Lohnfortzahlung wenn der Arbeitgeber Quarantäne anordnet?

Ein Arbeitgeber schickt seinen Arbeitnehmer ohne behördliche Anordnung zum Schutz der anderen nach dem Urlaub im Risikogebiet in Quarantäne. Muss er den Lohn fortzahlen?

Urteil: Arbeitnehmer kommt in Quarantäne, muss der Arbeitgeber zahlen? © Stockwerk Fotodesign / stock.adobe.com

Ein Ehepaar, beide waren beim selben Arbeitgeber tätig, verbrachte einen Kurzurlaub in Tirol. Während ihres Aufenthaltes stufte das RKI Österreich als Corona-Risikogebiet ein. Nach der Rückkehr wollte der Mann wieder zur Arbeit gehen, doch der Arbeitgeber fordert daraufhin, dass er 14 Tage lang unbezahlt der Arbeit fortbleiben solle, obwohl keine offizielle Aufforderung des Gesundheitsamtes vorlag. Der Arbeitnehmer verklagte den Arbeitgeber. Nach seiner Meinung stand ihm der Lohn für 62,5 Stunden zu.

Das Urteil

Er machte geltend, dass Tirol zu Reisebeginn noch nicht als Risikogebiet eingestuft war und er in einer Ferienwohnung mit Selbstversorgung einem niedrigen persönlichen Risiko ausgesetzt war. Der Arbeitgeber setzte dem entgegen, dass er keine andere Möglichkeit gesehen habe, die anderen Beschäftigten ausreichend zu schützen. Zudem habe der Arbeitnehmer grob fahrlässig gehandelt, da das Risiko einer Reise nach Österreich bekannt gewesen sei. Das Arbeitsgericht Dortmund entschied, dass die Quarantäneanordnung zulässig gewesen sei. Da der Arbeitsausfall in diesem Fall allerdings zum betrieblichen Risiko gehöre, bestand Anspruch auf Lohnfortzahlung. "Beschließt nämlich ein Arbeitgeber aus eigenem Antrieb, seinen Betrieb zu schließen oder einen oder mehrere Arbeitnehmer zum Schutz der sonstigen Belegschaft in 'Quarantäne' zu schicken, trägt er nach den Grundsätzen der Betriebsrisikolehre das Vergütungsrisiko. Dies gilt (…) selbst dann, wenn die Störung – wie im Fall des Coronavirus SARS-CoV-2 – nicht aus einer vom Arbeitgeber beeinflussbaren Gefahrensphäre stammt." Michael Wittig, Fachanwalt für Arbeitsrecht, weist allerdings darauf hin, dass diese Frage im Einzelfall überprüft werden müsse. "Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn eine Quarantäne behördlich vorgeschrieben oder der Arbeitnehmer wissentlich in ein Risikogebiet gefahren wäre.“ Deswegen sollten sich Unternehmen in einem solchen Fall arbeitsrechtliche Beratung suchen. Der Arbeitgeber hat beim Landesarbeitsgericht in Hamm Berufung eingelegt, sodass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 10 Sa 53/21 geführt.

Abonnieren Sie den ibau Newsletter und verpassen Sie nichts mehr

Ihre Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihre Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätigen Sie noch Ihre E-Mail Adresse über unsere Bestätigungs-E-Mail, damit wir Ihnen zukünftig Informationen per E-Mail zusenden können.

Ich möchte regelmäßig über Inhalte, Services und Produkte der ibau GmbH per E-Mail informiert werden. Diese Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. Nach Bestätigung Ihrer E-Mail Adresse erhalten Sie zukünftig unseren ibau Newsletter zu den von Ihnen ausgewählten Themengebieten. Näheres erläutert der Datenschutzhinweis.


Abschließender Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.