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Wirtschaftsnachrichten

    08.02.2010, 08:07 Uhr m.lehmkuhl@ibau.de
    "Modernisierungstempo im Wärmemarkt müsste verdoppelt werden"
    Essen/Berlin - Heizungsmodernisierung: Bis 2020 seien in Deutschland unter anderem rund 10 Mio. Heizungen modernisierungsbedürftig, um die vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen. Um diesem Ziel näher zu kommen, müssten pro Jahr etwa 1 Mio. Heizungsanlagen modernisiert oder erneuert werden, so Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt IEU im folgenden Beitrag.

    Die internationale Staatengemeinschaft hat uns mit einer schweren Hypothek in das neue Jahrzehnt entlassen: Der Ausgang des Klimagipfels in Kopenhagen im vergangenen Dezember markiert einen herben Rückschlag beim weltweiten Einsatz für mehr Klimaschutz. Die Unfähigkeit, sich auf verbindliche Vorgaben zu einigen, trifft vor allem Deutschland. Denn die Bundesregierung hatte sich bereits vor dem Gipfel dazu verpflichtet, die nationalen Kohlendioxid C02-Emissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu senken. Die EU dagegen verharrt nach den enttäuschenden Verhandlungen in Kopenhagen bei ihrem 20-%-Ziel. Damit die deutsche Wirtschaft keine Wettbewerbsnachteile innerhalb der EU erleidet, ist es im Interesse Deutschlands, in weiteren Verhandlungen ein konkretes internationales Klimaschutzabkommen zu erreichen.


    Bernhard Funk: "Komplizierte Antragsprozesse
    schrecken modernisierungswillige Hausbesitzer
    oft ab, sich mit den Programmen zu beschäftigen."
    Quelle: IEU

    Gleichzeitig bieten Nachverhandlungen auch die Möglichkeit, die klimapolitischen Instrumente noch einmal kritisch zu prüfen. Das gilt insbesondere für den Wärmemarkt. Denn hier müssen bis 2020 rund 85 Mio. t C02 pro Jahr eingespart werden - das ist etwa so viel wie der gesamte C02-Jahresausstoß von Niedersachsen. Ohne Erneuerung des zum Teil massiv veralteten Heizungsbestands wird dies nicht gelingen.

    Bis 2020 sind rund 10 Mio. Heizungen modernisierungsbedürftig. Es ist also mindestens eine Verdopplung des derzeitigen Modernisierungstempos - von heute rund 500 000 auf ca. 1 Mio. Heizungsmodernisierungen pro Jahr - nötig, um mit neuen Anlagen in puncto Energieeffizienz auf den aktuellen Stand der Technik zu kommen. Dazu bedarf es auch einer besser durchdachten und zielführenderen Förderpolitik.

    Drei Weichenstellungen sind in diesem Zusammenhang entscheidend.

    Erstens: Die Förderpolitik muss auf die gewünschten Ergebnisse hin ausgerichtet werden. Grundlage ist hier das gesetzte Klimaziel. Maßstab jeder Förderung muss sein, um welche Menge und mit welcher Effizienz Hausbesitzer mit der jeweiligen Sanierungsmaßnahme den C02-Ausstoß verringern können. Konkret heißt das: Je höher die C02-Einsparung ausfällt, desto mehr sollte sich der Staat an der Investition beteiligen.

    „Ein Zuschuss von mindestens 10 % der Kosten wäre notwendig, um Hauseigentümer zum Ausmustern alter Anlagen zu motivieren.“ Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt

    Im Automobilsektor ist die Orientierung am tatsächlichen C02-Ausstoß mit der neuen Bemessung der Kfz-Steuer bereits umgesetzt worden. Warum also nicht auch im Wärmemarkt? Und: Wenn das Verhältnis von C02-Einsparung und Investitionsvolumen stimmt, ist die Förderung besonders klimaeffizient.

    Zweite Weichenstellung: Der Heizungstausch muss durch finanzielle Anreize belohnt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Sachsen. Seit Mai 2009 unterstützt der Freistaat den Austausch veralteter öl- und Gaskessel durch moderne Brennwertgeräte mit 1250 pro Kessel. Rund 15 000 Anträge wurden bis Anfang November 2009 gestellt. Sie ergeben ein Fördervolumen von rund 16 Mio. und bewirken einen Investitionsimpuls in fünffacher Höhe.

    Aber nicht nur die Bundesländer sind in der Pflicht, sondern auch der Bund. Der Erneuerungsbedarf im Heizungsbereich erfordert es auch, die derzeitige KfW-Förderung des Heizkesseltauschs zu verdoppeln. Ein Zuschuss von mindestens 10 % der Investitionskosten wäre notwendig, um die Hauseigentümer zum Ausmustern ihrer alten Anlagen zu motivieren.

    Drittens brauchen wir mehr Transparenz und Verlässlichkeit in der Förderpolitik. So schrecken zum Beispiel die vielen Ausnahmeregelungen und komplizierten Prozesse Modernisierungswillige oft ab, sich mit den Programmen näher zu beschäftigen. Die staatlichen Fördermaßnahmen sollten generell überarbeitet und für Hausbesitzer verständlicher aufbereitet werden. Außerdem sollten die Programme nachhaltig, das heißt mindestens auf die nächsten zehn Jahre ausgelegt sein. Der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vergebene Bonus für den Einbau effizienter Brennwertheizungen in Kombination mit Solarenergie ist zum Beispiel nach kurzer Förderdauer bereits wieder ausgelaufen. Das ist alles andere als eine verlässliche und stetige Förderstrategie. Es ist aber nicht nur die zum Teil schwer verständliche Förderpolitik, die die Modernisierungsbereitschaft bremst. Hausbesitzer stehen außerdem vor der Entscheidung, welche Sanierungsmaßnahme grundsätzlich für sie die richtige ist und in welcher Reihenfolge Modernisierungsmaßnahmen am wirtschaftlichsten sind.

    Um hier Hilfe und Orientierung zu bieten, hat die Initiative Erdgas pro Umwelt IEU jüngst eine Studie veröffentlicht, die erstmals zwischen baulicher Sanierung und Heizungsmodernisierung vergleicht. Sie verdeutlicht beispielsweise, wie hoch die jährlichen C02-Einsparungen beim Heizungstausch und bei der Hausdämmung in Relation zur Investition sind, wie viel Energie jeweils eingespart wird und wann sich die Investition amortisiert. Das Ergebnis der Studie zeigt eindeutig, dass sich der Heizungstausch wesentlich schneller auszahlt als die Dämmung - sowohl was die Anschaffungskosten als auch das C02-Einsparpotenzial betrifft. Von den untersuchten Heiztechnologien lag dabei die Erdgas- Brennwerttechnik ganz vorn. Sie wies das beste Verhältnis von Investition und C02-Einsparung auf.

    Modernisierung lohnt sich - für den Hausbesitzer und für das Klima. Durch die Erneuerung der rund zehn Millionen modernisierungsbedürftigen Heizgeräte könnte Deutschland sein Klimaschutzziel im Wärmemarkt annähernd zu 100 % erreichen. Voraussetzung ist eine Förderpolitik, die technologie-und energieträgeroffene Modernisierungsanreize schafft. Bernhard Funk

    IEU - Initiative Erdgas pro Umwelt GbR
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    E-Mail: info@moderne-heizung.de
    Internet: http://www.ieu.de


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