Digitale Plattformen im Handwerk

Digitale Plattformen dringen langsam aber sicher in die Gefilde des Handwerks ein. Betriebe sollten sich damit auseinandersetzen, um nicht vom Markt zu verschwinden. 

Digitale Plattformen gewinnen auch im Handwerk an Relevanz © Minerva Studio / stock.adobe.com

In einer Studie zur Plattformökonomie im Handwerk, die vom volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk (ifH) an der Universität Göttingen herausgegeben wurde, heißt es, dass die Zurückhaltung beim Aufbau von digitalen Plattformen in Anbetracht der Krise nachvollziehbar sei. Allerdings wird angemerkt, dass sich Betriebe besser heute als morgen mit den neuen Herausforderungen auseinandersetzen sollten, auch wenn die akute Gefahr, durch die Plattformen in der eigenen Existenz bedroht zu werden, gering scheint. Schon heute gibt es, auch im Handwerk, diverse Plattformen, die mit mehr oder weniger Erfolg versuchen, ihre Serviceleistungen oder Produkte an den Kunden zu bringen. Auch wenn der Markteinfluss im Handwerk im Vergleich zu anderen Branchen relativ gering ist, könnten Netzwerkeffekte zu einer raschen Etablieren führen. Die Augenoptik oder das Dachdecker-Handwerk sind zwei Bereiche, in denen Plattformen unerwartet schnell eingedrungen sind. Wie schnell digitale Geschäftsmodelle und intelligente Datennutzung eine marktbeherrschende Stellung einnehmen, zeigen die Extrembeispiele Google oder Amazon.

Handwerksbetriebe könnten in die Rolle von Erfüllungsgehilfen gedrängt werden

Das ifH benennt gleichermaßen Chancen und Herausforderungen für das Handwerk in der Plattform Ökonomie. Die effektive Kundenakquise führt zu weniger Verwaltungsaufwand bei der Abwicklung eines Auftrags und dem Aufbau neuer datengetriebener Geschäftsmodelle. Allerdings bergen Plattformen auch das Risiko, dass sie die Unabhängigkeit einzelner Handwerksbetriebe beschneiden und sie letztendlich in die Rolle des Erfüllungsgehilfen gedrängt werden oder komplett vom Markt verschwinden, weil ihnen die Zeit, das Wissen und die Mittel fehlen, um ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Stark digitalisierte Branchen wie das Kfz-, SHK- oder Elektrohandwerk sind besonders von Plattformen betroffen. Insbesondere für industrielle Hersteller ist es attraktiv, Plattformen zu nutzen, um den Direktkontakt zum Kunden zu suchen und Serviceleistungen zur Wartung und Reparatur von Maschinen und Geräten anzubieten. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass das Handwerk sich Kooperationen mit Handel und Herstellern nicht verschließen sollte, um in der neu strukturierten Wertschöpfungskette seinen Einfluss zu behalten. Zugleich könnte die Position der Betriebe durch den gemeinsamen Aufbau handwerkseigener Plattformen gestärkt werden.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.