Gefahr durch explodierende Lithium-Akkus?

Es kommt immer wieder vor, dass Akkus in Brand geraten. Diesbezüglich häufen sich die Meldungen. Auch in Unternehmen und auf Baustellen sorgen brennende Akkus für Schäden.

Lithium Akkus © Smileus

Statt auf netzbetriebene Handwerksmaschinen setzen Unternehmen heutzutage gerne auf Akku-Geräte. Durch den Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien arbeiten viele Maschinentypen genauso leistungsstark wie kabelgebundene Geräte. Lithium-Akkus punkten durch ihre kompakte Bauweise, eine hohe Energiedichte und die Wiederaufladbarkeit ohne Memory-Effekt. Auch für andere Produktgruppen wie Elektrowerkzeuge, E-Bikes oder Elektro-LKW sind sie zu einem beliebten Energiespeicher geworden. Leider verursachen Lithium-Akkus aber immer wieder Brände und Explosionen. Sie wurden in einigen Fällen als Brandursache identifiziert, wie beispielsweise bei Bränden in Flugzeugen, Parkhäusern oder in Ladenlokalen.

Dabei gelten Lithium-Akkus eigentlich als sicher. Zumindest bei ordnungsgemäßem Umgang sind sie das auch, so das Umweltbundesamt. Es gibt allein deshalb eine höhere Anzahl an Schadensfällen, weil Lithium-Akkus millionenfach verwendet werden. Es kamen in den letzten Jahren jeweils mehr als 10.000 Tonnen neuer Li-Ionen-Akkus zum Einsatz.
Das Brand-Risiko ist bei einem normalen Gebrauch auch nicht erhöht. Doch wenn die Akkus beschädigt sind oder unsachgemäß gelagert werden, kann dies innere und äußere Kurzschlüsse auslösen. Ein Kurzschluss kann dann schnell zum Brand oder zur Explosion führen. Auch durch den Ladevorgang können kritische Situationen entstehen. Verwendet man beispielsweise ein falsches Ladegerät, kann es im schlimmsten Fall zum Überladen des Akkus kommen, was verheerende Folgen haben kann.

Lithium gerät schnell in Brand

Doch warum ist Lithium so leicht entflammbar? Dazu muss man wissen, dass Lithium ein sehr reaktiver Stoff ist, der sehr heftig mit seiner Umwelt reagieren kann. Verstärkend kommt hinzu, dass die Bauweise der Akkus den sogenannten „Thermal Runaway“ begünstigt. Dies bezeichnet eine unaufhaltbare Kettenreaktion, die durch einen Temperaturanstieg in einer einzigen Zelle eines Akkus in Gang gesetzt wird und rasend schnell auf benachbarte Zellen überspringt. Die Innentemperatur steigt auf bis zu 800 Grad Celsius, wodurch der Akku explosionsartig zerbirst und manchmal auch die Umgebung in Brand setzt. Fangen dann noch weitere Akkus Feuer, ist eine Brandkatastrophe vorprogrammiert. Da hierbei giftige und ätzende Stoffe wie Elektrolyte, Fluorwasserstoff und Phosphorsäure freigesetzt werden, ist das Löschen dieser Brände besonders anspruchsvoll. Besser ist es, einen Brand von vornherein zu verhindern. Das ist machbar, wenn man Lithium-Akkus ordnungsgemäß lagert, handhabt und auflädt.

Folgende Sicherheitsregeln haben sich beim Umgang mit Lithium-Akkus bewährt

Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten den sachgerechten Umgang mit Lithium-Akkus vermitteln:

  • Akkus vor Frost wie auch Hitze (Sonne, heiße Oberflächen) schützen.
  • Akkus trocken lagern und vor Feuchtigkeit schützen.
  • Batteriepole vor Kurzschluss schützen (Polkappen oder notfalls abkleben).
  • Vor mechanischen Beschädigungen schützen (Gefahr des inneren Kurzschlusses).
  • Li-Akkus nur so verwenden wie vom Hersteller vorgegeben und nur mit den dafür vorgesehenen Ladegeräten, niemals eigene Akkupacks zusammenbasteln.
  • Keine Heißarbeiten oder offene Flammen in der Nähe von Li-Akkus.
  • Akkus während des Ladevorgangs niemals abdecken.
  • Tiefentladungen vermeiden.

Wichtig: Defekte Akkus sofort entsorgen

Die höchste Explosionsgefahr geht von defekten Akkus aus. Daher sollte man Akkus regelmäßig auf Schäden wie beispielsweise kleine Risse oder Dellen überprüfen, denn diese Schäden erhöhen das Brandrisiko massiv. Auch verformte, aufgeblähte, heiß gewordene oder mit Anzeichen von Korrosion gezeichnete Akkus sollten sofort aussortiert werden. Dieser Akku sollte brandschutztechnisch abgetrennt aufbewahrt und anschließend fachgerecht entsorgt werden.

Lithium-Akkus immer sachgerecht im Sicherheitsschrank lagern

Es versteht sich von selbst, dass Lithium-Akkus niemals in unmittelbarer Nachbarschaft zu entzündbaren Stoffen gelagert werden sollten. Hierbei ist ein Abstand von mindestens 2,5 Metern einzuhalten. Besser ist es, die Akkus in feuerbeständigen und abgetrennten Bereichen aufzubewahren.
Betriebe ohne Brandschutzlager sollten über die Anschaffung eines Sicherheitsschrankes nachdenken. Hier können Lithium-Akkus sicher gelagert werden. Der Sicherheitsschrank sollte die Anforderungen der Normen DIN EN 14470-1 (für Feuer von außen) und EN 1363-1 (für Feuer von innen) erfüllen, was unter anderem eine Feuerwiderstandsfähigkeit von 90 Minuten beinhaltet. Es gibt mittlerweile auch Sicherheitsschränke auf dem Markt, die speziell für die Lagerung von Akkus entwickelt wurden. Diese enthalten unter anderem eine technische Entlüftung, sowie Temperatur- und Rauchsensoren und besondere Warnfunktionen. Sie können auch den Ladevorgang der Akkus überwachen. Wenn der Schranksockel unterfahrbar ist, kann im Brandfall der gesamte Schrank rasch per Stapler aus einem Gebäude gebracht werden.

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Iris Jansen

Iris Jansen verstärkt seit Juli 2021 als Content-Managerin unser Redaktionsteam. Als Chefredakteurin unserer Printmagazine informiert sie unsere Kunden über neue Entwicklungen innerhalb der Bauwirtschaft. Darüber hinaus schreibt sie Ratgeber- und Glossarartikel für unsere Onlinemagazine sowie aktuelle Texte für den News-Bereich. Für unsere vielfältigen Themenbereiche recherchiert sie täglich und hat stets im Blick, was sich im Bauwesen gerade tut. Einer ihrer Schwerpunkte ist es, komplexe Sachverhalte aus dem Ausschreibungs- und Vergabebereich strukturiert und verständlich aufzubereiten.