Ist das Photovoltaik-Fördersystem ein Flop?

Die Förderprogramme für Photovoltaik-Anlagen unterstützen den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms. Doch ist dies die ökologisch sinnvolle Variante?

 

Ist das Photovoltaik-Fördersystem ein Flop? © ogressie / stock.adobe.com

Mit einer Photovoltaik-Anlage werden Privatpersonen unabhängiger von der Energieversorgung und steigenden Strompreisen und leisten einen Beitrag zur Energiewende. Deswegen gibt es verschiedene Förderprogramme für Photovoltaik-Anlagen. Zudem wird die Errichtung von Batteriespeichersystemen in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen gefördert.

EEG-Förderung

Im Jahr 2000 wurde das „Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien“ (EEG) verabschiedet. Indem die Neu- und Weiterentwicklung von Stromerzeugungstechnologien aus erneuerbaren Energien gefördert werden, sollten volkswirtschaftliche Kosten durch Energieimporte gesenkt und der Klimaschutz vorangetrieben werden. Im Rahmen der EEG wird unter anderem die Erzeugung von Solarstrom durch eine auf 20 Jahre festgelegte Vergütung für die Einspeisung in das öffentliche Stromnetz gefördert. Die Höhe der Einspeisungsvergütung hängt dabei vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme, der Größe der Anlage (je kleiner, desto mehr) sowie vom Typen (Freifläche oder Gebäude) ab. Der Vergütungssatz bleibt für 20 Jahre konstant. Da die Einspeisungsvergütung sinkt sind früher aktivierte Anlagen rentabler. Zudem wird der Selbstverbrauch für Anlagen auf Gebäuden unterstützt. Es gibt es schon seit der Einführung Kritik an der hohen Steuerbelastung des Steuerzahlers durch die festgeschriebene Einspeisungsvergütung für 20 Jahre. Deswegen fand in den vergangenen Jahren eine schrittweise Absenkung der Fördersätze statt. Unter anderem wurde mit der EEG-Novelle 2016 eine Deckelung der Fördersätze beschlossen, das bedeutet, dass die Fördersätze, je nachdem wie viele neue zu fördernde Projekte hinzu kommen, unterschiedlich schnell zurückgehen können.

KfW-Förderung

Die deutsche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) fördert die Errichtung und Erweiterung von Photovoltaik-Anlagen im Rahmen des Programms „Erneuerbare Energien – Standard“ (Programmnummer 270) sowie Batteriespeicher-Systeme in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen (Programmnummer 275). Kredite ab 1,03 Prozent effektivem Jahreszins werden bis zu einer Höhe von 50 Mio. Euro pro Vorhaben und bis zu 100 Prozent der Investitionskosten ausgezahlt. Sie sind innerhalb von 12 Monaten nach Zusage abrufbar und können entweder in Summe oder in Teilbeiträgen abgerufen werden. Die Kombination mit anderen öffentlichen Fördermitteln, wie Krediten, Zulagen und Zuschüssen ist möglich. Für Anlagen zur Stromerzeugung ist die gleichzeitige Inanspruchnahme einer staatlichen Förderung in Gestalt einer Einspeisungsvergütung, zum Beispiel nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz oder dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, möglich.

Was lohnt sich mehr: Eigenverbrauch oder Einspeisung ins öffentliche Netz

Da die Stunden, in denen man den meisten Strom braucht nicht zwangsläufig mit denen übereinstimmen, in denen die Sonne scheint, eröffnen sich dem Produzenten zwei Optionen: Entweder er speist den übrig gebliebenen Strom in das öffentliche Stromnetz ein, oder er speichert den Strom in einem Batteriespeicher und kann ihn so auch noch später nutzen. Wie bereits gesehen, unterstützen die Förderprogramme eher den Eigenverbrauch. Der Produzent soll auch als Konsument auftreten, insgesamt also als Prosumer. Generell gilt die Faustregel, dass der Eigenverbrauch wirtschaftlich Sinn ergibt, sobald die Strompreise höher sind als die erhaltene Einspeisungsvergütung. Wegen der stark gesunkenen Einspeisungsvergütung sollte finanziell gesehen also meistens der Eigenverbrauch der bevorzugte Weg sein.

Ist Eigenverbrauch auch die ökologisch sinnvollere Lösung?

Mit den Förderprogrammen werden eindeutig Anreize gesetzt, den Strom selbst zu verbrauchen. Das wird meistens damit begründet, dass dadurch die Netze entlastet würden. Der Kauf von Batteriespeichern wird somit als Klimaschutzmaßnahme und generellen Beitrag zur Energiewende dargestellt. Prof. Dr. Andreas Luczak, Professor für Regenerative Energie an der Fachhochschule Kiel, bezeichnet das Argument als nicht stichhaltig: „Wenn mein Nachbar sein Elektroauto lädt, ist es für das Netz besser, wenn ich meinen überschüssigen Solarstrom ins Netz einspeise, anstatt damit meine Photovoltaik-Batterie aufzuladen. Im Niederspannungsnetz ist vor allem die Verringerung der Gleichzeitigkeit von Lasten entscheidend, speziell im Zuge der Verbreitung von Elektromobilität und Wärmepumpen.“ Luczak erklärt im pv-magazin, dass ein Batteriespeicher nur dann die Emission verringern, wenn sie eine Abregelung, also eine Reduzierung der Einspeiseleistung von Erzeugungsanlagen, verhindere. Zu Abregelungen komme es aufgrund der noch unzureichenden Übertragungskapazitäten aber praktisch nur bei Windstrom. Aktuell würde der Speicherverlust durch die Batteriespeicher sogar zu einem Anstieg der Emissionen beitragen. Dazu kämen noch die bei der Herstellung der Speicher entstandenen Emissionen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.