Losverfahren

Losverfahren helfen bei Planungswettbewerben dabei, die Zahl der Bewerber zu reduzieren, was automatisch zu einer zufälligen Bewerberauswahl führt.

Definition: Was ist ein Losverfahren?

Wenn der Bewerberkreis bei einer Architektur- oder Ingenieurleistung auf Basis objektiver Kriterien nicht ausreichend eingeschränkt werden kann, um die Verhandlungen zu beginnen, so hat der Auslober die Möglichkeit, den Bewerberkreis durch ein Losverfahren weiter zu reduzieren. Damit unterscheidet sich das Losverfahren stark von der Aufteilung nach Losen, bei dem die Bewerberanzahl in Fachlose bzw. Mengenlose unterteilt wird.

Besonderheit bei Architekturleistungen

Die Regelung zum Losverfahren stellt eine Besonderheit innerhalb des Systems der Beschaffung von Architektur- und Ingenieurleistungen dar. Dies liegt darin begründet, dass es sich hierbei um eine kreative Leistung handelt und nicht um einen gegenständlichen Auftrag. Angebot und Preis können dabei nur schwer gegenübergestellt werden. Beim Losverfahren handelt es sich zudem um eine zufällige Entscheidung, welche Bewerber an den Verhandlungen teilnehmen dürfen, und nicht um eine objektive Auswahl des besten Bewerbers. Bei herkömmlichen, öffentlichen Vergabeverfahren ist dies für gewöhnlich durch § 97 GWB und die darin verankerten Wettbewerbsgrundsätze untersagt.

Wann ist ein Losverfahren zulässig?

Das Losverfahren ist in dieser Form nur zulässig, weil die getroffene Entscheidung nicht festlegt, wer den Zuschlag erhält. Einzig in Ausnahmefällen darf es dazu angewandt werden, den Bewerberkreis nach einer objektiven Beurteilung weiter zu reduzieren, um mit den ausgelosten Bietern in die Verhandlung zu gehen.

Es ist grundsätzlich bei Vorliegen gleichwertiger Teilnahmeanträge zulässig, jedoch nur dann, wenn eine entsprechende Information der Teilnehmer erfolgt ist. Das Losverfahren setzt voraus, dass die geeigneten Bewerber gemäß § 51 VgV in der ersten Auswahlstufe nach den Mindestanforderungen und in weiteren Auswahlstufen nach weiteren fachlichen Gesichtspunkten ausgewählt wurden.

Unzulässigkeit des Losverfahrens

Ziel des Vergabeverfahrens ist es, den Teilnehmer auszuwählen, der die bestmöglichen Leistungen erwarten lässt. Bewerber, die die geforderten Leistungen prognostisch am besten erbringen würden, dürfen daher nicht ausgeschlossen werden. Wurde im Vorfeld nicht abgeklärt, welche Bewerber für die Ausführung der Leistung am geeignetsten sind, stellt das Losverfahren eine Rechtsverletzung dar. Dies lässt sich damit begründen, dass der bestgeeignete Bieter aufgrund der unzureichenden Differenzierung im Rahmen der Auslosung ausscheiden kann.

Der Losentscheid als letztes Mittel

Wenn allerdings eine rein objektive Auswahl nach qualitativen Kriterien unter gleich qualifizierten Bewerbern nicht mehr nachvollziehbar durchführbar ist, darf als letztes Mittel das Losverfahren gemäß § 75 Abs. 6 VgV in Erwägung gezogen werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn dem Auslober keine objektiven Auswahlkriterien mehr zur Verfügung stehen, um die Teilnehmerzahl weiter zu reduzieren. Auf diese Weise soll der Teilnehmerkreis reduziert werden, da für die Verhandlungen im Allgemeinen eine Zahl von maximal fünf Teilnehmern als sinnvoll angesehen wird. Der Losentscheid als letztes Mittel gilt auch für Verhandlungsverfahren ohne Wettbewerb.