Asbest: EU will neue Grenzwerte einführen

Die steigende Zahl an Gebäudesanierungen für den Klimaschutz könnte zu zusätzlichen Asbest-Opfern führen, fürchten Experten. 

Asbest neue Grenzwerte © EKH-Pictures

Im Zuge der Arbeiten für mehr Energieeffizienz werden häufiger als bisher alte Gebäude saniert und somit auch asbesthaltige Materialien entfernt. Dies stellt ein zunehmendes Gesundheitsrisiko dar, so die EU-Kommission.
Asbest gilt nicht ohne Grund als extrem gesundheitsgefährdend. In seiner Ursprungsform ist der Stoff nicht gefährlich, aber aufgrund seiner Aufspaltungseigenschaft kann er dennoch zur Gefahr werden. Asbest besteht aus vielen winzigen Fasern, die durch Witterung, Abnutzung oder andere äußere Einwirkungen nach und nach freigesetzt werden. Leider lassen sich Asbestfasern mit dem bloßen Auge nicht erkennen; darüber hinaus sind sie geruchsneutral und gelangen so oft unbemerkt in die Lunge. Wenn sie sich einmal in der Lunge befinden, können sie dort weder abgebaut noch ausgeschieden werden. Asbestfasern reizen das Gewebe und können langfristig zu Vernarbungen (Asbestose) und sogar zu Lungenkrebs führen – auch noch nach Jahrzehnten. Aus diesem Grund sind die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten seit dem Jahr 1993 verboten.

Asbest in älteren Gebäuden

Leider befinden sich jedoch noch immer Altlasten in älteren Bestandsgebäuden, was auch an der Langlebigkeit von Asbest liegt. Experten geben an, dass der gefährliche Stoff zwischen 1960 und 1990 in mehr als 3000 Produkten eingesetzt wurde. Rund 70 Prozent des Asbests wurde zu Asbestzement verarbeitet und in Gebäuden verbaut. „In Häusern, die zwischen 1960 und 1990 gebaut wurden, ist mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit Asbest zu finden“, sagt Torsten Mußdorf, Geschäftsführer des Norddeutschen Asbestsanierungsverbandes (NAV). Aus Asbestzement wurden Platten hergestellt, die in Dächern, Fassaden oder Luftschächten verbaut wurden. Auch Carports wurden mit diesen Platten gebaut. Weniger bekannt ist, dass Asbest auch in Fliesenkleber, Fensterkitt, Dichtungsschnüren, Rohrummantelungen oder in Fußbodenklebern enthalten sein kann. Auch Putze und Spachtelmassen können Asbest enthalten.

Wie mit Asbest umgehen?

Viele Eigenheimbesitzer wissen nicht, dass sich in ihrem Haus Asbest befindet. Bei Renovierungsarbeiten können sie daher leicht asbesthaltige Produkte beschädigen und so versehentlich Asbestfasern freisetzen. Gerade in Produkten wie Fliesenkleber oder Fensterkitt kann ein Laie den gefährlichen Stoff kaum identifizieren. Daher darf nur der Fachmann asbesthaltige Produkte zurückbauen und entsorgen.
Es macht allerdings im Hinblick auf mögliche Gefahren einen Unterschied, um welche Art von Asbest es sich handelt. Besonders gefährlich sind Produkte mit schwach gebundenem Asbest. Hier liegt der Asbestanteil nicht selten bei über 60 % und ist somit deutlich höher als bei anderen Asbestprodukten. Darüber hinaus neigt er dazu, Fasern abzugeben. Hinzu kommt, dass er eine weniger beständige Bindung aufweist und deshalb die Asbestfasern leichter freigesetzt werden können. Dies passiert durch gewöhnliche Abnutzungsprozesse oder durch Bauarbeiten und Erschütterungen.
Bei Asbestzement handelt es sich um festgebunden Asbest, da hier der Asbest fest im Zement eingebunden ist. Er kommt in Asbestzementprodukten wie Dachplatten, Fassadenplatten oder Fallrohren vor. Asbestzement stellt für die Bewohner des Hauses keine Gefahr dar – solange er in Ruhe gelassen wird. Bei normaler Nutzung setzen sich keine Asbestfasern frei. Gefährlich wird es nur, wenn Asbestprodukte ohne ausreichende Schutzmaßnahmen mechanisch bearbeitet werden. Hierbei können Asbestfasern freigesetzt werden. Da das Risiko der Faserfreisetzung nur beim Ausbauen besteht, nicht aber bei normaler Nutzung des Gebäudes, besteht hier auch kein Sanierungsgebot.
Da aber immer mehr Gebäude aufgrund einer besseren Energieeffizienz saniert werden, müssen auch öfter als bisher asbesthaltige Produkte entfernt werden. Dies sei ein gesundheitlicher Risikofaktor, so die EU-Kommission. Als Konsequenz will sie die Grenzwerte für die arbeitsbedingte Asbestexposition senken. Im kommenden Jahr soll es hierzu einen konkreten Vorschlag geben.

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Iris Jansen

Iris Jansen verstärkt seit Juli 2021 als Content-Managerin unser Redaktionsteam. Als Chefredakteurin unserer Printmagazine informiert sie unsere Kunden über neue Entwicklungen innerhalb der Bauwirtschaft. Darüber hinaus schreibt sie Ratgeber- und Glossarartikel für unsere Onlinemagazine sowie aktuelle Texte für den News-Bereich. Für unsere vielfältigen Themenbereiche recherchiert sie täglich und hat stets im Blick, was sich im Bauwesen gerade tut. Einer ihrer Schwerpunkte ist es, komplexe Sachverhalte aus dem Ausschreibungs- und Vergabebereich strukturiert und verständlich aufzubereiten.