Dachdeckerhandwerk will Sanierungswelle einleiten

116 Millionen Tonnen CO² könnten eingespart werden, wenn die Installation einer PV-Anlage gefördert würde und nur noch auf energetisch sanierten Dächern möglich wäre.

Dachdecker sanieren ein Dach © Gerhard Seybert / stock.adobe.com

Diese Hebelwirkung einer Kombination beider Modernisierungsmaßnahmen zeigt eine Studie des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FiW München). Mit diesen Erkenntnissen beteiligen sich nun der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie (BVZi) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) an der aktuellen Debatte um den klimaneutralen Gebäudebestand. „Um spürbare Anreize zu schaffen, sollten 20 % Förderung für die Gebäudehülle – analog zur BEG-Einzelmaßnahme – zuzüglich weiterer 25 % für die gleichzeitige Installation einer Solaranlage ineinanderfließen“, erklärt Dr. Matthias Frederichs, BVZi-Hauptgeschäftsführer. „In Summe erscheint uns eine Förderung von 45 % für diese Kombimaßnahme als angemessen, um den deutlich größeren Hebel für die Einsparung von CO²-Emissionen bei gleichzeitiger Erzeugung von klimaneutralem Strom bestmöglich zu nutzen. Hier sollte die neue Bundesregierung schnell für eine unbürokratische Förderlandschaft sorgen und ein „Eine-Million-Dächer-Sanierungsprogramm“ für die ersten 100 Tage auflegen.“

10 Millionen Dächer unzureichend gedämmt

Bereits im Jahr 2018 hatte das FiW festgestellt, dass insgesamt 1,6 Milliarden Quadratmeter Dachfläche, und damit über 10 Millionen Dächer, unzureichend gedämmt sind. Eine vollständige Sanierung dieser Dächer bis 2050 könnte die CO²-Emission im Gebäudesektor um 15 Prozent senken, doch um das zu schaffen müsste die Sanierungsquote verdoppelt werden. Um zu zeigen, wie wichtig es ist, die Installation von PV-Anlagen mit einer Sanierung der Dachflächen zu kombinieren, hat das FiW drei Szenarien entworfen. Im ersten wird so weitergemacht wie bisher: Insgesamt würden also bis 2050 300 Millionen Quadratmeter PV-Fläche auf energetisch ungenügend gedämmtes Dach installiert – so wären die Klimaziele kaum zu erfüllen. Im zweiten Szenario wird angenommen, dass 60 Prozent der Dächer, auf denen PV-Anlagen installiert würden, ausreichend gedämmt sind. Das dritte Szenario nimmt an, dass PV-Anlagen grundsätzlich nur noch auf Dächern mit entsprechendem energetischem Standard installiert werden dürfen. Im letzten Szenario würden bis 1050 insgesamt 116 Millionen Tonnen CO²-Äquivalente eingespart. „Die Studie belegt eindrucksvoll, dass es vorrangig darum gehen muss, die Dachflächen, die für die Stromerzeugung durch zusätzliche Solaranlagen genutzt werden, gleichzeitig energetisch zu modernisieren. Denn sind die PV-Module erst einmal installiert, fällt das Dach für Sanierungsmaßnahmen für die nächsten 25-30 Jahre aus“, erklärt Ulrich Marx, ZVDH-Hauptgeschäftsführer. „Daher halten wir es für sinnvoll, Dachsanierung plus Photovoltaik als eine kombinierte Maßnahme durch speziell angepasste Förderprogramme zu forcieren.“

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.