilfe von kreditfinanzierten Landkäufen und Hausverkäufen zu niedrigeren Margen. Doch nun könnte dieses Wachstum auf Pump für den Konzern zum Verhängnis werden. Da die chinesische Regierung eine Spekulationsblase im Immobiliensektor befürchtete, ergriff sie Maßnahmen wie Mietpreisbremsen, um bezahlbaren Wohnraum in den Millionenstädten zu schaffen. Wohnungen verlieren deswegen ihre Bedeutung als Investitionsobjekt. Infolgedessen kann Evergrande viele neu gebaute Wohnungen nicht mehr verkaufen und kämpft mit Liquiditätsengpässen. Das Unternehmen kann einige Zulieferer und teilweise die Gehälter der Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, sowie manche Kredite nicht mehr bedienen. In China arbeiten rund 200.000 Menschen für Evergrande. Die geplanten Zahlungsstopps bei Krediten an zwei Gläubigerbanken führten dazu, dass einige Anleger ihre Aktien und Anleihen des Immobilienriesen aus ihren Depots warfen. Zu groß war die Sorge vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit und einem Zusammenbruch des Konzerns. Anleihen und Aktien des Unternehmens verloren daraufhin drastisch an Wert. Die Aktien von Evergrande sind in den vergangenen zwölf Monaten um rund 75 Prozent eingebrochen. Medienberichten zufolge soll Evergrande Schulden von rund 250 Milliarden Euro angehäuft haben.

Die Ratingagentur Fitch stufte bereits ihre Bonitätsbewertung für den Konzern und zwei seiner Tochtergesellschaften herunter. Es drohen Zahlungsausfälle, so Fitch. „Die Herabstufung spiegelt unsere Ansicht wider, dass ein Ausfall in irgendeiner Form wahrscheinlich erscheint“, begründeten die Fachleute von Fitch den Schritt. „Wir glauben, dass das Kreditrisiko angesichts knapper Liquidität, rückläufiger Vertragsverkäufe, des Drucks verspäteter Zahlungen an Lieferanten und Auftragnehmer und begrenzter Fortschritte bei der Veräußerung von Vermögenswerten hoch ist.“ Investoren fürchten bei einem Zusammenbruch von Evergrande negative Auswirkungen für das chinesische Bankensystem. Insgesamt soll der Immobilienkonzern Schulden in Höhe von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar angehäuft haben. Das entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung von Finnland.

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