Deutsches Handwerksgeschäft leidet stark unter dem Brexit

Viele deutsche Handwerker boten ihre Leistungen jahrelang in Großbritannien an. Doch der Brexit legt dem Arbeiten im Nicht-mehr-EU-Land große Hindernisse in den Weg.

Deutsches Handwerk leidet unter Brexit © Michael Flippo / stock.adobe.com

Deutsche Handwerker haben in Großbritannien einen exzellenten Ruf. Deswegen haben sich über die Jahre viele Deutsche Unternehmen ein Standbein auf der Insel aufgebaut. Jahrzehntelang war das kein Problem: Einfach über den Ärmelkanal setzen und losarbeiten, doch der Brexit stellt neue Hürden. "Die Dienstleistungserbringung vor Ort geht fast nur noch mit Visum, und die Visumsregelungen sind sehr restriktiv", sagt Karl-Martin Fischer von der Außenwirtschaftsberatung Germany Trade and Invest. Auf den ersten Blick scheint das Visum für Contractual Service Suppliers, also Erbringer vertraglicher Dienstleistungen, genau zu passen. Doch für das Visum ist ein Hochschulabschluss vorgeschrieben. Dass der Meisterbrief in diesem Zusammenhang dem Bachelor gleichgestellt ist, hilft wenig, wenn der Plan eigentlich war, dass die Kollegen fahren sollen, während der Meister zu Hause bleibt. "Wir sind verwöhnt gewesen", schaut Andreas Pauli, Geschäftsführer von Waagen Pauli in Velbert zurück. Denn selbst wenn das Visum kein Problem darstellen sollte, ist noch eine bürokratische Hürde zu überwinden: britische Auftraggeber müssen eine „sponsorship licence“, eine Art finanzielle Garantie, beim britischen Innenministerium beantragen. Das ist teuer, dauert lange und ist mit viel Verwaltungsaufwand verbunden. Und selbst wenn ein Auftraggeber diesen zusätzlichen Aufwand in Kauf nimmt, genießen britische Handwerker im Bauhandwerk einen nationalen britischen Vorbehalt, sodass London derzeit keinen Marktzugang garantiert.

Die kurzfristige Entscheidung hat zu großer Rechtsunsicherheit geführt

Bisher lässt sich noch nicht abschätzen, wie viele deutsche Unternehmen betroffen sind, insbesondere da das Reisen auch durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt ist. Doch eins steht fest: Eine frühere Entscheidung und damit eine angemessene Vorbereitungszeit, hätten dieses Chaos verringern können. Industrieanlagenanbieter Pauli schimpft darüber, dass der britische Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erst am heiligen Abend, wenige Tage vor dem Brexit, zu einer Einigung gekommen sind. Trotz der Vermeidung flächendeckender Zölle sei die Umstellung riesengroß gewesen und die Behörden waren wochenlang überfragt, zuständige Stellen überlastet. "Es gibt keine Rechtssicherheit", verleiht Christian Kohnen, Schreinermeister aus Tönisvorst seinem Frust Ausdruck. In der Hoffnung, dass sich die Regeln noch ändern werden, nimmt er weiter Aufträge in Großbritannien an. "Die Regierung möchte sicherstellen, dass sich die Arbeitgeber darauf konzentrieren, in die Qualifizierung unserer eigenen Arbeitskräfte zu investieren und die Abhängigkeit von Arbeitskräften aus Übersee zu verringern", teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Statt offene Stellen durch Zuwanderung zu schließen, sollen britische Arbeitgeber auf heimische Arbeitnehmer zurückgreifen, die in großen Teilen zurzeit vor einer unsicheren Zukunft stünden. Ein letzter Hoffnungsschimmer ist die Einführung eines neuen „Global Business Mobility“-Visums, die für 2022 geplant ist. Doch bis dahin muss gebangt werden.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.