Neue Körperschaftssteuer: Welche Chance bietet sie Handwerksbetrieben?

Ab dem Wirtschaftsjahr 2022 können auch als oHG oder KG organisierte Handwerksbetriebe Körperschaftsteuer bezahlen. Möglich macht dies das neue Körperschaftsgesetz. 

Körperschaftssteuer © Sabine-Naumann

Die neue Gesetzgebung ist für alle Handwerker von Interesse, die ihr Unternehmen als Personenhandelsgesellschaft betreiben. Das können beispielsweise eine Kommanditgesellschaft (KG) oder eine offene Handelsgesellschaft (oHG) sein. Das neue Gesetz soll diesen Betrieben eine rechtsformneutrale Besteuerung mit der Körperschaftssteuer ermöglichen. Voraussetzung ist aber, dass die Betriebe mehr Geld verdienen, als sie aus der Gesellschaft entnehmen.

Aktuell ist es so, dass das deutsche Steuerrecht Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften wie GmbHs oder AGs nach unterschiedlichen Prinzipien behandelt. Personenhandelsgesellschaften werden grundsätzlich transparent besteuert. Deren Einkommen wird für Einkommensteuerzwecke unmittelbar den Gesellschaftern zugerechnet und bei diesen mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert, also mit bis zu 45 Prozent. Dies gilt unabhängig davon, ob sie den Gewinn tatsächlich aus der Gesellschaft entnehmen oder nicht.

Bei Kapitalgesellschaften wiederum gilt das Trennungsprinzip. Hier muss die Kapitalgesellschaft Körperschaft- und Gewerbesteuer auf ihren Gewinn bezahlen, in der Regel etwa 30 Prozent. Den Gewinn müssen die Gesellschafter der Kapitalgesellschaft nur mit der Einkommensteuer versteuern, wenn die Kapitalgesellschaft diese Gewinne tatsächlich an sie ausschüttet. Gesellschaften, die nicht oder nicht voll ausschütten, haben deshalb einen Liquiditätsvorteil. Diese liquiden Mittel können sie beispielsweise reinvestieren. Das neue Gesetz versucht, eine Art rechtsformneutrale Besteuerung herzustellen, weil nun auch eine Personengesellschaft wie eine Kapitalgesellschaft besteuert werden kann, ohne tatsächlich die Rechtsform zu wechseln.

Welche Vorteile bietet die neue Option der Körperschaftsteuer?

Aus dem neuen Gesetz können sich unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile für Unternehmen ergeben. So können thesaurierende Gesellschaften, die also Gewinne im Unternehmen belassen und nicht alles entnehmen möchten, von einem Liquiditätsvorteil profitieren. Ein weiterer Pluspunkt: Leistungsbeziehungen zwischen der Gesellschaft und dem Gesellschafter werden grundsätzlich voll steuerlich anerkannt. Der Gesellschafter kann sich zum Beispiel ein Geschäftsführergehalt ausbezahlen, das dann bei der Gesellschaft als Betriebsausgabe den Gewinn mindert und das er dann als Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit versteuert.

Das heißt im Umkehrschluss, dass die Option nur dann wirklich Sinn macht, wenn ein Unternehmen nicht sämtliche Gewinne ausschüttet, sondern diese im Unternehmen belässt. Besonders vorteilhaft ist sie für Personenhandelsgesellschaften, die noch nicht den Schritt eines echten Formwechsels gehen wollen, aber ohne Rechtsformwechsel bereits so besteuert werden möchten wie eine Kapitalgesellschaft.

Auch kleinere Betriebe profitieren

Da keine größentechnischen Voraussetzungen bestehen, ist die Umstellung auch für kleinere Betriebe denkbar. Gerade für kleinere Personengesellschaften kann diese Option interessant sein. Sie können zur Körperschaftsbesteuerung wechseln, ohne die bisher damit verbundenen Notar- und Registerkosten für eine echte Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft (zum Beispiel GmbH) tragen zu müssen sowie die damit verbundenen formalen Schritte in Kauf zu nehmen.

Wenn sich Betriebe für die neue Option entscheiden, müssen sie ein paar formelle Umstellungen vornehmen. Die Besteuerung der Gesellschaft und ihrer Gesellschafter erfolgt dann nämlich grundsätzlich nach den Regeln für Kapitalgesellschaften und deren Gesellschafter. Das beinhaltet zum Beispiel, dass jährlich Körperschaftsteuererklärungen für die Gesellschaft abgegeben werden müssen. Darüber hinaus müssen Unternehmen, die sich für diese Option entscheiden, für angestellte Gesellschafter-Geschäftsführer Lohnsteuer einbehalten und diese auch anmelden. Sobald es Ausschüttungen gibt, sind zudem Kapitalertragsteuern anzumelden und Kapitalertragsteuer abzuführen. Eines sollte keinesfalls vergessen werden: Vorab müssen sämtliche Verträge zwischen den Gesellschaftern und der Personengesellschaft daraufhin überprüft werden, ob sie wie zwischen fremden Dritten ausgestaltet sind. Andernfalls könnte es zu sogenannten verdeckten Gewinnausschüttungen kommen. Bei der Option zur Körperschaftssteuer handelt es sich zwar um ein rein steuerliches Wahlrecht, dennoch sollten Unternehmen im Vorfeld ihren Gesellschaftsvertrag umfassend überprüfen. Ein besonderes Augenmerk sollten sie auf die Regelungen zu den Gesellschafterkonten und den Entnahmen der Gesellschafter legen. Gegebenenfalls ist eine Anpassung des Gesellschaftsvertrages von Vorteil.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Spätestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres, für das die Option gelten soll, muss ein unwiderruflicher Antrag beim zuständigen Finanzamt gestellt werden. Dies ist nur möglich, wenn im Vorfeld alle Gesellschafter zugestimmt haben. Bei kalendergleichem Wirtschaftsjahr muss der Antrag also spätestens bis zum 30. November erfolgt sein, damit die Option dann ab dem 1. Januar gilt. Bei der Umstellung ist noch ein weiterer Punkt zu beachten: Es ist von Vorteil, wenn die Umstellung steuerneutral erfolgt, das heißt zu Buchwerten. Diesbezüglich muss ein weiterer Antrag gestellt werden, der sogenannte Buchwertantrag. Steuerneutralität ist bei rein inländischen Konstellationen meistens möglich, jedoch im Einzelfall zu prüfen.

Sonderbetriebsvermögen

Beim sogenannten Sonderbetriebsvermögen ist ein Buchwertantrag, also Steuerneutralität, nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Beim Sonderbetriebsvermögen handelt es sich um für die Gesellschaft wesentliche Wirtschaftsgüter, etwa Grundstücke, die dem Gesellschafter gehören. Diese hat er etwa bisher der Gesellschaft vermietet. In dieser Konstellation ist ein Buchwertantrag nur möglich, wenn diese Wirtschaftsgüter auf die Gesellschaft übertragen werden. Das heißt, die wesentlichen Voraussetzungen für eine Steuerneutralität bei Ausübung der Option entsprechen dem eines echten Formwechsels einer Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft.

Gibt es auch Nachteile?

Allgemein lässt sich sagen, dass es sich hier um eine sehr neue gesetzliche Regelung handelt, mit der es bislang keinerlei Erfahrungswerte gibt. Dies sorgt generell für eine gewisse Rechtsunsicherheit. Zudem ist es empfehlenswert, im Vorfeld eine Belastungsrechnung anhand der individuellen Verhältnisse und der Rahmenbedingen durchzuspielen. Von Steuerneutralität auf dem Weg in die Körperschaftsbesteuerung kann nur dann ausgegangen werden, wenn innerhalb von sieben Jahren keine Anteilsübertragungen oder bestimmte Umstrukturierungen erfolgen. Ansonsten kann es nämlich zu einer Nachbesteuerung stiller Reserven kommen – und das möchte kein Unternehmen. Es gibt noch einen weiteren kritischen Punkt: Anders als bei einem echten Formwechsel in eine GmbH gibt es keine zivilrechtliche Haftungsabschirmung. Zivilrechtlich bleibt es bei einer Personenhandelsgesellschaft. Bei einer oHG etwa haften die Gesellschafter auch unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen.

Von Nachteil ist die neue Option auch dann, wenn eine Gesellschaft über gewerbesteuerliche Verlustvorträge verfügt. Diese gehen durch die Option nämlich unter und sind nicht mehr nutzbar, d.h. können künftig nicht mehr mit späteren Gewinnen der Gesellschaft verrechnet werden, um Steuern zu sparen. Grundsätzlich können nach dem Trennungsprinzip Verluste der Gesellschaft nicht mehr unmittelbar mit sonstigen positiven Einkünften der Gesellschafter für Einkommenssteuerzwecke verrechnet werden.

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Iris Jansen

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