Die unsichtbare Gefahr: Radon in Innenräumen

Bilder aus Tschernobyl oder Fukushima zeigen wie gefährlich radioaktive Strahlung ist. Deswegen müssen Unternehmen die Strahlenbelastung in Betriebsgebäuden überprüfen.

radon © industrieblick

Radon ist ein farb- und geruchsneutrales Edelgas. Es kommt natürlicherweise im Boden vor und ist zunächst ungefährlich. In der Lunge können sich allerdings radioaktive Zerfallsprodukte, Isotope von Polonium, Bismut und Blei, ablagern, die die gefährliche und krebserregende Alphastrahlung freisetzen. Besonders problematisch ist, dass Radon durch den Untergrund in Gebäude eindringen kann. Insbesondere wenn die Bausubstanz und das Fundament nicht mehr komplett dicht sind, sammelt sich das Gas in Kellerräumen an. Bei leichtem Unterdruck, etwa durch aufsteigende Warmluft in einem Gebäude, kommt es auch zum Kamineffekt und die radonhaltige Bodenluft wird regelrecht in das Gebäude gesaugt. Aus diesem Grund gilt Radon nach dem Rauchen als zweitgrößter Risikofaktor für Lungenkrebs.

Radioaktive Strahlung in Innenräumen ist eine unterschätzte Gefahr

Wenn über radioaktive Strahlung gesprochen wird, denken die meisten Menschen an Extremsituationen wie Tschernobyl oder Fukushima. Die Tatsache, dass radioaktive Strahlung jeden tagtäglich betrifft, ist nicht im kollektiven Bewusstsein verankert. 2018 wurden das Strahlenschutzgesetz (StrlSchuG) und die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) verabschiedet um die Bevölkerung zu schützen und den beruflichen und medizinischen Strahlenschutz zu verschärfen. Dabei richten sich weite Teile an diejenigen Berufsgruppen, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt wird, indem sie beispielsweise mit radioaktiven Substanzen oder Kernbrennstoffen umgehen, in Laser- oder Röntgeneinrichtungen tätig sind, in der Radiologie oder Nuklearmedizin arbeiten. Da die Gefahr durch Radon in Innenräumen bisher unzureichend angegangen wurde, wurde das Strahlenschutzgesetz gemäß der EURATOM-Richtlinie modernisiert. Durch eine neue Regelung sollen jetzt die Arbeitnehmer aller Betriebe unabhängig von Branche oder Größe geschützt werden. Für alle Arbeitsplätze und Aufenthaltsräume wurde ein Grenzwert für Radon von 300 Bq/m3 (gemittelt über ein Jahr) festgelegt. Wird dieser Wert überschritten, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, Maßnahmen zum Senken der Radonkonzentration zu veranlassen. Die durchschnittliche Radonkonzentration in Gebäuden liegt bei etwa 50 Bq/m3, deswegen werden von dieser Regelung nur sehr wenige Betriebe betroffen sein.

Welche Betriebe zur Messung der Radonkonzentration verpflichtet sind

Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, hat der Gesetzgeber ein abgestuftes Vorgehen festgelegt. Es soll sicherstellen, dass nur diejenigen Betriebe die zusätzliche Arbeit auf sich nehmen müssen, bei denen tatsächlich das Risiko besteht, eine zu hohe Radonkonzentration in den Innenräumen zu haben. Deswegen ist ein Betrieb nur dann zur Radonmessung verpflichtet,
- Wenn sich Arbeitsplätze im Keller- oder Erdgeschoss in einem Radon-Versorgungsgebiet befinden.
- Wenn das Unternehmen in einem Arbeitsfeld mit erhöhter Radon-Exposition tätig ist, wie Bergwerke, Schächte, Radonheilbäder oder Anlagen der Wasserwirtschaft und in einem Strahlenschutzgebiet liegt.
- Wenn die zuständige Landesbehörde die Radonmessung anordnet.
Für Handwerksbetriebe ist in der Regel nur der erste Punkt von Relevanz. Deswegen gilt es als Erstes zu klären, ob Ihr Betrieb in einem sogenannten Radon-Versorgungsgebiet liegt, also in einem Gebiet, in dem damit zu rechnen ist, dass der Referenzwert überschritten wird, denn die Radonkonzentration ist nicht überall gleich. Betroffen sind insbesondere die Mittelgebirge, wie das Fichtelgebirge, der Harz oder der Schwarzwald und auch Granitgestein erhöht das Risiko. Die Bundesländer sind dafür zuständig, Radon-Versorgungsgebiete auszuweisen.

Was passiert, wenn der Grenzwert überschritten wird?

Liegt ein Betrieb in einem Radon-Versorgungsgebiet, so ist die Konzentration mit Messgeräte einer anerkannten Stelle über die Dauer von 12 Monaten zu messen. Das ist unkomplizierter und kostengünstiger, als es den Eindruck hat. Das Dosimeter kann man sich zuschicken lassen, an die entsprechenden Stellen in Keller und Erdgeschoss legen und später an die Messstelle zurück senden. Dies sollte jedoch innerhalb von 18 Monaten nach Bekanntgabe des Radon-Versorgungsgebiets erfolgen. Ergeben die Messungen, dass der Grenzwert überschritten wird, können Maßnahmen zum Sanieren und Abdichten erforderlich werden. Zuvor gilt es jedoch zu erproben, ob durch regelmäßiges und ausreichendes Lüften die Konzentration entsprechend abgesenkt werden kann. Wenn bei einer Kontrollmessung binnen 24 Monaten jedoch herauskommt, dass der Wert noch immer überschritten wird, sind bauliche Schritte notwendig.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.