Ausbildung in der Krise fördern

Das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ wird verlängert und signifikant erweitert. Auch die Allianz für Aus- und Weiterbildung ergreift weitreichende Maßnahmen.

Ausbildung auch in der Krise fördern © ehrenberg / stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie erschwert auch jungen Menschen den Übergang ins Berufsleben. Wer jetzt nach dem Schulabschluss überlegt, wie es weitergehen soll, hat oft die Sorge, in einer Ausbildung vieles zu verpassen, da Schulen und Betriebe zeitweise geschlossen sind. Bereits 2020 ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent gesunken. Am 1. August 2020 wurde mit der ersten Förderrichtlinie des Bundesprogramms „Ausbildungsplätze sichern“ reagiert. Mit diesem erhielten kleine und mittlere Betriebe Ausbildungsprämien für neue Ausbildungsverträge bei Erhalt (bisher einmalig 2.000 Euro) oder Erhöhung (bisher einmalig 3.000 Euro) des bisherigen Ausbildungsniveaus, Zuschüsse zur Verhinderung von Kurzarbeit und Übernahmeprämien bei Insolvenz des ursprünglichen Ausbildungsbetriebs. Im Dezember 2020 wurde das Programm bereits durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) weiterentwickelt, um mehr Betriebe und Ausbildungsverträge in die Förderung einzubeziehen.

Was ändert sich im Programm „Ausbildungskräfte sichern“?

Damit 2021, im zweiten Corona-Jahr, die Zahl der Ausbildungsverträge nicht noch weiter fällt, wird aktuell der Entwurf einer zweiten Änderung diskutiert. Am 17. März hat das Bundeskabinett das von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf den Weg gebrachte Programm verabschiedet. Ursprünglich sollte die Förderung mit Ausbildungsprämien am 15. Februar 2021 enden, diese sollen nun aber vorerst bis zum 31. Mai 2021 verlängert werden. Für Ausbildungen, die ab dem 1. Juni 2021 beginnen, wird eine neue und höhere Fördersystematik in Kraft gesetzt. Die Ausbildungsprämie wird von 2.000 beziehungsweise 3.000 Euro auf 4.000 beziehungsweise 6.000 Euro verdoppelt. Zum 1. Juni erhalten auch Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern die Ausbildungsprämie, bisher lag die Grenze bei 259 Mitarbeitern. Die Übernahmeprämie wird bis Ende 2021 verlängert und auf 6.000 Euro angehoben. Außer bei Insolvenz wird auch eine Förderung möglich sein, wenn die Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb erfolgt ist oder droht, weil diesem die Fortführung der Ausbildung in Folge der Corona-Krise bis zum Ende nicht mehr möglich oder zumutbar ist. Neu eingeführt wird der „Lockdown II-Sonderzuschuss“ für Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern. Wenn diese die Geschäftstätigkeit aufgrund coronabedingter behördlicher Anordnungen einstellen oder stark reduzieren mussten, die Ausbildung aber dennoch an mindestens 30 Tagen fortgeführt wurde, erhalten sie einen Zuschuss von 1.000 Euro je Auszubildenden. Ausbildungsbetriebe, die eine Förderleistung beantragen wollen, können dies bei ihrer zuständigen Agentur für Arbeit mittels des vorgesehenen Antragsformulars machen. Auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit stehen Informationen zum Bundesprogramm zur Verfügung.

Jugendliche müssen die Möglichkeit zur Berufsorientierung haben

Während sich das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ an Unternehmen wendet, widmet sich die Allianz für Aus- und Weiterbildung verstärkt den jungen Menschen. Dazu wollen sie Jugendliche verstärkt ansprechen und bei der beruflichen Orientierung und der Anbahnung von Ausbildungsverträgen unterstützen, bei der Qualitätssicherung der Ausbildung mitwirken, bei der Prüfungsvorbereitung helfen und bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. "Mit unserer gemeinsamen Aktion unterstützen wir junge Menschen und Betriebe dabei, dass auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie begonnene Berufsausbildungen erfolgreich zum Abschluss gebracht und neue Ausbildungsverträge geschlossen werden können", teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit. Auch Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDB) unterstützt die „gemeinsame Aktion“ und sieht in der Verlängerung des Bundesprogramms eine „wichtige Unterstützung des Ausbildungsengagements der Handwerksbetriebe“. Wollseifer betont, dass viele Betriebe noch Auszubildende suchen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger stimmt ihm zu und betont, wie wichtig es sei, dass bei Schülern und Eltern die Botschaft ankommt: „Ausbildung ist nicht wegen Corona geschlossen.“ Dazu will die Allianz insbesondere die digitale Berufsorientierung stärken und Karliczek teilt mit, dass der Bund die Fülle der bestehenden Angebote der digitalen Berufsorientierung auf einer neuen Plattform verknüpfen will.

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Hannah Simons

Hannah Simons ist seit 2020 für die ibau GmbH tätig. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie Artikel für den News-Bereich und das Glossar. Dabei verfolgt sie das Ziel komplexe Inhalte einfach und gut verständlich aufzubereiten.