Die letzte Stunde der gelben und rosa Zettel hat geschlagen

2020 wurden 445 Millionen Rezepte ausgestellt, dazu kommen unzählige Krankmeldungen. Doch bald ist Ende mit der Zettelwirtschaft und alles läuft über das Smartphone.

Schon seit dem 1. Oktober haben Arztpraxen die Möglichkeit, die Daten für eine Krankschreibung digital an die zuständige Krankenkasse zu übermitteln. Eigentlich war die Umstellung schon für Anfang des Jahres vorgesehen, doch wegen der Updates der Praxisverwaltungssysteme war eine Verschiebung erforderlich. Bis Ende des Jahres läuft eine Übergangsregelung, doch ab Januar 2022 wird die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) verpflichtend. Für die Arbeitnehmer bedeutet das eine Erleichterung: Statt sich selber darum zu kümmern, dass die AU bei der jeweiligen Krankenkasse landet, übernehmen das jetzt die Ärzte. Ab Juli 2022 wird auch das bisher übliche Ausstellen der gelben Scheine zur Vorlage beim Arbeitgeber entfallen – der Arbeitnehmer muss im Falle einer Arbeitsunfähigkeit seinen Chef nur noch vorab informieren. Für privatversicherte Patienten ist die Umstellung vorerst nicht möglich. Sie bekommen weiterhin die Ausdrucke mit. Ziel ist es, dass Verwaltungsabläufe sicherer, schneller und kostengünstiger abgewickelt werden. Wie gut das funktioniert, wird sich in der Praxis zeigen. Man kann sich aber schon sicher sein, dass sich die zahlreichen Konflikte, ob die AU rechtzeitig beim Arbeitgeber eingegangen ist, bald erledigt haben. Rechtsgrundlage sind das Anfang 2022 in Kraft getretene Dritte Bürokratieentlastungsgesetz (BEG II) sowie das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

Auch Rezepte laufen bald über das Smartphone

Auch der rosa Zettel gehört bald der Geschichte an und wandert aufs Smartphone. In einigen EU-Ländern ist das Rezept in elektronischer Form schon heute Standard, in Deutschland hingegen mussten Patienten gegebenenfalls nur für das Rezept zur Arztpraxis fahren. Ab Januar 2022 bekommt dann jeder Patient das Rezept direkt auf sein Smartphone und kann es an die Apotheke seiner Wahl übermitteln. Um die Infrastruktur des Wohnortes zu unterstützen empfiehlt es sich, keinen Online-Medikamentenhändler zu wählen, sondern die Apotheke vor Ort. Dort prüft man, ob das gewünschte Arzneimittel vorrätig ist und kann es, wenn nicht, direkt bestellen und zeitnah ausgeben. Man braucht also nur ein Smartphone und muss damit umgehen können. Zudem bekommt man für die Nutzung per App eine elektronische Gesundheitskarte (mit CAN oder PIN), die die sogenannte Near Field Communication (NFC) ermöglicht. Die Ausgabe der elektronischen Karten hat erst begonnen. Fällt einem der Umgang mit dem Smartphone schwer oder man besitzt keines, soll es aber weiterhin möglich sein, das Rezept in Papierform zu erhalten. Die Rechtsbasis für das E-Rezept ist das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG). Doch auch hier kam es zu Verzögerungen. Eine seit Juli laufende Testphase in Berlin und Brandenburg wurde bis November verlängert und ab Januar sind zunächst nur die verschreibungspflichtigen Arzneimittel per E-Rezept erhältlich. Danach sollen schrittweise auch alle anderen Medikamente, Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege digital verschrieben werden können.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.