Das Berliner Stadtschloss öffnet seine Tore

1950 wurde es abgerissen und 2021 kann man wieder durch das eindrucksvolle Schloss schlendern. Der ehemalige Sitz der deutschen Kaiser öffnet nach und nach seine Tore.

 

Das Berliner Stadtschloss öffnet seine Tore © viappy

Das Berliner Stadtschloss galt als ein Hauptwerk des norddeutschen Barock. Allerdings wurde es im Laufe des zweiten Weltkriegs stark beschädigt, sodass sich die Bundesrepublik dazu entschied den ehemaligen Hauptsitz der brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Könige und deutschen Kaiser abzureißen. Auf Beschluss des Deutschen Bundestags wurde es zwischen 2013 und 2020 wieder aufgebaut und wird nun nach und nach wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Als Humboldt-Forum beherbergt es moderne Ausstellungsräume hinter barocken Fassaden, die als detailreiche Rekonstruktionen entstanden. Die Eröffnung fand am 16. Dezember 2020 Pandemie-bedingt zunächst virtuell statt. Am 9. Juni wurden dann die Außenräume der Schlossanlage geöffnet, sodass Besucher den neuen Berlin Stadtraum mit dem Schlüterhof, der Passage sowie den Spree-Terrassen am Ufer entdecken können. Am 20. Juli eröffnen das Erdgeschoss sowie des erste Obergeschoss mit insgesamt sechs Ausstellungen. Auch der Schlosskeller mit insgesamt 1.500 qm wird zugänglich sein. Am 22. September eröffnen die zweite und dritte Etage im Westflügel. In der ersten Jahreshälfte 2022 wird schließlich der Besuch der gesamten 30.000 qm des Hauses mit all seinen Angeboten offen stehen.

Eine wichtige städtebauliche Lück wurde geschlossen


Mit dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist ein weiteres und sehr wichtiges Stück Stadtreparatur im Herzen Berlins abgeschlossen. Das Schloss war Ausgangspunkt für das berühmteste bauliche Ensemble der Stadt, bestehend aus Zeughaus, Dom, Neue Wache, Humboldt-Universität und Museumsinsel. Alle diese Gebäude bezogen sich auf ein Schloss, das nicht stand. Durch den Wiederaufbau wurde nun die städtebauliche Lücke geschlossen. Der italienische Architekt Franco Stella konnte 2008 den internationalen Planungswettbewerb um den Wiederaufbau für sich entscheiden. Er hat einige Neuerungen eingeführt, so entspricht der Spree-Winkel, der weniger entscheidend für die Ensemblewirkung ist, der heutigen Formensprache. Zudem entwarf er eine offen zugängliche Passage, die quer durch das Schloss führt, als Ausdruck der neuen Nutzung: Statt als kaiserlicher Wohn- und Residenzsitz dient das Schloss unter dem Namen „Humboldt-Forum“ als öffentlicher Ort der Begegnung und der Bildung. Es beherbergt 43.000 qm Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen, unter anderem für das Stadtmuseum Berlin, das Museum für asiatische Kunst, das Ethnologische Museum, die Humboldt-Universität und für eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes der Stiftung Humboldt Forum. Ein faszinierender Bestandteil der Ausstellung zur Geschichte des Ortes sind die Reste des Kellers und der Katakomben sowie eines alten Klosters, das vor dem Bau des ursprünglichen Schlosses dort gestanden haben muss. Sie wurden bei archäologischen Ausgrabungen vor Baubeginn gefunden, restauriert und mit einer Betondecke überspannt.


Moderner Ausstellungs- und Veranstaltungsort in historischer Fassade


Die Rekonstruktion der Gebäudehülle bezieht sich auf den Zustand vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Fassade entsprach zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend den Entwürfen des Baumeisters Andreas Schlüter, der das einstige Renaissanceschloss ab 1698 in einen prunkvollen Barocksitz nach italienischen Vorbildern verwandelt hat. Die Rekonstruktion des historischen Erscheinungsbildes beschränkt sich auf die Fassade, während das Innenleben den heutigen Anforderungen an einen modernen Ausstellungs- und Veranstaltungsort entspricht. Die Wände des Wiederaufbaus sind mehr als einen Meter dick. Im Inneren befinden sich tragende Betonwände (30-50 cm), darauf folgt eine Dämmschicht (12 cm) und die rekonstruierte Fassadenschicht (64 cm). Die Fassade setzt sich hauptsächlich aus Ziegeln und plastischen Steinmetzarbeiten aus Sandstein zusammen. Den äußeren Abschluss der Ziegelflächen bildet ein Kalt-Zementputz (2 cm). Insgesamt wurden 22.000 Sandstein-Werkstücke angefertigt, sowie 2.828 figürliche Darstellungen und 513 Fenster nach historischem Vorbild. Der verwendete Sandstein komme aus verschiedenen Steinbrüchen in Sachsen und Schlesien. Das Stadtschloss bleibt nahe des angepeilten Kostenrahmens. Geplant waren 595 Millionen Euro, in Summe betragen die Kosten 644 Millionen Euro. Hans-Dieter Hegner, Vorstandsmitglied des Humboldt-Forums und verantwortlicher für den Bau, erklärt: „Diese Steigerung geht vor allem darauf zurück, dass die enormen allgemeinen Baupreissteigerungen bei der Aufstellung des Budgets 2011 nicht vorgesehen waren.“

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.