Städte müssen den Kampf gegen den Klimawandel bestreiten

Im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Städte, die ein partielles oder vollständiges Verbot fossiler Brennstoffe durchgesetzt haben, verfünffacht – sie ist dennoch zu gering.

Städte müssen den Kampf gegen den Klimawandel bestreiten © peterschreiber.media / stock.adobe.com

Oft hatte man im vergangenen Jahr den Eindruck, dass umweltpolitische Ziele und Sorgen aufgrund der Pandemie in den Hintergrund gerückt sind. Zuvor sind mehrere Millionen junge Menschen wöchentlich auf die Straßen gegangen und haben dafür gekämpft, dass politische Entscheider ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen. In Zeiten von Corona wird dieser Aufschrei zwar im Internet fortgeführt, dennoch ist er weniger präsent. Wie die 2021er Ausgabe des „Renewables in Cities Global Status Report“ von REN21 zeigt, hat sich trotz Corona eine Menge getan. Vielleicht liegt das daran, dass der Lockdown und der stark reduzierte Verkehr vielen Menschen erst vor Augen geführt hat, wie entspannend Ruhe sein kann und wie schön ein sauberer Himmel ist. Das globale Netzwerk REN21 ist im Bereich erneuerbare Energie tätig und bringt Beteiligte aus Wissenschaft, Regierung, zwischenstaatlichen Organisationen, NGOs und Industrie zusammen. Es liefert die weltweit einzige Bestandsaufnahme der Energiewende-Bemühungen von Städten. 2021 hat REN21 zum zweiten Mal ermittelt, wie viele Städte weltweit erneuerbare Energien nutzen, um Emissionen zu bekämpfen und damit Luftverschmutzung und Klimawandel zu bekämpfen.

„Wir sind noch weit davon entfernt, was nötig wäre, den Klimawandel rechtzeitig einzudämmen“

"Städte sind aufgrund ihres großen Einfluss unsere beste Chance, eine erneuerbare Zukunft zu planen, zu entwickeln und aufzubauen. Aber allzu häufig wird ihr Transformationspotenzial nur unzureichend ausgeschöpft ", sagt Rana Adib, Executive Director von REN21. "Es ist ein echte Herausforderung, CO2-arme Bestrebungen in dicht besiedelten Agglomerationen zu realisieren. Die nationalen Regierungen müssen Geld, Kapazitäten und vor allem gesetzliche Befugnisse in die Hände der lokalen Behörden legen." Dem Bericht zufolge ist die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien für den kommunalen Eigenbedarf oft der erste Schritt städtischer Entscheidungsträger. Doch REN21 mahnt, dass die schnellstmögliche Substitution fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien im Wärmesektor von Gebäuden sowie im Verkehr für den Erfolg städtischer Klimastrategien entscheidend sei, da diese Sektoren für den größten Teil der globalen Emissionen verantwortlich seien und am besten auf lokaler Ebene angegangen würden. "Städte wie Hamburg, San Francisco und Shanghai zeigen: Je ambitionierter eine Stadt ist, desto umfassender integriert sie erneuerbare Energie in allen Aktivitäten: Sie schreiben strenge Bauvorschriften und Verpflichtungen für erneuerbare Energien vor. Aber am wichtigsten ist, dass sie ein Zeitpunkt für das Ende für die Nutzung von Gas, Öl und Kohle festlegen." 2020 haben 43 Städte Verbote für fossile Brennstoffe im Wärme- und Verkehrssektor erlassen, fünfmal so viele wie 2019. Damit leben etwa eine Milliarden Menschen, also circa ein Viertel der urbanen Bevölkerung in Städten, die aktiv an der Integration erneuerbarer Energien arbeiten. "Aber so beeindruckend diese Beispiele auch sind", sagt Adib, "wir sind noch weit davon entfernt, was nötig wäre, den Klimawandel rechtzeitig einzudämmen."

Der Einsatz erneuerbarer Energien ist nicht nur für die Emissionsminderung gut

Deutsche Städte nehmen eine Vorreiterrolle ein beim Einsatz erneuerbarer Energien – dennoch darf sich Deutschland nicht auf die faule Haut legen. Von den 1.300 Städte weltweit, die Ziele oder Richtlinien für erneuerbare Energien haben, sind 140 deutsche Städte, also etwa 11 Prozent. 12 davon haben sogar ein Null-Emissionen-Ziel, davon gibt es nur etwa 800 weltweit. Auch sind von den 1.852 Städte, die den Klimanotstand ausgerufen haben, 104 deutsch – 2019 waren es 98. Durch den Klimanotstand wird dem Klimaschutz eine höhere Priorität zugeordnet und Maßnahmenpakete, wie etwa zur Emissionsreduktion, können schneller umgesetzt werden. In Deutschland geht der Trend dahin, dass auf Neubauten Solarthermie- oder Photovoltaik-Anlagen verbaut werde müssen. Das politische Engagement auf nationaler und regionaler Ebene, ausgedrückt beispielsweise durch Förderprogramme, leitet einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung erneuerbarer Energien. Der Bericht zeigt zudem, dass durch die umweltfreundlichen Maßnahmen nicht nur Emissionsminderungen hervorgerufen werden, sondern auch neue Arbeitsplätze, eine höhere Lebensqualität und eine bessere Gesundheitssituation geschaffen werden.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.