Höhere Schornsteine für Neubauten werden Pflicht

London im Smog – fast alle kennen die Bilder von 1952. Selten ist es so dramatisch. Eine Gesetzesänderung soll die Feinstaubbelastung in Wohngebieten weiter verringern.

Feinstaubbelastung © Ralf Hasemann

Beim Verheizen von Holzscheiten, Pellets und Hackschnitzeln wird Feinstaub freigesetzt, also gesundheitsgefährdende Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Dioxine und Furane. Durch zu niedrige Schornsteine gelangen sie ins das direkte Wohnumfeld. Aus diesem Grund haben Bundestag und Bundesrat eine Änderung der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immobilienschutzgesetzes (BImSchV) beschlossen. Insbesondere der § 19 wurde angepasst, der die Ableitungsbedingungen für Abgase aus dem Verbrennen von Feststoffen regelt. Durch eine Erhöhung der Schornsteine soll ein besserer Abtransport der Abgase in die freie Luftströmung erfolgen, damit sich die gesundheitsschädlichen Abgase nicht in dichter Wohnbebauung ansammeln können. So soll es auch zu weniger Nachbarschaftsbeschwerden aufgrund von Rauchbelästigung kommen.

Die wesentlichen Änderungen

Die Ableitungsbedingungen sind durch die Höhe und genaue Lage der Schornsteine auf dem Dach eines Gebäudes bestimmt. Die bisherigen Bedingungen wurden nicht grundlegend geändert, sondern überwiegend präzisiert und es wurden Grenzen neu definiert. Die größte Neuerung ist, dass neu errichtete Schornsteine am Dachfirst, dem höchsten Punkt des Hauses, angebracht werden müssen. Dabei muss der Schornstein den First um mindestens 40 Zentimeter überragen. Bisher können Schornsteine auch an anderen Stellen auf dem Dach hinausragen. Auch bei den Vorgaben zur Schornsteinhöhe je nach Dachneigung gibt es Unterschiede, dabei unterscheidet der Gesetzgeber nach den Anlagengrößen. Umso mehr Gesamtwärmeleistung in Kilowatt eine Anlage aufweist, umso höher muss auch der Schornstein gebaut sein. Es gibt genaue Abstufungen der Anlagengröße und Vorgaben bezüglich der Höhen und wie weit die Oberkante von Lüftungsöffnungen, Fenstern und Türen der Nachbargebäude innerhalb eines bestimmten Umkreises entfernt sein muss. In manchen Fällen werden sich sehr große Schornsteinhöhen ergeben. Dadurch können sie unter Umständen auch in den Geltungsbereich der freistehenden Schornsteine kommen, was einen statischen Nachweis erforderlich machen würde. Aus diesem Grund wird mit einer deutlichen Steigerung des Beratungsbedarfs gerechnet.

Für wen gelten die neuen Regelungen?

Der neuen Regelung unterliegen Feueranlagen für feste Brennstoffe. Darunter fallen Holzheizungsanlagen für Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel, und Einzelraumfeuerungsanlagen wie Kaminöfen für Scheitholz und Pellets, Herde, Kamineinsätze, Grundöfen und auch Räucherschränke. Ebenso sind gewerblich genutzte Anlagen für feste Brennstoffe betroffen, wie Holzkohlegrillanlagen oder Räucherkammern, für die Schornsteine neu errichtet werden sollen. Grundsätzlich gilt die neue Regelung nur für Neubauten und nicht für bereits errichtete Schornsteine. "Die neuen Anforderungen gelten nicht für bestehende Anlagen – auch nicht, wenn eine wesentliche Änderung vorgenommen wird wie etwa der Austausch eines Kaminofens oder eines Holzheizkessels", sagt Michael Erlhof, Vorstand Technik des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks. Selbst wenn ein Öl- oder Gasheizkessel gegen einen Heizkessel für Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel ausgetauscht wird, findet die alte Regelung Anwendung. Zudem sieht die Verordnung vor, dass in Fällen eines unverhältnismäßigen Aufwands generell die bisherigen Regelungen gelten. "Allerdings sind hier enge Grenzen gesetzt", sagt der Verbandsvertreter.

Bundesregierung hat sinnvolle Aktualisierung versäumt

Die Bundesländer kritisierten lediglich, dass die Bundesregierung es versäumt habe, bestimmte Passagen der Verordnung zu relevanten Normen auf den aktuellen Stand zu bringen. Es bestünden etwa noch Bezüge zu älteren DIN-Normen und europäischen Rechtsnormen, etwa was die verwendeten Materialien und Temperaturbedingungen betrifft. Deswegen wurde die Regierung dazu aufgefordert, auch diese Aktualisierung zeitnah vorzunehmen. Mitte September hat der Bundesrat der Veränderung zugestimmt, sodass sie nun im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden kann. Nach der Veröffentlichung tritt sie automatisch in Kraft. "Erfolgt die Veröffentlichung zwischen Oktober und Dezember 2021, treten die Änderungen ab dem 1. Januar 2022 in Kraft", erklärt Erlhof dazu.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.