Baustopp an Schulen

An immer mehr Schulen müssen aufgrund des Baustoffmangels Bauarbeiten pausieren. Bildung hat schon unter Corona gelitten - jetzt müssen die Kinder in Baustellen lernen.

Baustopp an den Schulen: Lernen in der Baustelle © Photography by MK / stock.adobe.com

Die Matthias-Clausius-Grundschule/Gottfriedschule in Wethmar in Nordrhein-Westfalen musste die Arbeiten am Erweiterungsbau mehrere Wochen unterbrechen. Ursprünglich sollten die Holzbauelemente für den zweigeschossigen Erweiterungsbau in den Osterferien aufgebaut werden. Wegen der europaweiten Engpässe bei der Bauholz-Lieferung war mehrere Wochen lang nur die betonierte Bodenplatte zu sehen. In diesem Fall ging es allerdings noch einmal gut aus: Der Zeitplan war so erstellt, dass man den Rückstand noch einholen und das Gebäude pünktlich eröffnen konnte. Anders sieht es an der Wetzlarer Käthe-Kollwitz-Schule in Hessen aus. Während der Sommerferien sollten Tiefbauarbeiten auf dem Schulhof stattfinden. Da die Rohre nicht rechtzeitig geliefert wurden, sind die Löcher auf dem Schulhof noch immer da. Der Haupteingang ist gesperrt, die Schüler müssen einen großen Umweg über den Sportplatz laufen und die Verwaltung muss zusätzliche Security-Mitarbeiter bezahlen, die darauf achten, dass kein Schüler die verbotene Abkürzung über die Baustelle nimmt. Wann die Löcher wieder geschlossen werden, ist unklar.

"Wir sind schlichtweg ausgeliefert", sagt Kerstin Weber, Leiterin der Schulbauabteilung im Lahn-Dill-Kreis, resigniert. Bei bereits angefangenen Bauprojekten rechnet sie mit einer Preissteigerung von zehn bis 15 Prozent. „Was bei so einer Millionenbaustelle ja richtig Geld ist. Wenn wir in dem Bereich unter 20 Prozent bleiben, dann sind wir noch mal mit einem blauen Auge davongekommen." Der hessische Rundfunk hat auf eine Rundfrage bei den hessischen Kreisen und kreisfreien Städten von fast allen die Rückmeldung bekommen, dass Bauarbeiten an Schulen länger dauern und teurer würden als geplant. Nach Auskunft der Kreisverwaltung im Main-Taunus-Kreis verlängern sich die Arbeiten an zwei Schulen um jeweils ein Jahr mit Mehrkosten von je rund einer Millionen Euro. Bisher ist Hessen das einzige Bundesland, in dem das Problem so konkret benannt wurde, doch es handelt sich um ein Problem in ganz Deutschland. Im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz etwa verzögerten sich laut der Schulbehörde Sanierungs- und Neubauarbeiten an vier Schulen. Der Neubau der integrativen Gesamtschule Kandel konnte nicht wie geplant zum neuen Schuljahr genutzt werden, weil die Möbel nicht geliefert werden konnten und am Europa-Gymnasium in Wörth kamen Dämmmaterialien und Fertig-Decken viel später als erwartet.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.