ibau Sentiment Analyse | Oktober 2020:
Wie ist der Sommer verlaufen und was lässt sich für 2021 ableiten?

Zu Jahresbeginn hätte es wahrscheinlich niemand für möglich gehalten, dass das gesamte Jahr von einem Virus geprägt sein wird. Aber wie sehr hatte das Corona-Virus die Baubranche nun wirklich im Griff und wie stark werden die Auswirkungen im nächsten Jahr zu spüren sein?

1| Zusammenfassung

Die im März vermuteten Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen sind nicht erwartungsgemäß eingetroffen.

  • Gewerbliche Projekte: erwartete Tendenzen von 69,9%, Ist-Wert von 51,4%
  • Öffentliche Projekte: erwartete Tendenzen von 55,5%, Ist-Wert von 48,6%
  • Wohnungsbaubereich: erwartete Tendenzen von 41,8%, Ist-Wert von 50,7%
  • Auffällig ist, dass gewerbliche Projekte weniger Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen erfahren haben als erwartet, Projekte im Wohnungsbau hingegen mehr.

Die Prognosen für die Zukunft zeigen, dass …

  • ein zweiter Lockdown nicht erwartet wird.
  • ein Großteil der Befragten glaubt, lokal angelegte Beschränkungen lassen das Auftragsvolumen nachhaltig sinken (43,8%).
  • ebenfalls ein Großteil der Befragten glaubt, dass eine Anpassung der Baubranche stattgefunden hat und keine nachhaltigen Umsatzeinbrüche eintreten (44,5%).
  • bezogen auf die Entwicklung gewerblicher, öffentlicher sowie Projekten im Wohnungsbau ähnliche Erwartungen wie im März vorherrschen.

Insgesamt zeigen sich polarisierende Einschätzungen von entweder eher positiver oder eher negativer zukünftiger Erwartungen zu etwa gleichen Teilen.

Ungefähr drei Viertel aller Befragten haben vorsorgliche Maßnahmen in ihrer Organisation für 2021 getroffen. Hier geht es vor allem um den vermehrten Einsatz digitaler Möglichkeiten. Darüber hinaus hält knapp ein Fünftel Unterstützung der Industrie für besonders wichtig.

2| Die Stimmungslage

Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen

Dass es zu möglichen Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen kommen wird, war spätestens im April ein Stück weit vorhersehbar. Aufgrund der sehr guten Auftragslage in weiten Teilen der Baubranche stellte sich die Situation für viele im März jedoch noch nicht so dramatisch dar, dass man mit signifikanten Ausfällen oder Verzögerungen hätte rechnen müssen. Dementsprechend schätzten die Optimisten mit 42 Prozent der Befragten die Lage positiv ein. Im Gegensatz dazu erwarteten 55,7 Prozent der Befragten eine negative Entwicklung. Insgesamt haben sich die gegensätzlichen Aussagen zur zukünftigen Entwicklung also in etwa die Waage gehalten.

In welchen Projektkategorien haben Sie im März mit Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen gerechnet?

Am eindeutigsten waren die negativen Erwartungen für den Gewerbebau. Hier sind gut zwei Drittel der Befragten der Meinung gewesen, dass es zu deutlichen Zurückstellungstendenzen kommen wird (69,9%). Angesichts der Tatsache, dass der Lockdown unmittelbar bevorstand, überrascht diese Einschätzung nicht. Denn damit einhergehend war zu erwarten, dass es in vielen Branchen zu gravierenden wirtschaftlichen Einschnitten kommen würde. So lag auch die Vermutung nah, dass dies Entscheider veranlassen würde, bei geplanten Investitionen bis auf weiteres Zurückhaltung zu üben.

Vor dem Hintergrund des seit Jahren wachsenden und nicht annähernd zufriedenstellenden Wohnraumbedarfs überrascht auch das Umfrageergebnis zum Wohnungsbau nicht. Mit knapp 42 Prozent wurden hier die geringsten Bedenken hinsichtlich einer Reduktion der Bautätigkeit geäußert.

Hinsichtlich der Projekte der öffentlichen Hand gab es bei ungefähr 55 Prozent der Befragten die nicht ganz unberechtigte Befürchtung, dass diese durch mangelnde Liquidität ins Stocken geraten. Die zu erwartenden Steuerausfälle und zu diesem Zeitpunkt noch nicht konkretisierten Aussagen zu einem Konjunkturpaket des Bundes unterstützen diese Erwartung.

Seit dem die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen durch das Corona-Virus spürbar wurden, ist etwas mehr als ein halbes Jahr vergangen. Es scheint, dass sich auch die Baubranche an die veränderten Bedingungen angepasst und gelernt hat mit der neuen Situation zu leben. Inwiefern haben sich dementsprechend die damaligen, zuvor beschriebenen, Einschätzungen bewahrheitet?

Die Antworten ergeben ein relativ indifferentes Bild: Zwar haben sich die Befragten mehrheitlich in ihrer Annahme bestätigt gefühlt – allerdings nur mit schwachen Mehrheiten. So haben 57 Prozent derjenigen die Zurückstellungs- oder Rücktrittstendenzen erwartet haben geäußert, dass dies auch so eingetroffen ist. Gleichzeitig finden sich 56 Prozent derjenigen, die nicht mit Zurückstellungen oder Rücktritten gerechnet haben, in ihrer Annahme bestätigt.

Die jeweils gegensätzlichen Erwartungshaltungen sind nicht signifikant niedriger. So gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie solche Tendenzen erwartet haben, diese aber nicht eingetroffen sind. 44 Prozent der Befragten äußerten, dass sie keine Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen erwartet haben, diese aber wider ihrer Erwartung doch eingetreten sind.

In der Gesamtbetrachtung ist jedoch nahezu kein Unterschied festzustellen. Jeweils die Hälfte unserer befragten Partner gab an, dass Zurückstellungen und Rücktritte eingetreten sind (50,2%). Die andere Hälfte sagte aus, dass keine dieser Tendenzen zu verzeichnen waren. Auch bei differenzierter Betrachtungsweise der Projektbereiche öffentlich, gewerblich und Wohnungsbau verteilen sich die Werte nahezu gleich.

Sind Ihre Erwartungen hinsichtlich der Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen eingetroffen?
Sind Ihre Erwartungen hinsichtlich der Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen eingetroffen?
Sind Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen eingetreten?

Auffällig in der differenzierten Betrachtung sind jedoch die Abweichungen zwischen erwartetem Wert und Ist-Wert. Im März sind knapp 70 Prozent der Befragten bei der Entwicklung gewerblicher Projekte von einem sehr großen Einbruch ausgegangen und haben Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen vermutet. Die aktuellen Angaben bei gewerblichen Projekten liegen jedoch bei 51,4 Prozent. Dies kann als positives Signal gewertet werden. Es zeigt, dass sich die Marktkräfte bereits von den Folgen der Pandemie zu erholen scheinen. Das Corona-Virus hat die Schwachstellen und Versäumnisse der Vergangenheit offengelegt und gleichzeitig Flexibilität und Fantasie der Entscheider gefordert, da diese verhindern wollten, Opfer einer unfreiwilligen Marktbereinigung zu werden.

Auch im öffentlichen Sektor sind Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen nicht im erwarteten Ausmaß eingetreten. Während 48,6 Prozent aktuell Zurückstellungen und Rücktritte konstatieren, vermuteten im März 55,5 Prozent den Eintritt dieser Tendenzen. Auch wenn im Bereich öffentlicher Projekte sicherlich noch einiges zu verbessern ist, wurden indirekte Ansätze mit den Maßnahmen des mittlerweile beschlossenen Konjunkturpakets auf den Weg gebracht. Zu nennen ist hier insbesondere der Erlass der Bundesanteile an der Gewerbesteuer. Es kann davon ausgegangen werden, dass damit die Finanzierung der notwendigen Schulsanierungen und die Schaffung weiterer Kita-Plätze gesichert ist. Die Corona bedingten Verzögerungen im öffentlichen Bereich sind eher struktureller Natur, die sich jetzt sehr deutlich offenbaren: Unzureichendes Personalmanagement durch welches aufgrund jahrelang andauernder Sparmaßnahmen Fachkräfte fehlen und mangelnde Reformbereitschaft bei der Vereinfachung von Verwaltungsvorschriften wodurch die Beschleunigung von Bauverfahrenswegen zu erreichen wäre.

Im Gegensatz zur Entwicklung der gewerblichen und öffentlichen Projekte ist die Entwicklung im Wohnungsbaumarkt weniger erfreulich. Obwohl im März mit 41,8 Prozent der geringste Teil der Befragten erwartete, dass Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen in Wohnungsbauprojekten auftreten werden, gaben aktuell 50,7 Prozent der Befragten an, Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen zu erfahren. Ursache hierfür ist neben der allgemeinen Verunsicherung der Bauherren aufgrund bestehender oder drohender Kurzarbeit auch die Verunsicherung auf dem gewerblichen Immobilienmarkt. Derzeit ist nicht absehbar, ob die Pandemie auf diesen durchschlägt weil die erhofften Renditen nicht mehr erzielt werden können. Auch wenn Wohnraum vielerorts fehlt, folgt daraus keine Nachfragegarantie. Grund hierfür ist, dass vor allem preiswerter Wohnraum fehlt, aber gerade dieser den Renditewünschen der Anleger nicht gerecht wird.

Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung

Nach der Betrachtung der vergangenen Entwicklung wird nun die Einschätzung unserer Partner zur zukünftigen Entwicklung beleuchtet. Es wurden drei Szenarien skizziert und die Eintrittswahrscheinlichkeit abgefragt. Ähnlich wie bei der Einschätzung möglicher Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen sind die Befragten hier in zwei fast gleich große Lager gespalten und dennoch in einem Punkt einig: Einen zweiten Lockdown erwartet so gut wie keiner. Gerade einmal 8,9 Prozent gehen von einem zweiten Lockdown aus. Während 43,8 Prozent der Befragten glauben, dass lokal angelegte Beschränkungen das Auftragsvolumen nachhaltig sinken lassen, halten 44,5 Prozent die Baubranche schon für so gut an das Leben mit dem Corona-Virus angepasst, dass selbst lokale Einschränkungen keine nachhaltigen Einbrüche im Umsatz nach sich ziehen werden.

Welches Szenario trifft Ihrer Meinung nach am ehesten auf das kommende Jahr 2021 zu?
Welches Szenario trifft Ihrer Meinung nach am ehesten auf das kommende Jahr 2021 zu?

Festzuhalten ist, dass es der Baubranche schon seit vielen Jahren sehr gut geht. Nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie lag auch in diesem Jahr das Auftragspolster im Juli bei 7,5 Milliarden Euro. Diese Summe liegt zwar 5,6 Prozent unter der des Vormonats, stellt aber immer noch den zweithöchsten aufgezeichneten Wert im Juli dar. Angesichts dessen kann davon ausgegangen werden, dass auch 2021 nicht das schlechteste Jahr in der Baugeschichte sein wird.

Werden die Einschätzungen dahingehend betrachtet, in welchen Bereichen die angesprochenen Auftragsvolumina sinken werden, lassen sich Ähnlichkeiten zu den im März getroffenen Aussagen zu voraussichtlichen Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen feststellen. Wie im März glaubt der Großteil der Befragten mit 48,6 Prozent, dass es im gewerblichen Sektor vermehrt zu Auftragsrückgängen kommen wird. Im Vergleich dazu haben im März 69,9 Prozent Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen erwartet. Lediglich 23,3 Prozent der Befragten vermuten Auftragsrückgänge im Wohnungsbaubereich. Dieser Wert lag im März bei 41,8 Prozent. Auftragsrückgänge bei kommunalen Projekten erwarten 33,6 Prozent der Befragten. Auch dieser Wert lag im März mit 55,5 Prozent im mittleren Bereich. Es bleibt abzuwarten, ob die zukünftigen Entwicklungen ebenso verlaufen wie bisher und gewerbliche Projekte wider Erwarten weniger stark betroffen sind oder ob die aktuellen Einschätzungen eintreffen werden.

Wie wirkt sich der Auftragsrückgang Ihrer Meinung nach in unterschiedlichen Projektkategorien aus?
Wie wirkt sich der Auftragsrückgang Ihrer Meinung nach in unterschiedlichen Projektkategorien aus?
Welche vorsorglichen Maßnahmen haben Sie in Ihrer Organisation für 2021 getroffen?

Vorsorgliche organisatorische Maßnahmen

Nachdem die Erwartungen für das kommende Jahr und die zukünftigen Entwicklungen abgefragt wurden, soll betrachtet werden, welche vorsorglichen Maßnahmen die Befragten in ihrer Organisation getroffen haben. Ein Viertel der Befragten sieht noch keinen besonders dringlichen Handlungsbedarf und fühlt sich auf mögliche Eventualitäten ausreichend vorbereitet (27,5 %). Ebenso geht ein Viertel der Befragten den konservativen Weg und verstärkt seine Akquisitionsbemühungen (22,9 %). Weitere 19,9 Prozent optimieren die Prozessabläufe. Vermutlich um Unzulänglichkeiten und Defiziten zu begegnen und sich krisenresistenter aufzustellen.

Was umfasst Ihre Umstellung und Optimierung von Prozessabläufen konkret?

Bei der Umstellung und Optimierung von Prozessabläufen geht es vor allem um den stärkeren Einsatz digitaler Möglichkeiten. Wird dieser Aspekt detaillierter betrachtet, geben über 60 Prozent der Befragten an, vermehrt Video- und Telefonkonferenzen durchzuführen. 59,6 Prozent nutzen digitale Netzwerke intensiver und 55,3 Prozent der Befragten reduzieren Vor-Ort-Termine. Immer noch knapp 45 Prozent nehmen vermehrt an Weiterbildungen durch Online-Seminare teil.

Welche Unterstützung durch die Industrie ist aus Ihrer Sicht in den nächsten Monaten besonders wichtig?

Ein wichtiger Punkt für die befragten Partner scheint auch die Zusammenarbeit mit der Bauindustrie zu sein. 15,3 Prozent aller Befragten äußerten konkrete Vorstellungen diesbezüglich. Für knapp 30 Prozent steht eine intakte Lieferfähigkeit der Baumaterialien im Vordergrund. Ebenfalls knapp 30 Prozent fordern eine moderatere Preisgestaltung und die Optimierung von Zahlungsmodalitäten. Knapp ein Viertel der Befragten strebt eine deutlich verbesserte digitale Kommunikation an. So fällt in diesem Zusammenhang häufig der Begriff BIM.

Der Wunsch nach Unterstützung kann unter anderem auf eine veränderte Arbeitsweise zurückgeführt werden. So belegen die Erkenntnisse der aktuellen Umfrage unter Architekten und Planern durch die Heinze Marktforschung, dass das Corona-Virus die Arbeitsweise von Architekten und Planern deutlich beeinflusst hat. Es wurde vor allem vermehrt am Bildschirm gearbeitet und der Austausch mit Verarbeitern und Investoren hat abgenommen.

Die durchaus positiven Signale aus Politik und Wirtschaft lassen hoffen, dass die Bauwirtschaft auch im nächsten Jahr nicht so stark vom Corona-Virus betroffen sein wird, wie andere Branchen, die mit stark disruptiven Umbrüchen kämpfen. Die differenzierte Vorgehensweise bei Erlassen einschränkender Corona-Regeln, um einen weiteren Lockdown zu verhindern sowie die hohe Flexibilität bei der Umgestaltung alter Prozessabläufe können als positive Indikatoren herangezogen werden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die paritätische Polarisierung symptomatisch für die derzeitige Gesamtsituation ist. Keiner – einschließlich der ausgewiesenen Experten – kann zurzeit abschätzen, wie die zukünftige Entwicklung aussehen wird. Es wird einmal mehr klar, dass Corona uns alle vor so nie da gewesene Herausforderungen gestellt hat und zukünftig trotz täglichen Dazulernens noch stellen wird.

3| Die Analyse der Projektmengen

Wie wir bereits in der März Sentiment Analyse berichteten, waren seit der zweiten Märzhälfte die Auswirkungen der Corona-Krise deutlich erkenn- und spürbar. Einschneidende Maßnahmen der Politik beeinflussten das private und wirtschaftliche Leben. Deutschland befand sich faktisch, spätestens seit der Schließung der Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten (16. März 2020) und dem bundesweiten Kontaktverbot (23. März 2020) im Ausnahmezustand. Dies zeigte sich bereits im ersten Quartal 2020 in einem verringerten Volumen geplanter Projekte. Die Anzahl neuer Bauprojekte ist im Vergleich zum ersten Quartal 2019 um 11,1 Prozent gesunken. Besonders betroffen waren der soziale Bereich mit -16,2 Prozent, der Büro- und Verwaltungsbereich mit -12,4 Prozent und der Industrie-, Handels-, und Gastronomiebereich mit -11,5 Prozent. Der Wohnungsbau wies mit nur 5,8 Prozent erwartungsgemäß den geringsten Verlust auf.

Mit Abschluss des Septembers ist es nun an der Zeit einen ersten umfassenden Blick auf das bisherige Jahr zu werfen. Um monatliche Schwankungen in den Aussagen und Erkenntnissen auszuschließen, wurde die Entwicklung der wichtigsten Gebäudeklassen in den ersten drei Quartalen näher beleuchtet:

  • Bauten der öffentlichen Hand
  • Gewerbliche Baumaßnahmen
  • Größere Wohnungsbaumaßnahmen mit mehr als 4 Wohneinheiten pro Projekt

Bauten der öffentlichen Hand

Die grundsätzlich seit Jahren auf hohem Niveau stabile Bautätigkeit der öffentlichen Hand erlebte im ersten Quartal 2020 einen Einbruch von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Selbst unter Berücksichtigung des Lockdowns war also bereits im ersten Quartal ein geringeres Volumen als in den Vorjahren zu verzeichnen. Im zweiten Quartal verringerte sich das Volumen an neuen Bauvorhaben um 29,9 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2019, um sich im dritten Quartal leicht zu erholen (-24,9%).

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Behörden von Corona wesentlich härter getroffen wurden als alle anderen Bereiche in Deutschland. Die berichteten Bauprojekte spiegeln nicht annähernd den weiteren Bedarf an Schulen, Kitas usw. wider. Optimistisch urteilend bestehen hier noch deutliche Aufholpotenziale. Etwas kritischer betrachtet wäre eine Konjunktur belebende Maßnahme – neben staatlichen Förderprogrammen – die schlichte Wiederaufnahme der üblichen Planungs- und Vergabetätigkeit der öffentlichen Hand. Die unzureichende Digitalisierung vieler behördlicher Verwaltungsabläufe hat leider eine krisenverschärfende Wirkung.

Gewerbliche Baumaßnahmen

Auch die gewerblichen Baumaßnahmen verzeichneten schon im ersten Quartal mit -11,4 Prozent einen deutlichen Verlust, der sich im Verlauf des zweiten Quartals auf -25,1 Prozent verschärfte. Allerdings ist nun im dritten Quartal eine leichte Erholung (-16,4%) erkennbar. Im Bereich der gewerblichen Baumaßnahmen sind alle durch die Krise besonders getroffenen Bereiche akkumuliert. Der Bereich Büro und Verwaltung wird durch die intensive Diskussion und Umsetzung von Homeoffice-Maßnahmen bestimmt. Industrie- und Handel sind durch bis September gedämpften privaten Konsum und fehlende Exporte beeinträchtigt und der Gastronomie-Bereich ist von den weitreichenden Einschränkungen und Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus besonders betroffen. Vor diesem Hintergrund ist eine Prognose der weiteren Entwicklung äußerst schwierig.

Größere Wohnungsbaumaßnahmen mit mehr als 4 Wohneinheiten pro Projekt

Der größere Wohnungsbau erweist sich nach wie vor als robust, sogar fast unbeeindruckt von der Krise. Im ersten Quartal 2020 waren kaum Auswirkungen auf die Anzahl von Wohnungsbauprojekten zu verzeichnen. Das zweite Quartal bewegte sich bereits auf Vorjahresniveau. Der vergleichsweise geringe Verlust von 4,7 Prozent im dritten Quartal lässt sich vor allem auf die Angst vor Arbeitsplatzverlust und die allgemeine Verunsicherung der gewerblichen Wohnungsbauinvestoren zurückführen. Nach wie vor ist ungewiss, ob sich die Pandemie auch auf den Immobilienmarkt auswirken wird. Dies zeigen auch die vorab dargestellten Umfrageergebnisse zu Zurückstellungs- und Rücktrittstendenzen.

Veränderung der Anzahl geplanter Projekte
Veränderung der Anzahl geplanter Projekte
4| Originalstimmen

Die Originaltöne aus unseren Interviews liefern einen Einblick in die aktuelle Stimmungslage.

Icon Entwicklun
Bauamtsleiter

Zur zukünftigen Entwicklung allgemein: „Ich hoffe, dass ein Lockdown nicht mehr erfolgen wird, aber wir werden wohl um weitere Verschärfungen nicht herumkommen. Es ist schon erschreckend, gerade hier bei uns im Tourismus-Sektor täglich eine beängstigende Nicht-Beachtung der allgemeinen Sicherheitsregeln zu beobachten. ...“

Icon Preisentwicklung
Bauamtsleiter

Zur Preisentwicklung und Lieferengpässen: „Wir stellen seit den letzten Monaten eine signifikante Preisanpassung bei den eingereichten Angeboten fest; und das nicht nur in einem Fall sondern mittlerweile durchgängig bei allen ausgeschriebenen Projekten. Grob geschätzt liegt der Preisnachlass zwischen 5 und 10 Prozent unabhängig von der Unternehmensgröße des Anbieters. ...“

Icon Entwicklung
Bauamtsleiter

Zum Status Quo und der weiteren Entwicklung hinsichtlich des Baugeschehens: „Bei uns ist nicht abzusehen, dass sich an den kurz- und mittelfristigen Planungen etwas ändert oder verzögert. Auch wenn wir einzelne Gewerbesteuerausfälle zu verzeichnen haben, können diese mit laufenden und zugesagten Fördermitteln, oder auch durch örtliche bzw. sachliche Umschichtungen kompensiert werden: So werden nicht unbedingt erforderliche Unterhaltungsmaßnahmen in der Gemeinde A zu Gunsten der anstehenden Investitionsmaßnahmen in der Gemeinde B nur noch nachgeordnet behandelt. ...“

Icon Maßnahmen
Bauamtsleiter

Zu organisatorischen Maßnahmen: „... In der Behörde selbst haben wir zum Glück noch keinen Fall – sicher auch deshalb, weil wir gelernt haben, mit dem Virus zu leben. So gibt es, neben den klassischen Hygieneregeln, bei uns nur noch eine Einzeltermin-Vergabe um Wartezeiten und Überschneidungen zu vermeiden. Außerdem haben wir das Homeoffice-Programm deutlich verstärkt – also Anschaffung von deutlich mehr Hard- und Software, ebenso wie voll ausgestattetes Büroinventar für Telearbeitsplätze daheim. Wir können sagen, dass wir bei der Abarbeitung keine Rückstaus mehr zu verzeichnen haben und auch für zukünftige Erfordernisse gut aufgestellt sind. Mit einem Augenzwinkern: Auch wenn mehr Personal nie schaden kann. ...“

Icon Entwicklung
Geschäftsführer einer privaten Wohnungsbaugesellschaft

Status Quo und weitere Entwicklung: „Wir bearbeiten vorrangig, also zu etwa 80 Prozent, den privaten Wohnungsmarkt mit überwiegend Einfamilienhausbau. Nach zwischenzeitig kleineren Einbrüchen durch befürchtete Arbeitslosigkeit erholt sich der Markt aber zusehends wieder. Natürlich fallen Interessenten mit Jobs aus Risiko behafteten Branchen weg – allerdings kann das durch Interessenten aufgefangen werden, deren Branche nicht so betroffen ist und die in der derzeitigen Situation das eigene Haus als gute finanzielle Anlage sehen; gepaart mit den Vorteilen bereits begonnene bzw. zukünftige Entwicklungen wie Homeoffice-Arbeitsplätze bei der individuellen Planung zu berücksichtigen. ... Zu einer Prognose zur Entwicklung des Wohnungsmarktes für institutionelle Investoren kann ich nicht so viel sagen, da hier unsere Angebotsintervalle zu groß sind. Massive Verzögerungen bei unserem derzeit von uns angebotenen Großprojekt sehe ich eher in projektspezifischen Umständen, wie Erbpachtgrundstück, Fördermittel und sozialer Wohnungsbau, begründet. ...“

Icon Preisentwicklung
Geschäftsführer einer privaten Wohnungsbaugesellschaft

Zur Preisentwicklung: „… die entwickeln sich eher normal – also in unserem Fall nach oben! Die Firmen, die mit uns zusammenarbeiten, sind auch zu stark auf den Wohnungsbau spezialisiert, als dass sie auf andere Bereich etwa Sanierungen oder öffentliche Bauherrn umswitchen können. Außerdem besteht derzeit noch kein Anlass dazu. Obwohl wir in letzter Zeit schon häufiger wieder Angebote von Rohbauunternehmen erhalten haben – aber weit davon weg, einen Nachlass zu tolerieren; dafür sind die Auftragsbücher noch viel zu voll. …“

Icon Entwicklung
Inhaber eines Architekturbüros mit Planungsschwerpunkt Industriebau

Zum Status Quo und der weiteren Entwicklung: „… Also bei uns hat sich nichts zum Negativen geändert in den letzten Monaten – bis auf die zwei größeren Planungsprojekte, die aber schon zu Beginn der Krise geschoben wurden. Und selbst bei denen wird jetzt mit Voruntersuchungen der Faden wieder aufgenommen; das Gleiche gilt auch für ein Hochregallager für einen Zulieferer aus der Automobilbranche, bei dem wir aktuell wieder in die Vorplanungsphase eingetreten sind. Bei der Durchführung der aktuellen Realisierungsprojekte sind die Baustellen – selbst bei Materiallieferungen – normal gelaufen. … auch bei der Preisentwicklung kann ich derzeit keine Tendenz nach unten erkennen.“

Icon Entwicklung
Generalbau-Unternehmen

Zum Status Quo und der weiteren Entwicklung: „Wie schon im Frühjahr haben wir keine Umsatzdellen geschweige denn -einbrüche verzeichnen können. Unsere Sparte Wohnungsbau und auch Bauten von öffentlichen Bauherren wie Kirche und Kommunen verzeichnet gerade aktuell mehrere Auftragseingänge für 2021. Der Gewerbebaubereich mit Logistik, Produktion aber auch Büroflächen steht nach einem gewissen verhaltenen Auftragseingang ebenfalls wieder vor sehr guten Abschlüssen. … Die einzige Corona bedingte Sorge, die die Branche derzeit umtreibt, sind die Einreisehindernisse von Baukolonnen aus dem europäischen Ausland wie Serbien, Bulgarien, Slowenien. …“


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Was ist die ibau Sentiment Analyse und wie sind die Ergebnisse zu bewerten?

Die ibau Sentiment Analyse gibt das aktuelle Stimmungsbild von Entscheidungsträgern und Machern der Baubranche wieder. Basierend auf den Aussagen von Investoren, Projektsteuerern, Planern, Generalunternehmern, Vergabestellen, Architekten und Bauträgern bewerten wir die aktuelle Situation, um frühzeitig Entwicklungstendenzen für alle Beteiligten der Bauwirtschaft aufzuzeigen.

Ausgelöst durch Corona hat sich gezeigt, dass sich das Stimmungsbild der Verantwortlichen der Baubranche schnell und tiefgreifend ändern kann. Mit der ibau Stimmungsanalyse halten wir Sie über interessante und relevante Entwicklungen in der Bauwirtschaft auf dem Laufenden.

Wie gehen wir vor?

Die ibau Sentiment Analyse beruht auf drei Faktoren:

  1. Die Prognose basiert auf der Befragung unserer langjährigen Partner in der Bauindustrie sowie der statistischen Auswertung von Trends der von uns erfassten Bauprojekte. Die Kombination dieser Informationen mit unserer umfangreichen Datenbasis vergangener Jahre ermöglicht es uns zukünftige Entwicklungen zu skizzieren.
  2. Es erfolgt eine qualitative Bewertung von über 1.000 Gesprächen mit den oberhalb genannten Ansprechpartnern wie Projektverantwortliche, Investoren, Bauträger, Planer und Architekten.
  3. Basierend auf 30 Schwerpunktinterviews mit ausgewählten Zielgruppen arbeiten wir die zum Teil unterschiedlichen Sichtweisen gesondert heraus. So lassen sich aktuelle Entwicklungen aus verschiedenen Perspektiven oder aus Sicht einer definierten Zielgruppe beleuchten.

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ibau Redaktion

Auf Basis der Erfahrung von über 60 Jahren täglicher Recherche und Analyse von Ausschreibungen und Vergaben im öffentlichen und gewerblichen Sektor veröffentlicht die ibau Redaktion Ratgeber-Inhalte um Sie über verschiedene Fragen und Problemstellungen rund um Ausschreibungen und Vergaben aufzuklären.