Ein Fahrplan für die Tarifverhandlungen am Bau

Nachdem die erste Runde der Tarifverhandlungen für den Bau abrupt abgebrochen wurde, konnten sich die Vertragsparteien jetzt auf einen Fahrplan einigen, der den Vertragsschluss erleichtern soll.

Ein Fahrplan soll bei den Tarifverhandlungen für den Bau beim Vertragsschluss helfen. © Yurolaitsalbert / stock.adobe.com

Der vergangene Tarifvertrag für die rund 890.000 Beschäftigten am Bau ist am 30. Juni 2021 ausgelaufen. Die Verhandlungen für den neuen Vertrag sind nur stockend angelaufen. Die Runde im Juni war abgebrochen worden. Uwe Nositz, Vizepräsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), hatte dies damit begründet, dass die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wiederholt von der eigentlichen Diskussion der Entgeltfrage abgelenkt habe. Die Gewerkschaft warf ihrer Gegenseite wiederum Zeitspiel vor.

Der Fahrplan für die Vertragsverhandlungen

Am 27. Juli sind die Vertragsparteien wieder in den Dialog getreten. Nach 20 Stunden des konstruktiven Gesprächs konnten sie sich auf einen Fahrplan verständigen. In zwei weiteren Runden sollen die Forderungen der Arbeitnehmerseite einzeln diskutiert werden. Zunächst sollen die Themen Mindesturlaubsvergütung und Erschwerniszuschläge verhandelt werden, gefolgt von der Mindestlohnstruktur und der Weiterentwicklung der Wegezeitentschädigung. Die Forderung der IG Bau, dass Lohn und Gehalt um 5,3 Prozent steigen und der Ost-West-Angleich sollen erst am Ende diskutiert werden. Die Tarifvertragsparteien haben Stillschweigen über die Zwischenergebnisse vereinbart. “Wir sind zuversichtlich, dass wir in den kommenden Runden bis Ende September eine Einigung erzielen können," sagte Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). Auch die Arbeitnehmerseite zeigt sich „verhalten optimistisch“, wie sich Verhandlungsführer und Bundesvorsitzender Robert Feiger sowie Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt ausdrücken, dass am Ende ein gutes Ergebnis steht. "Wir freuen uns darüber, dass die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nun ernsthaft und konstruktiv mit uns über das gesamte Paket sprechen wollen", sagten sie. Ein Schlichterspruch und Arbeitskampf stünden jedoch weiterhin im Raum. "Die Beschäftigten in der Baubranche haben gerade jetzt in der Pandemie-Phase gezeigt, was sie leisten können. Deswegen haben sie sich auch einen ordentlichen Tarifabschluss verdient", so die IG BAU. Im vergangenen Jahr konnte der Tarifabschluss erst durch eine Schlichtung erzielt werden. Erstmals konnten sich die Parteien auf einen pauschalen Wegezeit-Zuschlag einigen. Zudem wurde eine Entgeltsteigerung um 2,1 Prozent im Westen und um 2,2 Prozent im Osten vereinbart.

Die Forderungen der IG Bau

Die IG Bau verlangt, dass Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung um 5,3 Prozent steigen. Zudem sei eine Angleichung des Ost-Niveaus an das West-Niveau sowie eine Weiterentwicklung der Wegezeitentschädigung notwendig. In der ersten Tarifrunde hatte die Arbeitgeberseite eine entgelt wirksames Gesamtvolumen von drei Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren in Aussicht gestellt, was die IG BAU als „absolut unzureichend“ bezeichnete. "Von der allgemeinen Corona-Krise ist im Bausektor nichts, aber auch gar nichts zu spüren", teilte Burckhardt mit. "Da ist es nur recht und billig, wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter auch ein Plus auf ihrem Lohnzettel sehen." Doch obwohl 2020 mit einem Umsatzwachstum von sechs Prozent ein Rekordjahr war, rechnet die Arbeitgeberseite 2021 mit einem Null-Wachstum. "Die Baukonjunktur trübt sich merklich ein", sagte ZDB-Verhandlungsführer Nostitz. Zudem sei aufgrund der derzeitigen Materialknappheit und dem damit verbundenen Anstieg der Preise für Baumaterialien mit "einem ordentlichen Dämpfer" zu rechnen.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.