Elektrosicherheit in überfluteten Gebäuden

Mit Rückgang der Wassermassen war die Lebensgefahr in den überfluteten Gebieten noch nicht vorbei. Ein weiterer lebensgefährlicher Aspekt ist die durchnässte Elektrik.

Elektroinstallationen und Kabel erweisen sich nach den Wassermassen als enorme Gefahrenquelle © Markus Thoenen / stock.adobe.com

Die Initiative Elektro + hat aus diesem Anlass zwei Informationsblätter zusammengestellt, die Privatpersonen und Elektrofachkräfte darüber informieren, wie man sich in überfluteten Räumen hinsichtlich der Elektroinstallation zu verhalten hat. Diese Informationen sind nicht nur bei Hochwasser oder Starkregenereignissen von Relevanz, auch bei Überflutungen etwa durch einen Rohrbruch ist die Elektrosicherheit zu beachten. Die wichtigsten Informationen aus den Handreichungen:

Verhalten in überfluteten Gebäuden

Bei einem Hochwasser erlischt die Stromversorgungspflicht und die Versorgung der Haushalte mit Strom wird eingestellt, damit es in überfluteten Gebäuden nicht zu gefährlichen Kurzschlüssen oder lebensgefährlichen elektrischen Schlägen kommt. Bei Starkregenereignissen, bei denen es zu lokalen Überschwemmungen und Wassereinbrüchen kommt, besteht die Stromversorgungspflicht jedoch weiter. In solchen Fällen ist unbedingt zu beachten, dass überflutete elektrische Anlagen und Betriebsmittel, wie Hausanschlusskästen, Hauptverteiler und Zähleranlagen eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen. In der Nähe elektrischer Anlagen besteht Lebensgefahr, da die Schutzeinrichtungen, die normalerweise vor einem elektrischen Schlag schützen, durch das Wasser beschädigt wurden. Gleiches gilt auch bei Raumflutungen, etwa durch einen Rohrbruch. In solchen Fällen ist es unerlässlich, dass die Elektroanlagen vor Betreten der überfluteten Räume abgeschaltet werden. Dazu ist ein in das Installateurverzeichnis eingetragener Elektrofachbetrieb oder der örtliche Energieversorger zu kontaktieren. Diese müssen die Anlagen auch überprüfen, reparieren und wieder in Betrieb nehmen, wenn das Wasser abgelaufen ist. Das regelt § 1 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung). Durchnässte Haushaltsgeräte und Installationsgeräte müssen, nachdem sie getrocknet und gereinigt wurden und bevor sie eingeschaltet werden, von einem Fachmann geprüft werden. Es besteht nämlich Zerstörungsgefahr und die Gefahr eines elektrischen Schlages.

Hinweise für Elektrofachkräfte

Elektrofachkräfte haben nach einer Überflutung eine ganz Liste von Aufgaben zu erfüllen. Sie müssen die Überprüfung des Hausanschlusskastens und des Stromzählers beim Energieversorger beantragen. Zudem müssen jegliche Steckdosen, Installationsschalter, Abzweigkästen und andere Installationsgeräte geöffnet und von Schmutz und Feuchtigkeit befreit werden. Die Installationsgeräte sind auf einwandfreie Funktion zu überprüfen. Beim Hauptverteiler und Stromkreisverteiler sind insbesondere die Klemmverbindungen zu betrachten. Bei Verteilern und Installationsgeräten der Schutzklasse II reicht eine Reinigung im Allgemeineren nicht aus. Es muss kontrolliert werden, ob die Anforderungen der Schutzklasse II noch eingehalten werden. Schutzvorrichtungen, die mit Wasser in Berührung gekommen sind, müssen ausgetauscht werden. Gleiches gilt für durchnässte Sicherungen. Bei Installationsleitungen muss der Isolierungswiderstand gemessen werden. Die gesamte elektrische Anlage ist vor der erneuten Inbetriebnahme gemäß DIN VDE 0100-600 bzw. DIN VDE 0105-100 komplett zu prüfen (Besichtigung, vorgeschriebene Messungen, Erprobung). Der Zustand der Elektroinstallation sollte nach ihrer Wiederherstellung dokumentiert werden. Auch die elektrischen Haushaltsgeräte sind zu reinigen, zu entfeuchten und nach DIN VDE 0701-0702 zu messen und zu erproben. Die Inbetriebnahme der elektrischen Anlage sollte abschnittsweise (raum- oder stockwerksweise) erfolgen. Im Übrigen gilt: Elektrisches Installationsmaterial, das mit Wasser in Berührung gekommen ist und weiter betrieben oder verwendet wird, ist dadurch nicht mehr bestimmungsgemäß im Einsatz. Die Gewährleistung durch den Hersteller entfällt in diesem Fall.

Hinweise für Betreiber von Photovoltaikanlagen

Wer mit einer Photovoltaikanlage Strom erzeugt, sollte besonders vorsichtig sein. Solange über die Anlage auf dem Dach Strom erzeugt wird und sich der Wechselrichter sowie der Anschluss an das Stromnetz in überfluteten Räumen befindet, besteht die Gefahr eines Stromschlags. Die Anlage sollte durch einen Elektrofachkraft außer Betrieb gesetzt und später auch überprüft und wieder in Betrieb genommen werden.

Den Hochwasserschutz schon bei der Planung berücksichtigen

Insbesondere in hochwassergefährdeten Gebieten sollte schon bei der Elektroinstallation auf den Hochwasserschutz geachtet werden. Diese sind in DIN 18912 geregelt. Dazu gehört, dass der Hausanschlusskasten und der Hauptverteiler mindestens einen halben Meter über der zu erwartenden hundertjährigen Überschwemmungshöhe angebracht werden sollten. Das Montieren des Hausanschlusskastens, eines Hauptverteilers sowie der Zähler sollten mit dem Energieverteiler abgestimmt werden. Um nicht vom Hochwasser betroffene Wohnetagen schnellstmöglich wieder mit Strom versorgen zu können, sollten für die einzelnen Geschosse jeweils Stromkreise vorgesehen werden. Durch separate Fehlerstrom-Schutzschalter mit einem Bemessungsfehlerstrom von höchstens 30 mA werden hochwassergefährdete Anlagen geschützt. Diese sollten, sofern nicht vorhanden, nachgerüstet werden.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.