Leitfaden für nachhaltige Textilbeschaffung veröffentlicht

Bis 2020 sollten die Bundesbehörden die Hälfte ihrer Textilien nachhaltig beschaffen. Anfang 2021 hat die Bundesregierung den entsprechenden Leitfaden veröffentlicht. 

Leitfaden zur Textilbeschaffung © Ivan Kurmyshov / stock.adobe.com

Deutschland gehört mit rund neun Prozent der globalen Bekleidungsimporte zu den wichtigsten Nachfragemärkten weltweit. Rund 90 Prozent der Textilien werden allerdings in Asien und Afrika hergestellt, wo vielerorts prekäre Arbeitsbedingungen herrschen und giftige Chemikalien eingesetzt werden. Textilien, die unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt wurden und oft auch zu geringerer Qualität, haben den Vorteil, dass sie viel billiger sind als Textilien, bei deren Produktion auf die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards geachtet wird. Um diese Standards zu fördern, hat die Bundesregierung 2015 in ihrem Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit das Ziel definiert, bis 2020 die Hälfte der von den Bundesbehörden benötigten Textilien nach sozialen und ökologischen Kriterien zu beschaffen. Doch dieses Ziel wurde weit verfehlt. Zur praktischen Umsetzung sollte ein Leitfaden mit Stufenplan bereitgestellt werden. Der „Leitfaden für eine nachhaltige Textilbeschaffung der Bundesverwaltung“, der Handlungsanleitungen für eine sozial verantwortliche und ökologische Beschaffung von Arbeitskleidung, Wäsche und Bettware gibt, wurde im Januar 2021 veröffentlicht – der Stufenplan lässt weiterhin auf sich warten. „Bis 2020 wollte die Bundesregierung bereits die Hälfte der Textilien fair und nachhaltig beschaffen. Das Ziel ist klar verfehlt. Erst jetzt kommt der Leitfaden. Die Bundesministerien konnten sich nach über fünf Jahren nicht auf einen konkreten Stufenplan einigen, sodass die Maßnahmen nicht strukturiert und nachprüfbar umzusetzen sind“, sagt Christian Wimberger, Referent für Unternehmensverantwortung bei der Christlichen Initiative Romero (CIR). Die Grünen haben bei der Regierung einmal nachgehakt und zur Antwort bekommen, dass der Entwurf für den Stufenplan aktuell überarbeitet und dann in der Bundesregierung abgestimmt werde. „Nur mit einer konsequenten nachhaltigen Beschaffung kann die Bundesregierung ihre Vorbildfunktion gegenüber Unternehmen erfüllen. Der Staat sollte Anreize zur Einhaltung der Sorgfaltspflichten in der Lieferkette geben und zugleich zeigen, dass eine nachhaltige Beschaffung möglich ist“, sagt Claudia Brück, Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins TransFair (Fairtrade Deutschland).

Ein erster Schritt in die richtige Richtung

Doch auch, wenn der Leitfaden viel zu spät kommt, ist er schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Entwicklungsminister Gerd Müller erklärt, dass der neue Leitfaden ein eindeutiges Signal an Unternehmen sende: „Nachhaltigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil!“ Und mit einem Beschaffungsvolumen von 500 Milliarden Euro können und werden Bund, Länder und Kommunen in Deutschland einen gewaltigen Hebel umlegen. Öffentliche Beschaffungsstellen haben einen hohen Bedarf an textilen Produkten aller Art, besonders in den der Kategorien Bekleidungstextilien und Wäsche, Bettware und Bettwäsche und Matratzen. Auf diese Kategorien konzentriert sich auch der neue Leitfaden und unterstützt beim nachhaltigen Einkauf. Er enthält wesentliche Definitionen und Informationen zur Einbeziehung von ökologischen und sozialen Anforderungen hinsichtlich Faserproduktion und der Herstellung. Aspekte, die auf den Transport, die Verpackung und die End-of-Life-Phase eingehen, sollen zwar in der Beschaffung berücksichtigt werden, sind allerdings nicht im Leitfaden adressiert. Mit dem Leitfaden wird sich dem Ziel der 100-prozentig nachhaltigen Beschaffung bis 2030 genähert – ob dieses auch erreicht wird, wird sich noch zeigen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.