Baulücken: Brachfläche mit Potential

Baulücken bieten oft bisher ungenutzte Möglichkeiten und sind eine gute Chance, die Innenentwicklung von Städten voranzubringen und gleichzeitig Wohnraum zu schaffen.

Baulücken clever nutzen, um neuen Wohnraum zu schaffen © AH Fotobox / stock.adobe.com

In nahezu jeder Stadt oder Gemeinde gibt es Straßenzüge mit einer oder mehreren Baulücken. Auf diesen Grundstücken liegt keine Bebauung wie in den umliegenden Bereichen vor. Das stört oftmals den harmonischen/homogenen Gesamteindruck. Baulücken gelten daher oft als städtebauliche Problemzonen. Als Baulücken werden zum einen komplett unbebaute Grundstücke bezeichnet. Aber auch wenn ein großer Unterschied der Geschossanzahlen zwischen angrenzenden Gebäuden vorliegt, spricht man von einer Baulücke. Aus städtebaulicher Sicht ist es erstrebenswert, entweder ein Gebäude zu errichten oder ein vorhandenes aufzustocken, um innerhalb des Straßenzuges wieder eine homogene Fassadenfront zu haben. Wenn hässliche Lücken verschwinden, gewinnt auch das städtebauliche Gesamtbild. Auf diese Weise bietet Nachverdichtung einen echten Mehrwert: Das Erscheinungsbild von Städten und Gemeinden wird dadurch attraktiver und gleichzeitig wird Wohnraum geschaffen.

Platz für neue Möglichkeiten

Es ist kein Geheimnis, dass vorhandener und auch bezahlbarer Wohnraum in den Städten seit Jahren immer knapper wird. Auch da bietet die Nachverdichtung unbestreitbare Vorteile, denn hier kann Wohnraum geschaffen werden, ohne dass dafür Freiflächen geopfert werden müssen. Ein weiterer Pluspunkt: Es fallen keine Erschließungskosten an. Straßen sowie Kanal- und Stromanschlüsse sind bereits vorhanden. Auch die Infrastruktur ist in der Regel bereits vorhanden und kann mitgenutzt werden. Es gibt noch einen weiteren positiven Nebeneffekt, der auf den ersten Blick nicht so augenscheinlich ist: Durch die Nachverdichtung reduziert sich das städtische Verkehrsaufkommen. Denn in der Stadt können viele Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden. Der Einzelhandel sowie Schulen und Kitas befinden sich oftmals in direkter Nachbarschaft. Deshalb sprechen Städteplaner mittlerweile immer häufiger nicht mehr nur von einer Nachverdichtung, sondern auch von einer Innenentwicklung.
Brachliegende Grundstücke verfügen also über ein enormes Potential, das man aktivieren sollte. Viele Städte haben das bereits erkannt. Dort erfreut sich die Nachverdichtungen mit nachträglicher Bebauungen von Baulücken zunehmender Beliebtheit und wird mancherorts sogar gezielt gefördert. Die Stadt Köln etwa hat bereits im Jahr 1990 ein Baulückenprogramm aufgestellt. Dieses versucht, das Potenzial von Baulücken für neuen Wohnraum aufzudecken. Die Stadt Köln will das Bewusstsein für städtebauliche Problemzonen schärfen und auch Eigentümer sowie Kommunen für das Problem sensibilisieren.

Klimafreundliche Stadtentwicklung

Dabei sollte aber nicht jede freie Fläche zwangsläufig bebaut werden, wie es in fernöstlichen Mega-Metropolen vielfach der Fall ist. Es muss auch nicht immer reiner Wohnraum geschaffen werden. Eine weitere Idee ist, brachliegende Grundstücke in der Stadt so zu nutzen, dass die Lebensqualität für alle Anwohner erhöht wird. Parkanlagen, Grünflächen oder ein Spielplatz sind da beispielsweise denkbar. Zudem gewinnt der städtische Gartenbau immer mehr an Bedeutung: Dachgärten und weitläufige Grünanlagen auf Dächern liegen im Trend. Durch das sogenannte Urban Gardening können in der Stadt versiegelte Flächen reduziert werden, wodurch die Artenvielfalt von Flora und Fauna unterstützt wird.

Mut zur Baulücke

Bei allen Vorteilen lässt aber eines nicht wegdiskutieren: Eine Baulücke bringt meist keine idealen Voraussetzungen mit sich. Oft handelt es sich um lange, schmale Grundstücke. Auf großen Wohnraum müssen Bauherren trotzdem nicht verzichten: Mit dem richtigen Architekten kann selbst in der kleinsten Baulücke ein wahres Platzwunder entstehen. Ein gutes Beispiel sind die bekannten Lücken- bzw. Grachtenhäuser der Niederländer. Unsere Nachbarn bauen auf sehr schmalen Grundflächen sehr abwechslungsreiche und ansprechende Innenräume.

Die Planung eines Hauses in einer Baulücke ist jedoch sehr aufwendig. Denn der Architekt muss nicht nur ein gelungenes Haus konzipieren, sondern auch darauf achten, dass dieses sich in die bestehende Umgebung einfügt. Idealerweise sollte daher die Bebauung einer Baulücke ein Architekt übernehmen, der bereits Erfahrung mit dieser Art von Grundstücken hat.

Doch wie findet man eine Baulücke?

Eine Baulücke in passender Lage zu finden, ist nicht immer einfach. Manche raten dazu, einfach mal mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Suchende können sich natürlich auch an das zuständige Bauamt wenden. Dort können sie den Bebauungsplan einsehen und sich darüber informieren, welche Grundstücke bebaut werden dürfen und welche Voraussetzungen das Gebäude konkret erfüllen muss. Der Bebauungsplan regelt auch zahlreiche bautechnischen Fragen, zum Beispiel wie viele Stockwerke das Gebäude haben darf und wie groß der Abstand zum Nachbarn sein muss.

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